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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
04.01.2009

Jahresanfang

Das neue Jahr ist nun schon ein paar Tage alt; die vergangene Woche war nicht die letzte des alten Jahres, sondern bereits die erste des neuen. Ende November hatten wir bereits Schnee, was inzwischen selten geworden war, und auch jetzt liegt wieder Schnee auch bei uns im südlichen Norddeutschland. Das Wetter richtet sich offenbar doch nicht nach der Klimaerwärmung.

Oder genauer gesagt: Das Wetter ist mal so und mal so. Ich kann mich noch gut an die Schneekatastrophe in Norddeutschland vor 30 Jahren erinnern. Da ging für eine Woche nichts mehr, Dörfer waren tagelang von der Umwelt abgeschnitten, man ging wieder zu Fuß, man hatte Zeit, man hielt ein Schwätzchen mit den Nachbarn. Als die Schule wieder anfing, waren meine Schüler so begeistert von dieser neuen Erfahrung, daß wir daraus ein Projekt machten: Wie kann man das in den Alltag retten?

Es ging natürlich nicht, in kurzer Zeit war alles wie vorher, jeder war im Stress, keiner hatte Zeit, man grüßte sich höchstens von ferne. Und auch das Wetter beruhigte sich wieder. In den vergangenen 30 Jahren hat die Wissenschaft enorme Anstrengungen unternommen, das Wetter besser zu verstehen, aber leider ist nichts dabei herausgekommen. Inzwischen weiß man, daß es nicht an den Daten liegen kann, denn Daten gibt es reichlich. Es liegt wohl am wissenschaftlichen Modell.



Warmzeit

Ich zweifle nicht daran, daß wir in einer Zeit der Klimaerwärmung leben. Sicher trägt auch der Mensch seinen Teil dazu bei, die Frage ist nur: wie viel? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir mein Vater das erste Mal von Eiszeiten erzählte. Eiszeiten hatten sich mit Warmzeiten abgewechselt, und zwar regelmäßig. Die Zeugen dieser langfristigen und extremen Klimaveränderungen konnte man in der Landschaft liegen sehen: das waren die Findlinge, die den Anlaß zu dieser Betrachtung gegeben hatten.

Und dann kam meine Frage: Wo leben wir jetzt? Ist das eine Kaltzeit oder eine Warmzeit? Hat sich am Wechsel etwas geändert oder befinden wir uns mitten in einem solchen Zyklus, der sich zweifellos weiter fortsetzen wird? Die Antwort meines Vaters kam ohne Zögern: Wir leben in einer Warmzeit. Wie warm eine Warmzeit werden kann, auch in unseren Breiten, kann man daran ablesen, daß Krokodile und Nilpferde im Rhein gelebt haben sollen - das muß eine ziemlich warme Warmzeit gewesen sein, wesentlich wärmer als heute.

Wie warm oder kalt möchten wir es denn haben? Wenn wir in einer Warmzeit leben, müßte es ja eigentlich wärmer oder kälter werden, je nachdem ob die Warmzeit noch vor oder nach ihrem Höhepunkt ist. So gesehen liegen wir ganz eindeutig vor dem Höhepunkt. Es hat in der Entwicklung sogar vor nicht allzu langer Zeit einen Knick gegeben, als es nämlich für längere Zeit deutlich kälter wurde. Diese Zeit vom Anfang des 15. bis zum 19. Jahrhundert wurde dann als » Kleine Eiszeit bezeichnet.



Wandel

Alles befindet sich in Bewegung und wandelt sich, nichts bleibt sich gleich. Geologen braucht man das nicht zu erzählen, die wissen sehr genau, daß alle Landschaften auf dieser Erde durch Wind und Wetter, Vulkanausbrüche und Kontinentalverschiebungen geformt worden sind und ständig weiter geformt werden. Und auch wir selber bleiben nicht gleich, sondern werden von Tag zu Tag, von Sekunde zu Sekunde älter und hoffentlich auch ständig erfahrener und weiser.

Eigentlich paßt uns das überhaupt nicht. Wir möchten, daß alles so bleibt, wie es ist, zumindest dann, wenn wir mit dem betreffenden Zustand zufrieden sind. Wandel kann sich zum Guten oder zum Schlechten auswirken, und besonders Letzteres möchte man natürlich nicht. Also scheuen wir das Risiko und hoffen, daß alles bleibt, wie es ist, und nichts sich verändert. Damit kann es sich natürlich auch nicht verbessern, und das wäre schlecht.

So hoffe ich also mit Ihnen, daß im neuen Jahr alles besser wird, daß wir den Mut finden, über den Status quo hinauszugehen und uns zuzutrauen, die Verhältnisse zu verbessern. Sollte uns das nicht gelingen und wir einen Rückschlag hinnehmen müssen, so sollten wir das nicht als Anlaß nehmen, über unseren Versuch zu jammern und diesen zu bedauern, sondern aus dem Fehlschlag zu lernen und einen erneuten Versuch zu unternehmen, die angestrebte Verbesserung zu erreichen. Wer aufgibt, ist verloren. Weitermachen ist die Devise! Es kann nur besser werden, wenn man dranbleibt!



Haiku

Alles wird besser!
Nur Mut! Aus Fehlern lernen!
Wandel wirkt Wunder.


 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 






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