Zunächst einmal stellt sich heraus, daß der Berichterstatter Dado nicht nur Zeitgenosse, Amtsgenosse und Freund ist, sondern: Partei. Wie weit man also diesem Bericht trauen darf, steht sehr dahin.
Kritisches Lesen ist sicher nicht die Stärke der Heiligenforschung, für mich aber eine natürliche Haltung. Ich werde also reichlich kommentieren.
Der Bericht fängt an mit der Beschreibung des Geburtsortes und seiner Eltern. St. Patrick's Church behauptet, seine Eltern seien Gallo-Römer gewesen. Sein Vater soll ein Goldschmied gewesen sein. Davon berichtet Dado nichts. Er erwähnt lediglich, daß die Eltern aus einer alten christlichen Linie stammen. Dafür trägt er sofort Sorge dafür, daß die Heiligkeit seines Freundes schon vor der Geburt offenbar wird.
Selbstverständlich wird argumentiert, daß die Geschichte den Willen Gottes beweist. By grace of divine prescience, he received the name Eligius, a fitting mirror of his mind. And as a foretaste of what he would do, or indeed what God would do through him, it is fitting to tell what happened before he was born. Genaugenommen wird hier also behauptet, daß die Namensgebung ein Akt göttlicher Gnade und Vorsehung war. Soso.
Als Beweis wird im nächsten Abschnitt der Traum der Mutter angeführt. Der Adler schrie dreimal zu ihr. Die Träumerin hat den Adler nicht verstanden. Der Berichterstatter weiß es auch nicht ("promising I don't know what"), aber immerhin ist es für ihn klar, daß der Adler ihr etwas versprochen hat. Eine Begründung für diese Annahme fehlt.
Die Träumerin war durch den Traum sehr erschreckt ("terrified by the reverberating voice") und fragte sich, was der Traum bedeuten möge. Das ist nicht ungewöhnlich. Schon in der Bibel und älteren Texten werden Träume erzählt und gedeutet.
Als die Geburt beginnt, gerät die Mutter in Not. Auch das ist nicht weiter bemerkenswert. Was tut sie? Sie ruft nach dem Priester ("So they called a certain religious priest, a man of good repute, that he might pray for her"), und zwar nicht nach irgend einem, sondern nach einem "religiösen" Priester. Man muß da wohl unterscheiden.
Dieser Mann verstand sein Handwerk ("When he came to her, prophetic words soon seized him ... "). Das gefällt den Kunden natürlich gut. Es kommt nicht nur über ihn, sondern er hat auch höchst Erfreuliches zu verkünden:
| and he assured her: 'Do not be afraid, mother, for the Lord has deigned to bestow a blessed birth upon you. He will be a holy man and chosen from all his people he will be called a great priest in the church of Christ.' |
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Fürchte dich nicht, Mutter, denn der Herr gewährt dir eine gesegnete Geburt. Er wird ein heiliger Mann sein und erwählt vor seinem gesamten Volk, man wird ihn einen großer Priester in der Kirche Christi nennen.
Na bitte. Welche werdende oder nicht werdende Mutter hört solches nicht gerne? Mit dieser Prophezeiung kann man schon einiges aushalten. Ein Zusammenhang zwischen den Worten des Priesters und dem Traum wird nicht hergestellt.
(oder Stopp?): Das muß man sich klarmachen: sie wundert sich, was der Adler gesagt haben möge, und bittet den Priester, für sie zu beten.
Sie erzählt dem Priester nicht etwa den Traum und fragt ihn, was er bedeuten möge. So wird es von anderen Leuten natürlicherweise aufgefaßt und uns suggeriert (siehe oben). So erzählt es aber nicht unser bester Gewährsmann Dado. So hätte er es erzählen können, so wäre es stimmig.
Der Priester spricht diese Worte ohne Not, ohne Kenntnis des Traums und deshalb ohne Bezug auf den Traum und hat damit der kreißenden Frau zweifellos kurzfristig einen Dienst erwiesen.
Langfristig hat er das Leben des zu gebärenden Kindes mit einer Hypothek belastet. Er hat die Vorstellung der Mutter mit seiner Prophezeiung besetzt, sie ist jetzt besessen von seinen Worten. Das ist wie bei jeder Wahrsagung: die Tatsache, daß die Wahrsagung erfolgt ist, verändert alles.
Ein modernes Beispiel: Santana, Black Magic Woman - "you put a spell on me" - du hast einen Fluch über mich verhängt. Flüche sind die Kehrseite von Wahrsagungen, von der Wirkungsweise her identisch. Das Wort soll die Wirklichkeit verändern und tut es auch.
Was soll so ein kleines Christenkind in seinem Leben tun, wenn es eine Prophezeiung dieser Schwere mit sich herumträgt?
Stellen Sie sich vor, Ihr eigenes Leben würde unter so einem zweifelhaften "Segen" geführt! Sie könnten diese Tatsache nicht einmal verdrängen, denn Sie würden so heißen! Sie stellen sich jemanden vor: gestatten, ich bin der Auserwählte.
Wie kriegen Sie das hin, daß Sie Gott nicht Lügen zeihen müssen?
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