
| | | Heidi Keppel | | | | | Besinnliche Weihnachtszeit Von › Heidi Keppel
In den nächsten Tagen ist es wieder mal so weit − Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Zeit der Besinnung, die Zeit der Nächstenliebe! Egal, ob wir fleißige Kirchengeher sind oder ob wir unseren Glauben nur still in unserem Herzen tragen, wir alle sehnen uns nach Erlösung, nach innerem Frieden, Glück und Zufriedenheit. Selbst Menschen, die ständig auf irgendeine Weise Krieg mit anderen oder auch mit sich selbst führen, tragen diese unauslöschbare Sehnsucht in sich!
Wir warten auf Erlösung von außen, anstatt zu erkennen, dass wir unsere Erlösung nur durch uns selbst bekommen können. Ganz allein an uns liegt es, ob wir mit unserem Leben glücklich und zufrieden sind und ob wir im Einklang mit anderen Lebewesen unsere Erfüllung finden. Jeder von uns kann selbst bestimmen, wie er auf diverse Schicksalsschläge reagiert und ob er auch aus (scheinbar) negativen Situationen das Beste herausholt, denn unangenehme oder tragische Ereignisse sowie sämtliche Krisen sind eigentlich nur Prüfungen, die uns das Leben auferlegt und die wir bestmöglich zu meistern versuchen sollten.
Auch viele Pferdebesitzer kennen solche ‘Prüfungen’ zur Genüge, z.B. in Form von chronischen Krankheiten ihrer vierbeinigen Lieblinge, aber auch häufige Verständigungsschwierigkeiten und daraus resultierende Reitprobleme haben schon so manchen Reiter zur Verzweiflung gebracht. Wer dann die Ursache allen Übels immer nur bei seinem Pferd sucht oder auch verschiedensten äußeren Faktoren die Hauptschuld gibt, ist damit aber leider nur allzu oft auf dem Holzweg, denn oft sind wir selbst dafür verantwortlich.
Die Erlösung, also die Lösung aller grundlegenden Probleme finden wir in uns selbst, sofern wir an der richtigen Stelle suchen. Mit der Suche im Herzen und damit bei der Nächstenliebe zu beginnen, ist sicher ein sehr guter Ansatz, denn nur zu oft reden wir von der Liebe zum Tier, ohne uns darüber im Klaren zu sein, was das wirklich heißt. ‘Liebe geben’ hat nicht nur mit sporadischen Streicheleinheiten und Lob zu tun, es sollte vielmehr bedeuten, dass wir auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten und füreinander da sind, und dies wiederum kann doch nicht nur einseitig funktionieren.
Wir wünschen uns, dass unsere Pferde uns lieben, uns vertrauen und immer für uns da sind. Reiten in völliger Harmonie ist unser Ziel, und wir sind maßlos enttäuscht und frustriert, wenn nicht alles perfekt klappt. Wir bezeichnen uns als Pferdefreunde und doch erwarten wir immer und überall bedingungslosen Gehorsam von unseren Tieren, ein Verhalten, das doch eher einem Despoten gleichkommt.
In der weihnachtlichen Zeit der Besinnung sollten wir uns einmal fragen, wie oft unsere Pferde wohl von uns enttäuscht waren, weil sie feststellen mussten, dass ihre Wünsche und Gefühle bei den gemeinsamen Unternehmungen nicht berücksichtigt wurden, oder weil sie trotz Schmerzen oder Unbehagen Leistungen erbringen mussten, zu denen sie momentan nicht in der Lage waren.
Nicht nur Turnier-, auch Freizeitreiter müssen sich diesbezüglich wohl öfters bei der eigenen Nase nehmen, denn oft bemerken sie das stille Leid ihrer vierbeinigen Gefährten gar nicht oder verharmlosen deutliche Anzeichen dafür mit Sätzen wie: ‘Mein Pferd spinnt heute mal wieder!’ oder ‘Heute musste ich meinen faulen Gaul wieder dauernd antreiben! Das war vielleicht mühsam!’
Wann immer uns der Sinn nach solchen Bemerkungen steht, sollten wir aber eher darüber nachdenken, wie unser Pferd die Zusammenarbeit wohl empfunden hat, ob es für das Tier nicht noch weitaus anstrengender war und ob es nicht vielleicht gute Gründe hatte, warum es den ‘Dienst’ auf diese oder jene Weise verweigerte. Und schließlich sollten wir uns überlegen, ob wir als echte Pferdefreunde nicht eigentlich mehr auf unseren vierbeinigen, meist ohnehin geduldigen Reitpartner Rücksicht nehmen sollten.
Möglicherweise hat der Wind bei ihm Kopfschmerzen oder unangenehme Blähungen verursacht, oder nasskaltes Wetter hat den Harnapparat gereizt. Auch Kreislaufbeschwerden aufgrund von starken Temperaturschwankungen sind nicht nur uns Menschen bekannt, und ein neuer Hufbeschlag kann ähnliche Beschwerden verursachen wie ein neues Paar Schuhe, mit denen wir zu Beginn auch nicht gleich lange Gewaltmärsche unternehmen können. All diese kleineren Unpässlichkeiten wären bald vorüber, können sich aber zu langfristigeren Beschwerden ausweiten, wenn wir dem Pferd keinerlei Schonung gewähren.
Es könnte auch sein, dass wir beim Ausritt eine zu lange bzw. zu anstrengende Route gewählt haben, welche die Kondition unseres Pferdes überforderte. Vielleicht schmerzten die empfindsamen Hufsohlen auf dem schotterigen Weg oder die Muskeln und Sehnen waren fast nicht mehr in der Lage, das Gewicht des Pferdekörpers mitsamt seinem Reiter einen steilen Abhang hinab zu tragen.
Oder aber wir haben die Geduld und die Nerven unserer Pferde überstrapaziert, indem wir irgendeine Reitlektion unzählige Male wiederholten, um sie zu perfektionieren, ohne zu erkennen, dass wir damit gerade das Gegenteil erreichten. Wir Menschen fühlen uns schließlich auch gestresst, wenn wir auf diese Weise gedrillt werden, und wir würden wohl niemanden als unseren Freund bezeichnen, der gegen unseren Willen Derartiges von uns verlangt.
All diese und ähnliche Überlegungen sollten wir in unsere weihnachtliche Besinnung miteinbeziehen und wenn wir dann zu der Erkenntnis gelangen, dass wir unseren Pferden hin und wieder oder auch häufiger Unrecht getan haben, dann sollten wir als wahre Pferdefreunde den Anstand besitzen und uns bei ihnen entschuldigen! Ob wörtlich oder auf gedanklichem Wege spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, denn unsere Pferde haben die Begabung, in unsere Herzen zu sehen und zu spüren, ob wir es ehrlich meinen, und wenn die Liebe echt ist, ist uns ihr Verzeihen sicher.
In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern nicht nur ein besinnliches, sondern auch ein frohes Weihnachtsfest im Kreise ihrer zwei- und vierbeinigen Freunde!
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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