
| | | Heidi Keppel | | | | | Zeit für einen Neuanfang Von › Heidi Keppel
In meinem letzten Tipp habe ich Pferdebesitzern und Reitern einige Denkanstöße gegeben, die zur weihnachtlichen Besinnung einladen sollten, doch damit allein ist es noch nicht getan. Es genügt auch nicht, sich bei seinem Pferd für (gelegentliches) unfreundliches Verhalten, mangelndes Verständnis oder etwaige Ungerechtigkeiten zu entschuldigen, man muss schon auch noch den guten Willen zeigen, sich diesbezüglich zum Positiven zu verändern. Und was ist nahe liegender, als solche guten Vorsätze zum Jahreswechsel hin zu fassen?!
Harmonische, partnerschaftliche Zusammenarbeit ist diesbezüglich sicher ein sehr empfehlenswertes Ziel, aber wie wir leider alle wissen, werden alljährlich viele gute Vorsätze gar nicht oder nur kurzfristig in die Tat umgesetzt. Um nicht gleich nach wenigen Tagen ins alte Schema zurückzufallen, sollten Sie sich deshalb auch in diesem Bereich für den Anfang keine allzu hohen Ziele stecken, die Sie unmöglich einhalten können. Es ist zwar durchaus löblich, wenn Sie eine rundherum harmonische Beziehung mit Ihrem Pferd anstreben und aus diesem Grund ein freundschaftliches Verhältnis mit rücksichtsvollem Umgang und sanften reiterlichen Hilfen praktizieren wollen, aber zu hohe Erwartungen führen eher zu Enttäuschungen als zum Erfolg.
Wenn Sie z.B. eher ein Hitzkopf sind und normalerweise rasch aufbrausend reagieren, sobald Ihr Pferd Ihre Anweisungen nicht prompt befolgt, ist die spontane Verwandlung in einen gutmütigen Menschen, der seinem vierbeinigen Reitpartner stets und unter allen Umständen mit ruhiger Geduld begegnet, ziemlich unwahrscheinlich. Es ist vielmehr anzunehmen, dass Sie letztendlich noch ungehaltener werden, wenn Sie versuchen, sich ständig unter Kontrolle zu halten. Hier ist es auf alle Fälle sinnvoller, sich auch schon an kleineren Erfolgen zu erfreuen, selbst wenn die friedvolle Zusammenarbeit mit dem Pferd anfangs nur wenige Minuten klappt. Mit Hilfe dieser geistigen positiven Verstärkung lässt sich aber über kurz oder lang bestimmt die ersehnte Harmonie erreichen, wenn dies tatsächlich Ihr Herzenswunsch ist.
Und auch von Ihrem Pferd dürfen Sie natürlich keine Wunder erwarten. Es kann schlechte Gewohnheiten genauso wenig wie Sie von heute auf morgen abstellen und es kann auch nicht von einem Moment auf den anderen höchstes Vertrauen zu Ihnen erlangen, nur weil Sie nun nur noch freundlich mit ihm umgehen. Es kann schließlich nicht wissen, ob dieser Zustand von langer Dauer ist. Vertrauen wächst langsam, und dafür müssen Sie als echter Pferdefreund Verständnis haben.
Sich als vertrauenswürdig zu erweisen, ist aber jedenfalls ein guter Vorsatz für das Neue Jahr, den Sie nie vergessen sollten. Auch wenn es Ihnen bisweilen schwer fällt und selbst wenn Sie dadurch auf so manche Annehmlichkeit verzichten müssen, sollten Sie von diesem Ziel niemals abrücken, denn nur in einer echten, stabilen Freundschaft können sich Pferd und Reiter auf Dauer gegenseitig aufeinander verlassen.
Wie Sie sich bereits mit kleinen freundschaftlichen Gesten das Vertrauen und die Treue Ihres Pferdes verdienen können, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp. Bis dahin bleibt mir nur noch, Ihnen und Ihren vierbeinigen Lieblingen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und einen viel versprechenden Neuanfang für Ihre Mensch-Pferd-Beziehung zu wünschen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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