| | | Zivilist, geschrieben von Zivilist |  |  |  |
| Hinweis der Redaktion: Dies ist der letzte Teil der Auszüge aus dem ersten Band über das Pferd Zivilist. Beide Bände liegen zwar in mehreren Sprachen vor, sind aber sämtlich vergriffen. Eine Neuauflage wird derzeit vorbereitet. Links zur Suche in antiquarischen Datenbanken finden Sie unter Quellen am Ende des Artikels. | BEI HARN Nachdem der neue Stall neben der Scheune fertiggestellt war, brachten wir Zivilist, Günther und Paulchen im Januar 1992 in ihr neues Domizil, wo Richards eigenes Pferd Pedro Rodriguez Fernandez schon stand. Heinz und ich staunten nicht schlecht: Herbert und Richard hatten einen neuen Stall gebaut, direkt an der Giebelseite der baufälligen Scheune. Rechts daneben schloß sich die gut einen halben Hektar große, eingezäunte Wiese an; links daneben lag noch immer der gesamte Bauschutt, den der Vermieter eigentlich, so damals seine Zusage, bis zum Mietvertragsbeginn entfernen wollte. Diesen Teil des Hofes trennten die beiden mit Stangen von der Koppel ab. Richard und Herbert hatten mit der Renovierung alle Hände voll zu tun. Damit die Praxis eröffnet werden konnte, mußten sie den Schrott und Schutt um das Haus aber noch beseitigen, denn es wäre ja nicht gerade eine gute Visitenkarte, wenn sich die Tiere auf dem Weg zum Tierarzt verletzen würden. Die Besitzer zeigten sich nicht gewillt, ihren Bauschutt und Abfall selbst wegzuräumen - lediglich ein paar große Sandsteine fingerten sie aus den Haufen, um damit ein Mäuerchen in ihrem Garten zu errichten. Einige andere brauchbare Steine verluden sie in ihre Scheune, damit war der Fall für sie erledigt. Später erfuhren wir, daß der ganze Schutt schon über drei Jahre da gelegen hatte. Es war Frühsommer, als Richard seine Praxis eröffnen konnte. Die Tierliebe des Vermieters war wirklich grenzenlos, so schämte er sich nicht, uns im Juli sein seit vierzehn Tagen verregnetes und verfaultes "neues" Heu zum Kauf anzubieten. Dies lag nun auf der drei Hektar großen Wiese, die er anfangs als Weide für die Pferde zugesagt hatte, und gammelte vor sich hin. Als wir das natürlich ablehnten, verbot er uns, unser gekauftes Heu in der Scheune zu lagern, so wie es zuvor ausgemacht worden war. Harn senior warf Richard vor, daß dieser ihm das Heu - wie zuvor vereinbart - nicht abgekauft hatte, und jetzt flüchte er sich in die Ausrede, verregnetes Heu sei untauglich. So blieb Herbert und Richard nichts anderes übrig, als kleine Mengen Heu und Stroh von Bauern aus der Umgebung anzukarren und im alten Hausstall zu lagern. Mit meinem kleinen R5 brachte ich auch täglich zwei Heuballen mit. Das war ein lustiges Bild: Den Rücksitz klappte ich um, und auf den beiden Heuballen machte es sich Poppers bequem; dieser Platz gefiel ihr scheinbar sehr gut. Zwei Wochen später fackelte der Besitzer sein verfaultes Heu dann auf der Wiese ab, so daß große Teile der Grasnarbe verkohlten. Seit Monaten hatten die Pferde keine ausreichende Weide und jetzt dauerte es nochmals ein paar Wochen, bis der größte Teil der Asche überwuchert wurde. Als dann endlich die Wiese zu benutzen war, holte der Vermieter zum neuerlichen Schlag aus, und zwar wollte er einen Teil seiner Schafe zu den Pferden stellen, obwohl er auf seinen 40 Hektar Land nun weiß Gott genügend Platz hatte. Jetzt sollten sie unbedingt auf der an Richard verpachteten Wiese stehen, Harn senior müsse den Pachtvertrag lösen. Richard bestand auf die Pachtabsprache und verwies auf genügend andere Wiesen, die er als Weide für seine Schafe nutzen könnte. Zähneknirschend gab er klein bei.
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