Wer ist Petrus Christus? Ein belgischer Maler, aktiv in Brügge 1444-1472/73. Das Metropolitan Museum of Art, New York, besitzt ein Gemälde von ihm: St. Eligius in seiner Werkstatt (98 x 85 cm).
Klasse, das ist unser Mann! Der Goldschmied mit den überragenden Fähigkeiten! Der Mann mit den zwei Sesseln! Was zeigt uns Petrus Christus von diesem Heiligen, und wie hat er sich diesen Mann vorgestellt?
Ich zeige Ihnen hier 2 Ausschnitte, das gesamte Gemälde sehen Sie bei Carol Gerten. Wir haben die Geschichte des Heiligen studiert. Würden Sie meinen, daß Christus seinen Charakter gut getroffen hat?
Christus zeigt einen gierigen Geschäftsmann, verschlagen, ganz diesseits, definitiv nicht das, was man sich unter einem Heiligen vorstellt. Wäre da nicht der Heiligenschein, man würde nie im Leben drauf kommen, daß dieser Mann in irgendeiner Weise heilig sein könnte.
Die gesamte Szene zeigt ein Liebespaar, welches beim Goldschmied Ringe machen lassen will.
Auch bei den Liebesleuten geht es nur ums Geschäft. Sehr mißtrauisch beäugen sie den Goldschmied. Mir fällt Dado wieder ein, der es nicht unterlassen hat, aufzuzählen, wie der Goldschmied seine Kunden betrügen kann.
Diese Kunden trauen ihrem Goldschmied durchaus einen Betrug zu, weshalb man lieber höllisch aufpaßt.
Die ganze Szenerie entspricht vollkommen den aus dieser Zeit bekannten Porträts von Kaufleuten, die ebenfalls knallhart und raffgierig waren, was heute nicht anders ist. Im Vergleich würde manch ein Kaufmann eher als Heiliger durchgehen als dieser Eligius.
Sehr, sehr merkwürdig. War sich Petrus Christus dieser Aussage bewußt?
Das Museum beschreibt Eligius als einen der populärsten Heiligen. Es hebt die Detailtreue des Gemäldes hervor, das die Werkstatt eines Goldschmieds angeblich wunderbar wiedergibt.
Dieses Gemälde soll darüber hinaus das Populärste von Petrus Christus sein (wie schön für das Museum, dieses Bild zu besitzen). Keinerlei Bemerkung zum Heiligen selbst, zur Unheiligkeit des Heiligen und erst recht nicht zum Pferdewunder.
Trotz aller Mühe haben wir also nicht aufklären können, wie es zu dieser grauslichen Vorstellung kommen konnte, und warum diese Vorstellung beliebt wurde. Wenn man sich die Gemälde des Mittelalters vor Augen führt, so fällt eine besondere Lust an Grausamkeit und Metzleien auf. Buchen wir es auf dieses Konto.
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