Selbst in den USA spricht sich langsam herum, daß weniger mehr ist. Eine sehr interessante Einführung in dieses veränderte Denken las ich neulich in einer der E-Mails, die ich täglich bekomme. Darin versucht jemand mit allen Mitteln des penetranten amerikanischen Marketing, den Empfänger zum Kauf einer der angebotenen DVDs zu verleiten. Das ist eine Seite. Die andere Seite ist, daß konsequent versucht wird, die Beziehung Mensch-Pferd von beiden Seiten zu betrachten und für beide Parteien erfreulich zu gestalten.
Ein gutes Beispiel dafür ist der angebotene Bildschirmschoner, aus dessen Vorschau ich drei Ansichten herausgegriffen habe. Die darin vermittelten Einsichten sind sehr treffend - daß man für den Bildschirmschoner 15 Dollar bezahlen soll und dieser nicht etwa heruntergeladen werden kann, sondern per Briefpost verschickt werden soll, kann auch nur einem amerikanischen Geschäftemacher einfallen.
Der Absender ist zwar ein Marketingfachmann, aber er hatte wohl schon immer eine Sehnsucht nach Pferden, die nicht gestillt werden konnte, weil seine Familie in der Stadt lebte und seine Mutter befürchtete, daß sie sich um das Pferd würde kümmern müssen. Eines Tages war es soweit, er kaufte sich das erste eigene Pferd. Und nach einer Woche dämmerte ihm, daß er so gut wie nichts über Pferde wußte. Also machte er sich schlau und entwickelte anschließend aus dieser Erfahrung ein Geschäftskonzept für andere Leute in seiner Lage. Er produziert Videos von allen Pferdefachleuten, die ihm geholfen haben (» Horse Training And Horse Care Products).
So weit ist die Sache nicht weiter aufregend. Das Interessante ist die Richtung, die seine Suche nahm. Er hätte sich ja auch von Leuten begeistern lassen können, die hart durchgreifen und die guten alten Methoden propagieren. Dazu zähle ich bekanntlich sogar die Pferdeflüsterer der ersten Generation, die genauso wie die Militärreiter das Pferd als Automaten abrichten wollen. Von einer solchen Haltung ist dieser Amateur meilenweit entfernt, und insofern muß man ihm tatsächlich dankbar sein, daß er seine Einsichten verbreiten möchte und zu diesem Zweck die genannten DVDs produziert und anbietet.
Sein Newsletter beginnt immer mit irgend einem kleinen Aufhänger, der die Aufmerksamkeit erringen soll und die Bereitschaft, weiterzulesen bis zur Kaufaufforderung. Um die Wirkung der Botschaft "Weniger ist mehr" zu steigern, erzählt der Autor beispielsweise, daß er in seiner Jugend in einer Rockband gespielt hat. Und da in einer solchen Band jeder gerne zeigen wollte, was er drauf hat, wurden die Stücke schon bei der Probe schnell komplex und konfus. Aber sie merkten es und lernten, daß weniger mehr ist.
Diese Regel gilt natürlich auch bei der Arbeit mit Pferden, und er macht dies am Beispiel der Zügelführung deutlich. Eine der Trainerinnen, die er ausgegraben hat, ist in einem Punkt unerbittlich: am Zügel darf nicht gezogen werden, niemals. Oder anders ausgedrückt: weniger ziehen, mehr Reaktion.
Es geht um Kommunikation: der Zügel gibt ein Signal, und das Signal kann extrem unscheinbar sein, wenn es nur verstanden wird und die richtige Reaktion zur Folge hat. Wenn man dem Pferd dauernd im Maul hängt, kann man nichts Vernünftiges mehr kommunizieren. Es geht um die Konditionierung des Gehirns, so arbeitet er heraus, nicht um die des Körpers. Wie es seinen Körper zu bewegen hat, weiß das Pferd von ganz allein.
Das betrifft natürlich auch die sexuellen Reaktionen bei Menschen. Wenn man ständig falsche Signale gibt, muß man sich nicht wundern, wenn nichts geht. Die Natur hat es nämlich eigentlich so eingerichtet, daß der Vorgang hundertprozentig und immer einwandfrei funktioniert - sonst wären wir ja nicht mehr hier. Je mehr Hilfsmittel man kauft und je mehr abgefahrene Phantasien man auslebt, desto mehr entfernt man sich von dem, was man eigentlich will. Genau das kann man nämlich nicht erzwingen, und wenn man sich auf den Kopf stellt und mit den Füßen wackelt - so wird das nichts. Aber auch das ist natürlich nichts Neues.
Nun bin ich in dieser Woche wieder nicht dazu gekommen, die angekündigten Fragen zu beantworten, aber ich glaube, es hat sich gelohnt, diesen Abstecher zu unternehmen, auch wenn die behandelten Gegenstände nach wie vor sehr unangenehm sind. Mal sehen, ob ich in der nächsten Woche einen erfreulichen Abschluß finden kann.
Quellen / Verweise
- » Paul Schockemöhle
- › Schmerz und Lust
- » Equus Eroticus
- » Pony Girls .US
- » Justine's Pony Girl Movie
- » Justine
- » Marquis de Sade
- » 35 harte Fakten über Sex-Filme
- » Pony-Farm, unsere Stallungen
- » I Can’t Get No Satisfaction
- » Rolling Stones
- » Satisfaction
- » Kommune I
- » Dieter Kunzelmann
- » Nackte Hintern und Puddingbombe
- » Chapter 3. Thump. Thump. Thump.
- » Sapphire's Place
- » Horse Training And Horse Care Products
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Abbildungen
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