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Galeriebeitrag Ausgabe 103.10 · Das Wunder
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Tja, und da passiert das Wunder. Gott erhört seinen Auserwählten. Eligius bricht über seinen Nachtwachen zusammen und sinkt in den Schlaf, und plötzlich sieht er jemanden vor sich, der sagt:

Siehe, Eligius, deine Gebete sind erhört worden und das Zeichen, worum du gebeten hast, wird dir jetzt gewährt.


Sofort riecht es ganz wunderbar in seinem Zimmer, und zwar so stark, daß man es nicht mehr aushalten kann.

Donnerwetter! Das mit der Vision kann ja jeder erzählen. Wenn ich mich lang genug kasteie und vor allen Dingen lang genug zuwenig schlafe, kriege ich garantiert auch Visionen. Im übrigen kann ich mir auch sonst allerhand einbilden, vor allem, wenn ich mir davon Vorteile versprechen kann.

Aber dieser Geruch! Den müssen doch auch andere Leute riechen. Ziemlich clever. Beim Wunder selbst war ja niemand zugegen. Wenn ich es will, kann ich in meinem Zimmer auch so viel Wohlgeruch verbreiten, daß es stinkt. Wenn ich dann meinen Kumpel hole und ihm von meinem Wunder erzähle: wird er es mir glauben?

Heutzutage ist es nicht mehr so einfach, ein Heiliger zu werden. In diesem Zusammenhang fiel mir der Name Therese von Konnersreuth ein. Darüber hatte ich in irgendeiner Illustrierten vor langer, langer Zeit etwas gelesen. Mit Hilfe von  Google war ich mit reichlich Material eingedeckt. Natürlich hat Therese auch eine eigene  Homepage.

Ein gewisses  Magazin 2000 plus schreibt ganz naiv:

 Therese Neumann: Die Frau, die die Sprache Christi sprach...

Ein einfaches Bauernmädchen lebte 26 Jahre ohne jede Nahrung und Flüssigkeit, wurde dreimal von lebensbedrohlichen Krankheiten geheilt, trug die Wundmale Christi, die regelmäßig bluteten, hatte wöchentliche Visionen von der Kreuzigung, die dich als archäologisch und historisch korrekt erwiesen, in der Sprache Jesu, dem Aramäischen, und beeindruckte damit auch einen Yoga-Meister wie Parama-hamsa Yogananda. Therese von Konnersreuth, deren Todestag sich in diesem Jahr zum 33. Male jährt, war mehr als "bloß" das größte parapsychologische Phänomen dieses Jahrhunderts. Ihr Leben und Wirken zeugte davon, daß es eine Welt jenseits der Kausalität, jenseits der Materie gibt, eine Welt des Geistes, die Welt Gottes. Sie lehrte die ekstatische Liebe zur Schöpfung und den Weg des Opfers, der bedingungslosen Hingabe.



Therese Neumann von Konnersreuth hat 35 Jahre lang jede Menge "Wunder" und eine riesige Anhängerschaft produziert. Allerdings hat sie sich nie in die Karten schauen lassen. Wie sich  herausstellt, hat zum Beispiel niemand jemals bei Therese Blut fließen sehen.

Jeder beliebige Schmierenschauspieler kann sich mit ein bißchen Hühnerblut schnell stigmatisieren. Warum sollte Therese das nicht können? Wer es genauer wissen will, kann sich in die Materie einarbeiten. Ein ganzes Buch mit dem Titel  Der Schwindel von Konnersreuth - ein Skandal ohne Ende? ist online zu lesen.

Für die Kirche ist Therese ein großes Problem. Wenn man Therese (und viele andere Leute) heilig sprechen würde, wäre das sehr peinlich für die Kirche, wenn der Nachweis des Schwindels erbracht würde (der in vielen Fällen auch erbracht worden ist).

Andererseits kann man die vielen "Gläubigen" nicht enttäuschen, die so gern an die Wunder glauben. Was also tut man? Man schiebt die Sache auf die lange Bank. Heilige sind heute nicht mehr gefragt. Die Sache ist im Zeitalter der Naturwissenschaft zu gefährlich geworden. Man hat auch genug Heilige. Irgendwann ist hoffentlich Gras über die Sache gewachsen.

Heute hätte Eligius als Heiliger keine Chance mehr. Wenn er behaupten würde, es hätte ganz plötzlich in seinem Zimmer wundersam gestunken oder er hätte auf ungewöhnliche Art ein Pferd beschlagen, dann würde man das nicht ohne weiteres glauben wollen.

In der Anfangszeit konnten nur solche Christen Heilige werden, die bei der Verfolgung gefoltert und ermordet wurden - die Märtyrer. Später, als das Christentum Staatsreligion geworden war, standen die Chancen auf Heiligtum naturgemäß plötzlich sehr schlecht.

"Im 4 Jh. erfuhr der Märtyrerbegriff eine inhaltliche Ausweitung, so daß ein Kandidat nicht nur durch Verfolgung und Ermordung, sondern auch durch heroische Tugendübung die Verdienste des Martyriums erlangen konnte - und insbesondere dann, wenn sich seine Heiligkeit auch posthum durch außergewöhnliche Zeichen oder Wunder bestätigte." ( Seligsprechungsprozeß)





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