Schlauch als Fühlometer Tastsinn für Fühlen und Spüren von Norbert Kaiser
Zu den Themen Irish Cob (Tinker), Kommunikation |
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Eine wichtige Art der Wahrnehmung und Kommunikation bei Pferden ist der Tastsinn, jene Fähigkeit zum Fühlen und Spüren über ganz spezielle Zellen, die Sinnesrezeptoren genannt werden. Mit diesen innerhalb der Haut über den gesamten Körper verteilten Rezeptoren werden von außen kommende Druck-Reize von der sanften Berührung bis zum Schmerz und natürlich auch Temperatur-Reize von kalt bis heiß wahrgenommen. Diese Sinneszellen sind jedoch nicht einfach homogen über den ganzen Körper verteilt, sondern spezifisch zu Zellgruppen zusammengefasst und unterschiedlich dicht angeordnet. Insbesondere im Bereich von Maul und Nüstern scheinen Sinneszellen in ungewöhnlicher Dichte vorzuliegen. So kann EDDY offenbar mit den unordentlich aussehenden Tasthaaren den mit den Augen nicht einsehbaren Bereich vor dem Maul sondieren und im Zusammenspiel mit den sensiblen Lippen sogar verschiedene Gegenstände identifizieren. Ganz klar, dass hierfür mehrere Sinne zusammenarbeiten. Um etwas identifizieren zu können, muss EDDY dieses Etwas vorher gerochen, geschmeckt und gefühlt haben. Ähnlich einem Blinden kann EDDY dann aufgrund seiner Erfahrung mit dem Tastsinn Oberflächenstrukturen und Körperformen erkennen. Von allem, was an oder ins Maul kommt, scheinen also Erinnerungen über Geschmack, Gestalt, Konsistenz und Textur angelegt zu werden, um auch bei Teilinformation bereits die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Als EDDY seinerzeit keinen Bedarf mehr an Bitterstoffen gehabt hatte, sortierte er sämtliche Chicoree-Blätter aus seinem Futter heraus, ohne sie angebissen zu haben. Auch andere "Fremdkörper" werden fein säuberlich aus dem Fressen separiert: So hatte ich seinerzeit noch zwei Apfelstücke in der Tasche stecken, also warf ich sie einfach (und gedankenlos) in EDDYs BREILE hinein. Ins BREILE gehören nach EDDYs Meinung offenbar nur Müsli vom Hersteller X, Karotten, ein Spritzer Planzenöl und ein gehäufter Löffel gut verdaulicher Mineralzusatzstoffe - aber keine süßen Äpfelstücke. Nicht angebissen lagen die beiden Apfelschnitze im sauber ausgeleckten Trog, so, als ob er sich diese als süße Nachspeise aufheben wollte - oder sollte es nur eine Botschaft an mich sein? Identifizieren der Apfelstücke über den Geruchsinn ist eigentlich nicht möglich, da die Nüstern viel zu weit vom Maul entfernt sind. Und zum Schmecken müsste EDDY die Stücke ja schon im Maul und quasi auf der Zunge gehabt haben. EDDY scheint also mit Tastsinn und Erfahrungswissen die Oberflächenbeschaffenheit, Form und Konsistenz des Futters analysieren zu können. Nur so ist auch zu erklären, warum EDDY sein Maul sofort wieder öffnet, wenn er bei einem von mir unachtsam dargebotenen Karottenstückchen zusätzlich auch einen Finger mit im Maul hat. Und wenn EDDYs sanfte Hinweise, dass er Futter möchte, von mir nicht wahrgenommen werden, dann verbeißt er sich augenscheinlich in meinen Unterarm. In Wirklichkeit umschließen lediglich die Lippen meinen Arm, seine Zähne berühren meine Haut nicht.
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