Erst allmählich begreifen wir, daß die Grenzen der menschlichen Erfindungskraft noch keineswegs erreicht sind, im Gegenteil: erst die Schwierigkeiten und der Mangel öffnen die Türen zu ungeahnten neuen Möglichkeiten. So gesehen muß man Herausforderungen und Probleme begrüßen und sogar herbeiwünschen, wenn sie sich nicht automatisch einstellen würden, weil sonst die Kreativität nicht herausgefordert werden würde und ein Fortschritt unmöglich wäre. Wie würde sich die Welt entwickeln, wenn alle Energien und Ressourcen, die heute in destruktive Aktivitäten investiert werden (Terror, Krieg, Drogenverbrauch, Mobbing usw.), zu positiven Aktivitäten führten? Diese Frage ist natürlich ebenfalls nicht neu und immer wieder gestellt worden: eine der ältesten überlieferten » Utopien ist die » Politeia » Platons, die vor etwa 2700 Jahren geschrieben wurde - abgesehen von den Utopien, die sich in den religiösen Überlieferungen der Menschheit niedergeschlagen haben. Ich schließe daraus, dass es sich hierbei ebenfalls um eine menschliche Sehnsucht handelt, die trotz aller negativen Erfahrungen nicht unterzukriegen ist, offenbar weil der Mensch spürt, daß diese Sehnsucht durchaus das Potential zur Realisierung hat. Die Schwierigkeiten sind zwar enorm und mögen unüberwindbar erscheinen, aber vermutlich sind sie es nicht. Die bösen Buben, die für das Elend und Leid der Welt zumindest in Teilen verantwortlich sind, sehen durchaus, daß ihre Rolle erbärmlich und scheußlich ist - wie sonst wäre es etwa zu erklären, daß einer, der im Verbrechen eine Spitzenposition erreicht hat, für seinen Sohn eine bürgerliche Laufbahn vorzieht? | SPIEGEL ONLINE: Wie sollen wir Sie als Boss ansprechen? Capo: Ich bin ein Medaglione, der höchste Grad, den man bei uns erreichen kann. Nennen Sie mich doch einfach Fedele. [...] SPIEGEL ONLINE: Wissen Ihre Frau und Ihre Kinder eigentlich, womit Sie Ihr Geld verdienen? Capo: Sie sehen es. Sie wissen es. Aber sie sagen nichts. SPIEGEL ONLINE: Soll Ihr Sohn einmal den gleichen Weg gehen? Capo: Nein. Ich möchte, dass er Arzt wird oder Anwalt. » "In Deutschland fühlen wir uns sehr wohl" | | | Recht hat der Mann, denn das Böse hat keine Zukunft. Bisher sind alle Verbrecher ausnahmslos gescheitert - ob man sie als solche gesehen hat oder nicht - die berühmten Staatsmänner » Napoleon, » Hitler, » Stalin und » Mao, um nur ein paar zu nennen, die besonders viele Menschen auf dem Gewissen haben, sind gute Beispiele für meine These: es sind arme und verzweifelte » Loser, die nicht wussten, wofür es sich lohnt zu kämpfen, und die dafür einen hohen Preis bezahlt haben, indem sie sich mit unglaublicher Schuld beluden, was ihre Seele zweifellos exakt registriert hat. Man möchte nicht in ihrer Haut gesteckt haben. | Stalins Tochter Swetlana Allilujewa wurde zu dem sterbenden Diktator auf dessen Datscha in Kunzewo gerufen und sagte über Stalins Ende: "Vater starb schrecklich und schwer. Gott gibt den Gerechten einen leichten Tod." » Stalin | | | Man kann sich nicht selbst betrügen, der Moment der Wahrheit kommt, er kommt im Schlaf, der Alpträume produzieren kann (sehr schön inszeniert, aber nicht thematisiert in » Ingmar Bergmans Alterswerk » Sarabande, der Fortsetzung von » Szenen einer Ehe), er kommt spätestens beim Tod.
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