
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Selten einmal erfindet jemand etwas neu, was noch dazu auch gut ist und worauf noch niemand vorher gekommen war. Diesen Anspruch hat Oliver Hilberger nicht, und das ist auch gar nicht nötig, denn es gibt so unglaublich Vieles, was bereits entdeckt, erprobt und verfeinert worden ist, das zunächst einmal verstanden und erarbeitet sein will. Möglicherweise stellt sich dann heraus, daß gar nichts Neues erfunden werden muß, weil das Alte bereits zu Wundern führt.
Wenn jemand diese bewährten und hochgerühmten Lektionen durchgearbeitet und genügend Erfahrung gesammelt hat, ergibt sich manchmal eine wunderbare Gelegenheit, die Wirksamkeit und Richtigkeit der gelernten Grundsätze anzuwenden und zu erproben. Dieses ist dem Autor widerfahren.
Auf Seite 157 des Buches stellt er unter dem Titel "Der Hauptdarsteller" einen reinrassigen Vollblutaraber vor, der im Alter von drei Jahren einen Senkrücken entwickelte und mit vier Jahren deswegen und wegen der dadurch verursachten Schmerzen als für die Reiterei ungeeignet keine erfreuliche Zukunft erwarten durfte, zumal da erste medizinische und gymnastizierende Maßnahmen keinen Erfolg zeitigten.
Nachdem er durch Chiropraktik und Akupunktur weitgehend schmerzfrei gestellt wurde, begann der Autor mit ihm zu arbeiten. Bald war er schmerzfrei und konnte nach einigen Monaten sogar unter dem Sattel gymnastiziert werden. Die Senkrücken blieb zwar, wurde aber durch einen starken Bewegungsapparat unterstützt. Zugleich verwandelte sich der Charakter des Pferdes. Er gewann an Selbstbewußtsein und sein Rang in der Herde stieg entsprechend.
| Geduld und Zeit - zwei Komponenten, die in seiner Ausbildung unumgänglich waren und noch immer sind - ließen ihn nach und nach den Muskeltonus aufbauen, der ihn befähigt, auch in der Versammlung Fuß zu fassen.
Ab diesem Zeitpunkt ging es dann rasend schnell. Malcolm wurde mit jedem Monat selbstsicherer und ausdrucksstärker. Durch die versammelten Übungen an der Hand formte sich seine Oberlinie, seine Muskulatur wurde stärker und stärker, er genoß das Lebensgefühl als selbstbewußtes Pferd an der Hand wie auch unter dem Sattel. Aus dem introvertierten kleinen Araber wurde ein wunderbares, sicheres Pferd, das auch trotz seines Senkrückens in der Hohen Schule seinen Platz gefunden hat.
a.a.O., Seite 159 | | |
Der Erfolg der Arbeit mit diesem Pferd hat den Autor motiviert, dieses Buch zu schreiben, damit möglichst viele andere Pferde ebenfalls die Segnungen dieser Methoden erfahren können und Gesundheit und Selbstbewußtsein entwickeln.
In der Einleitung stellt der Autor fest, daß es die Militärreiterei war, die die Arbeit an der Hand verdrängt hat.
| Leistungsdruck und Konventionen lassen die Handarbeit heutzutage in einem schlechten Licht erscheinen. Sie wird als Sammelstelle derer abgetan, die nicht reiten können. Ein Pferd wird nur ein solches erkannt, wenn es einen Sattel auf dem Rücken trägt. Fakt ist: Kein Pferd wird mit einem Reiter auf dem Rücken geboren, und kein Mensch kommt als perfekte Reiter zur Welt. Allein deshalb stellt die Handarbeit eine wertvolle Alternative und Ergänzung zum Reiten dar.
Das Repertoire der klassischen Reitkunst hält zwar viele Lektionen und Übungen bereit, doch diese sind für einen Großteil der Reiter meist gar nicht oder erst nach einigen Jahren zugänglich. Viele Pferde können außerdem wegen Krankheit oder aus Altersgründen nicht oder nur eingeschränkt geritten werden und sollen trotzdem schonend gearbeitet werden. Die konventionelle Longenarbeit gerät hierbei sehr schnell an ihre Grenzen, während man mit der Handarbeit gezielt einzelne Muskelgruppen kräftigen und so einen bedeutenden Beitrag zu einer schnelleren Genesung des Pferdes leisten kann.
Und noch etwas: Der Winter stellt Reiter in unseren Breiten hinsichtlich der Arbeit unter dem Sattel oft auf eine harte Probe. Die Böden sind schneebedeckt oder gefroren, und nicht immer steht einer Reithalle zur Verfügung. Doch auch bei guten äußeren Bedingungen verfallen manche Reiter bei der Arbeit mit dem Pferd in eine Monotonie, die irgendwann in unmotiviertes und freudloses Arbeiten oder Ausreiten mündet. Für alle diese Probleme bieten sich mit der Handarbeit eine sinnvolle Lösung.
a.a.O., Seite 11 | | |
Dieses Buch ist, wie beim Cadmos-Verlag gewohnt, sorgfältig gearbeitet, enthält reichlich illustrierende Fotos und Zeichnungen und sogar Fotomontagen, die in diesem Zusammenhang neu und ungewöhnlich sind. Das Inhaltsverzeichnis gibt einen sehr guten Überblick:
| - Einleitung
- Die Verwandlung des eigenen Pferdes
- Gymnastizierung: Die Hauptaufgabe der Handarbeit
- Das Spiel mit der Balance
- Losgelassenheit
- Muskelaufbau
- Gleichgewicht
- Körperbewußtsein
- Selbstvertrauen
- Was lernt der Mensch?
- Die Ausrüstung
- Der Kappzaum
- Die Trense
- Die Gerte
- Das Lob
- Basisarbeit
- Die Grundpositionen
- Die Trensenführung
- Die Gertenhaltung
- Die Hilfengebung
- Erste Basisübungen auf Trense
- Aufrichtende Wirkung
- Senkende Wirkung
- Biegende Wirkung
Erste Basisübungen an Kappzaum Das Pferd in Bewegung
- Die bevorzugte Seite
- Weniger ist mehr
- Klare Regeln beim Führen und Treiben
- Der Schritt als Basisgangart
- Das Antreten
- Die Haltparade
- Hilfengebung auf Kappzaum
- Problem: Das Pferd bleibt nicht stehen
- Das RückwärtsrIchten
- Routine und Erfahrung
- Die Hufschlagfiguren im Porträt
- Ganze Bahn
- Zirkel
- Volte
- Einfache und doppelte Schlangenlinie
- Schlangenlinien durch die Bahn mit drei Bögen
- Halbe Bahn und Karree
- Durch die Länge der Bahn
- Verschiedene Möglichkeiten des Handwechsels
- Stellung, Biegung, Vorwärts
- Auf dem Zirkel
- Häufige Fehler des Menschen
- Die Hilfengebung auf Kappzaum
- Untertreten auf der Volte
Das Schulterherein
- Die Schlüssellektion
- Gleichmäßige Biegung?
- Vorbereitung
- Ausführung
- Schulterherein auf vier Hufspuren
- Das Konterschulterherein
- Übungsabfolge zur Weiterentwicklung
- Im Trab
- Antraben und Durchparieren
Der Renvers
- Vorbereitung
- Schritt 1: Die Vorhandwendung
- Schritt 2: Die Erweiterung
- Schritt 3: Der Renvers auf der Volte
- Der Renvers geradeaus
Der Travers
- Ausführung
- Vom Travers auf der Volte zur Schrittpirouette
- Travers aus dem Schulterherein
Die Traversale
- Das innere Bild
- Vorbereitung und Ausführung
- Die Traversale auf Kappzaum
Kombinierte Seitengänge
- Vielfältige Variationen
- Schlangenlinien durch die Bahn mit Seitengängen
- Einfache und doppelte Schlangenlinie mit Seitengängen
- Die Ach mit Seitengängen
- Schulterherein und Traversale
- In kombinierte Seitengängen durch den Zirkel wechseln
- Das Dreieck
- Die Acht im Quadrat
- In Seitengängen durch das ganze Viereck
- Die kombinierten Passaden
Weiterführende Arbeit
- Ausstrahlung und Freude
- Übergänge
- Das Antraben im Seitengang
- Das Parieren im Seitengang
- Die Schaukel
- 1. Der gezählte Schritt
- 2. Das versammelte Halten
- 3. Rückwärtsrichten
- Die Ziele
Ausblick
- Wohin geht der Weg?
- Mit Leidenschaft zu ungeahnten Höhen
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Mir scheint, dieses Buch gehört, wie man so schön sagt, in jede hippologische Bibliothek.
erschienen 17.08.08
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