Der erste Absatz über Eligius in der Biographie des Heiligenlexikon bringt ein interessantes Detail: Berichtet wird, dass Eligius' schwangere Mutter Torrigia im Traum einen Adler sah, der dreimal rief, um ihr etwas zu verkünden. Sie wagte zunächst nicht, jemanden nach der Deutung zu befragen; doch als sie nach der Geburt des Sohnes gefährdet erschien, wurde ein heiliger Mann gerufen, um für sie zu beten; er prophezeite ihr, der Sohn werde heilig und groß in der Kirche. Genau. So fängt es an. Immerhin war es nur ein Traum, nicht ein Engel. Aber auf jeden Fall sieht die Mutter, daß der Sohn groß wird. Wie stellt der das dann an? Der Knabe wurde im Goldschmiedehandwerk ausgebildet und Münzmeister am königlichen Hof. Er soll für den Merowingerkönig Chlotar II. einen goldenen Kopf und einen goldenen Sessel, für Dagobert I. mehrere Reliquienschreine gemacht haben. Die Überlieferung berichtet seine Wundertat, wonach er aus dem für einen Thronsessel bestimmten Gold die doppelte Menge machte und zwei Sessel fertigte, um den Erlös Armen zu geben. Tolles Wunder! Verstehe ich das richtig?
| Er machte aus einem Batzen Gold zwei Batzen. |
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Oder sagt die Überlieferung nicht vielmehr, daß er einen Batzen Gold bekommen hat, um daraus einen Sessel zu fertigen, und er hat auch einen Sessel gefertigt und hat entgegen seinem Auftrag nicht alles Material auf diesen Sessel verwendet, sondern etwas beiseite getan (was den Tatbestand der Unterschlagung darstellt), diesen Rest dann für einen zweiten Sessel verbraten, den er dann privat verkauft hat, wobei er das unrechtmäßig erworbene Gut anschließend "den Armen" gegeben hat?
Das würde nun ein ganz anderes Licht auf unseren Helden werfen. Ein Goldschmied, der Karriere machen will und muß, der mit ungeheuren Werten umgeht, die ihm nicht gehören, der vor kriminellen Handlungen nicht zurückschreckt. Was sagen die Quellen dazu?
Auf einer Heiligenseite einer Kirche ( St. Patrick's Church, Washington, D.C.) fand ich eine andere Lesart. Demzufolge hat er einfach mit dem vorhanden Material zwei Stühle gemacht, was den König sehr beeindruckt hat. Verständlich. Also kein Diebstahl. Und kein Wunder.
Dies ist aber vielleicht ebenfalls mehr oder weniger frei erfunden. Als ernstzunehmende Quelle habe ich nur den erwähnten Bericht Dados gefunden, in den ich mich also (ungern) noch einmal vertieft habe.
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