
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | 05.07.2009
Autoresponse
Haben Sie auch schon einen automatischen E-Mail-Beantworter? Selbstverständlich, wer hat den heute nicht? Und benutzen Sie den auch fleißig? Nach dem Motto: "Vom soundsovielten bis zum soundsovielten bin ich nicht erreichbar." Oder so ähnlich.
Vermutlich glauben diejenigen, die solche fortschrittlichen Instrumente einsetzen, die Empfänger dieser Meldungen würden sich freuen. Vielleicht fürchten sie auch, daß das Geschäft nicht funktioniert, wenn nicht jede E-Mail sofort eine Antwort generiert. Die E-Mail des Absenders könnte ja untergegangen sein. So kann er sich wenigstens sicher sein, daß seine E-Mail angekommen ist.
Und was machen Sie Ihrerseits mit solchen E-Mails? Freuen Sie sich darüber? Werten Sie solche E-Mails als Bestätigung, daß Ihre E-Mail angekommen ist? Oder ärgern Sie sich darüber? Haben Sie sich vielleicht schon so lange und so oft darüber geärgert, daß Sie einen Filter eingerichtet haben, um solche E-Mails ein für alle Mal vollautomatisch zu entsorgen, damit sie Ihnen gar nicht erst vor die Augen kommen und wertvolle Zeit und Energie stehlen können?
Empfangsbestätigung
Diese automatischen Abwesenheitsbenachrichtigungen sind ähnlich sinnvoll wie die Empfangsbestätigungen, die manche Leute immer noch anfordern. Natürlich, der E-Mail-Verkehr ist nicht sicher. E-Mails können verloren gehen. Das gilt für Anrufe und die Briefpost aber auch. Selbst wenn man auf einen Anrufbeantworter spricht, ist damit nicht sichergestellt, daß der Adressat den Anrufbeantworter auch ordnungsgemäß abhört. Und selbst wenn er das getan hat, kann ich nicht sicher sein, daß er anschließend so reagiert, wie ich das möchte, beispielsweise mich zurückzurufen. Kann ich ihm böse sein? Es ist doch sein gutes Recht, auf ein Gespräch mit mir zu verzichten. Gleiches gilt für E-Mails. Wer sagt denn, daß jede E-Mail beantwortet werden muß?
Man könnte die Beantwortung durch eine Empfangsbestätigung erzwingen; das ist die Analogie zum Einschreiben. Soweit klingt die Idee gut. Ein Einschreiben kostet aber Geld, und deshalb wird dieses Verfahren nur dann in Anspruch genommen, wenn es wirklich nötig ist. Die Empfangsbestätigung bei E-Mails jedoch kostet nichts, und deshalb haben unbedarfte Zeitgenossen dieses Mittel inflationär gebraucht. Jede beliebige, auch noch so nichtssagende E-Mail wurde mit einer Empfangsbestätigung versehen. Das nervt einfach nur.
Aus demselben Grunde hat sich die Kennzeichnung einer E-Mail als mehr oder weniger wichtig totgelaufen: je unwichtiger die E-Mail, desto dringender die Kennzeichnung. Schließlich konnte man schon davon ausgehen, daß es sich um Spam handeln muß, wenn die E-Mail als dringend gekennzeichnet ist. Spam ist übrigens vor allen Dingen auch deshalb zu einem Problem geworden, weil E-Mails nichts kosten. Unerwünschte Werbung gibt es ja auch in der Briefpost, aber die ist teuer und hält sich deshalb einigermaßen in Grenzen. Alles was einfach ist und nichts kostet, wird also bewußt oder aus Unwissenheit missbraucht.
Aufklärung
Man könnte ja manchmal denken, daß die Menschheit nicht länger ruht, als bis alles Gute und Schöne zerstört ist. Ich bin aber ein Optimist und glaube an das Gute im Menschen. Wenn sich jemand nicht richtig verhält, weiß er es vermutlich nicht besser. Wie schrieb Gudrun Schultz-Mehl in dieser Woche?
| | Verschaffe Dir viel Wissen und sei mit all Deinem Wissen immer wachsam, nicht nur bei Deinem eigenen Pferd, sondern gib Dein Wissen weiter, wenn's wirklich Not tut, auch wenn Du dann angeschnöselt wirst. Denk dran, dass Der, der nichts weiß, ja nicht weiß, dass er nichts weiß, der arme Kerl. | | |
Sie ist also auch Optimist und glaubt an die Wirkung der Aufklärung, nimmt dafür sogar allerhand Unbill in Kauf und fordert ihre Schüler auf, gleiches zu tun.
Zurück zum Thema: Warum sind automatische Abwesenheitsbenachrichtigungen Unfug? Warum sollte man so etwas nicht tun? Ganz einfach: Sie nützen nichts und schaden viel.
In Firmen-E-Mails findet man häufig noch Informationen, die so tun, als seien sie nützlich, etwa nach dem Muster: "Wenden Sie sich während meiner Abwesenheit an den und jenen, den Sie so und so erreichen können." So ein Quatsch! Wenn sich jemand in der Zwischenzeit um die Angelegenheiten des Urlaubers kümmern soll, richtet man eine Weiterleitung ein. Das macht man mit Telefonen so und natürlich auch mit E-Mails; nichts ist leichter als das. Damit wird der Stellvertreter vollautomatisch informiert und kann handeln; der Absender, der mit der Urlaubsregelung nun wirklich nichts zu tun hat und den das auch überhaupt nicht interessiert, braucht sich um nichts zu kümmern. In allen anderen Fällen ist eine automatische Rückmeldung vollkommen überflüssig. "Wir werden uns um Ihre Angelegenheit kümmern, sobald es uns möglich ist." Wunderbar! Davon gehe ich einfach aus, das muß ich nicht schriftlich haben.
Fehlgeleitete Kreativität
Und warum thematisiere ich das jetzt? Weil ich seit Wochen die Rückläufer analysiere und auf zig Varianten dieser automatischen Antworten gestoßen bin, für die ich jeweils einen eigenen Filter definieren mußte. Sie glauben gar nicht, wie viele unterschiedliche Formulierungen es für diesen selben Sachverhalt gibt. Ich fürchte, ich werde mit dieser Arbeit nie zu Ende kommen. Irgendjemand wird immer irgend einen Dreh finden, die Sache so zu formulieren, daß keines meiner Filter greift. Denn bei so einer Sache sind die Menschen sehr erfinderisch. Man möchte ja schließlich individuell und einfallsreich antworten. Schließlich ist es eine automatische Antwort, und die soll eben nicht automatisch aussehen. Also dann!
Ich mache mir keine Hoffnungen. Auch dieses Editorial wird nicht genügend Wirkung haben, um dieses Problem ein für alle Mal zu erledigen. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bin überzeugt, daß wir uns in 10 Jahren über diesen Unfug keine Gedanken mehr machen müssen. Kann man den Menschen denn einen Vorwurf machen? Die Freemailer haben doch gerade erst angefangen, ihre Millionen von Kunden zu animieren, diese fortschrittliche Option zu nutzen. Dabei müßten die doch eigentlich wissen, was Sache ist. Die Profis sind also in Wirklichkeit schuld an der Misere. Sie verleiten die Kunden dazu, sich unvernünftig zu verhalten. Schande über die Fachleute!
Eines Tages wird sich jemand aufmachen und den weltweiten gesamtwirtschaftlichen Schaden berechnen, der durch den Einsatz der automatischen E-Mail-Rückantworten verursacht wird. Bei jedem einzelnen Werktätigen und jeder einzelnen Rückantwort sind es nur Sekunden oder vielleicht sogar nur Bruchteile von Sekunden, die vom Arbeitgeber bezahlt werden müssen oder unbezahlt von der Lebenszeit des Empfängers abgehen. Bei vielen Rückantworten am Tag und Millionen, nein Milliarden von Teilnehmern am weltweiten E-Mail-System ergeben sich gigantische Schäden, die niemand verantworten kann. Wenn auch der letzte es eingesehen hat, wird der Spuk vorbei sein. Immerhin ist hier jeder selbst verantwortlich, im Gegensatz zum Spam, den wir alle nur erleiden und gegen den wir selbst nichts unternehmen können.
Spam
| Best fur die Besten. Die phanomenale Vergro?erung der Mannerleistung. Die Frauen im Erstaunen von dieser Eroffnung. 70 000 zufriedene Kunden haben unsere Methodik schon versucht. 100 % herbal, 100 % Natural, 100 % Safe... | | |
Haiku
| - E-Mail erhalten.
Vielen Dank für die E-Mail!!!! Danke für die Mail.
- Groß, größer, Leistung?
100 Prozent - mehr geht nicht. Schon versucht? Klappt nicht?
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