| | "Cutting" erfordert blitzschnelles Wenden auf der Stelle, um Kälber einzufangen, Verschleiß der Pferdebeine ist dabei einkalkuliert. Frage: Müssen in unseren Gefilden Kälber mit dem Pferd eingefangen werden? |  |  |  |
| | | Ein Ruck im Maul, schon steht der Gaul: So grobes Reiten wollen die Westernverbände nicht mehr hinnehmen. Cavallo 2003, Foto: Lenz |  |  |  |
| | | | Das Resultat solcher Ausbildung: Spat an beiden Sprunggelenken und angelaufene Kron- und Fesselgelenke |  |  |  |
| Das innere Hinterbein wird also durch entsprechende Reiterhilfen auf gebogener Linie vermehrt gebeugt und zum Tragen gefördert. Bei häufigem Handwechsel werden auf diese Weise beiderseits die Hinterbeine, die ‚Hanken' (Hüft-, Knie- und Sprunggelenk) gymnastiziert, sowie in ihrer Muskulatur und damit in ihrer Tragkraft gestärkt. Auf gerader Linie sind es dagegen vor allem die halben und ganzen Paraden, die die Hinterhand zu vermehrtem Tragen anregen, sie müssen dann aber auch in entsprechender Qualität ausgeführt werden. Es gibt Reiter, auch solche die schon recht lange und gut reiten, aber dennoch ihr Leben lang Schwierigkeiten mit dem Reiten von Paraden haben, und deren Abstimmung zwischen den treibenden und den verhaltenden Hilfen nie ganz sicher im Gefühl verankert werden konnte. Auch in meinem Reiterleben waren vor allem die ganzen Paraden aus dem Trab bei dem einen oder anderen Pferd oft Glückssache, nicht so geschmeidig wie sie sein sollten, bei anderen wiederum zuverlässig sicher. Das war meist bei den besonders intelligenten Pferden der Fall, die sehr aufmerksam waren und mir in ihrer Sprache sagten: ‚o. k. - ich merke schon was Du willst und ich mache mit'. Eine Steigerung der für die Versammlung vorbereitenden Übungen kann man noch erreichen, wenn man nach einer korrekten Haltparade das Pferd einige Tritte rückwärts treten lässt und daraus wieder anreitet, mal im Schritt, mal im Trab - Dein Pferd soll immer erst auf Deine Kommandos (Jetzt auch noch mit Stimme), Deine Hilfen warten. Es darf auch noch im jetzigen Ausbildungsstand zwischen dem Rückwärts-Vorwärts zum kurzen Stehen kommen. Im Übrigen kannst Du damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn dieses Rückwärts-Vorwärts verbessert auch die Durchlässigkeit. Das Rückwärts-Vorwärts ist ein Teil der sogenannten ‚Schaukel', einem mehrmaligen vor und zurück Treten, ohne dass ein Stocken entsteht beim Wechsel der Richtung oder gar ein kurzes Halten. Die Schaukel war bis vor einigen Jahren in Dressuraufgaben der höheren Klassen enthalten, heute wird sie nicht mehr verlangt, was ich nicht ganz verstehen kann, denn sie war eine deutliche Überprüfung der Durchlässigkeit. Sie wird ganz sicher später auch in Dein Ausbildungsprogramm gehören und vielleicht erscheint sie auch mal wieder im Aufgabenheft. Zum Rückwärts-Vorwärts: auch hier wieder der Rat, nicht zu übertreiben, möglichst dann mit der Übung aufhören, wenn sie grade gut gelungen war, also als Belohnung für die gute Tat! Du musst auch daran denken, dass das Rückwärtstreten die Sprunggelenke von KORALLE recht stark beansprucht, ihre Gesunderhaltung ist aber oberstes Gebot! Ganz allgemein: beim Üben von versammelnden Lektionen ist es wichtig, zwischendurch immer wieder im frischen Vorwärts auf langen Linien ein Zuviel dieser Übungen zu vermeiden. Wenn eine Übung nach mehreren Versuchen nicht klappen will, dann sollst Du zu etwas Einfachem zurückkehren, was KORALLE gut kann und gern macht, damit Du sie loben und wieder positiv stimmen kannst. Danach versuche das Schwierigere oder Neue noch mal. Es kann aber auch sein, dass es besser ist, einen nochmaligen Versuch auf einen anderen Tag zu verschieben. Ganz allgemein wäre es falsch, wenn Dein Pferd mal einen weniger guten Tag hat, dann ausgerechnet Neues oder Schwierigkeiten ins Programm zu nehmen. Du hast eine lebendige Partnerin, die sich, wie Du auch, nicht jeden Tag gleich gut fühlt; sie ist auf Deinen Verstand, Dein Einfühlungsvermögen und auf Deine Fairness angewiesen. Noch ein Hinweis für das Reiten auf geraden Linien: zum Unterschied zum Reiten auf gebogenen Linien, bei dem die Anlehnung an die Reiterhand durch die diagonalen Hilfen nicht an beiden Seiten gleich stark ist, soll die Anlehnung auf gerader Linie beiderseits gleich sein. Der Pferdehals soll zwischen beiden Zügeln eingerahmt sein und gerade gehalten werden, bis auf eine im Galopp ganz leichte Tendenz zur Stellung nach innen. Später wird das Reiten in Stellung als vorbereitende Übung für die Seitengänge auch auf gerader Linie an Bedeutung gewinnen.
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