Druckversion     Drucken     Vollversion
   Magazin 
    › Pferdemarkt    › Anzeigenmarkt    › Messe

 Archiv

 Pferd verkaufen

 Anzeige aufgeben

 Mediadaten

  Hilfe-FAQ  

   

Hier       kostenlos und beliebig viel inserieren!

Bericht Zu den Themen  Gebisse,  Kommunikation,  Tierschutz · Bereitschaft
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 490.08 der Pferdezeitung vom 17.08.08
 Menü Archiv  Schmerz und Lust  Motivation  Peitsche  Siegeswille
 Bereitschaft 
  Westphalen  Editorial: Spiegel  Rezension: ...  Tip: Hufe XXV
 Rat: Gnadenbrot  Poster: Auf zur nächsten ...   Pferdemarketing  Leserbriefe   Angebot der Woche
  Reiterhotel  Gesuche  Angebote  Pferdemarkt   Lobback
 Termine  Mitteilungen  Leserresonanz
Inhaltsmenü
Inhaltsmenü
  Gesamttext   Vollversion   Lesezeichen   Newsletter 
  Magazin


Die Muttertiere schonte er. Den Widerstand der Hengste brach er mit Gewalt. Nach 1000 Jahren Zuckerbrot und Peitsche ist Kamerad Pferd geboren. Die Geschichte kann losgehen.<br>Aus Stern, Horst: Bemerkungen über Pferde · © 2008
 
Die Muttertiere schonte er. Den Widerstand der Hengste brach er mit Gewalt. Nach 1000 Jahren Zuckerbrot und Peitsche ist Kamerad Pferd geboren. Die Geschichte kann losgehen.
Aus Stern, Horst: Bemerkungen über Pferde
Rien Poortvliet: Selbstportrait, Selbstversuch mit Ledertrense · © 2008
 
 Rien Poortvliet: Selbstportrait, Selbstversuch mit Ledertrense
Wenn Pferde nun aus anderen Gründen unabhängig von sexuell motivierten Rangkämpfen so gewinngeil wären, etwa weil sie vom Fluchtinstinkt ergriffen ihr Äußerstes gäben, wäre nicht einzusehen, daß diese etwa im Galoppsport regelmäßig mit der Gerte bearbeitet werden, denn dann bedürften sie dieser schmerzhaften Stimulation nicht. Diese Praxis muß besonders verwundern, weil Untersuchungen vorliegen, die beweisen, daß durch die Prügelei die Leistung nicht verbessert, sondern verschlechtert wird. Die Aufklärung ist einfach: Der Jockey kann nämlich auf diese Weise und nur so den Besitzern und Wettern gegenüber nachweisen, daß er sein Äußerstes getan hat und sein schlechtes Abschneiden also ausschließlich dem Pferd zu verdanken ist. Das Pferd kriegt es also ab, obwohl es nichts dazu kann und nichts davon hat.

In diesem Sinne hat » Horst Stern in seinem Buch » Bemerkungen über Pferde dem Galoppsport ebenfalls einige Bemerkungen gewidmet. Im besonderen wettert er gegen die Vermenschlichung, die man den Gewinnern unterschiebt, indem ihnen ein Siegeswille attestiert wird. Demgegenüber stellt Stern fest, daß die Ohren der Pferde im Galopprennen immer nach hinten gerichtet sind und deshalb als Ausdruck der Panik auf der Flucht gewertet werden müssen - alles andere ist Unfug. Die Wertvorstellungen der Menschen sind Tieren völlig fremd und müssen es auch immer bleiben. Der Mißbrauch der Pferde durch den Menschen ist nur durch diese zu verantworten und kann nicht entschuldigt werden. Das galt vor 40 Jahren genauso wie heute - getan hat sich wenig.

Wenn auch die Jockeys sich damit herausreden mögen, daß die Prügelei als Argument gegenüber den Menschen notwendig sei, so sind sie es doch, die das tun. Genauso wie in der Folterszene bei den Militärs oder in der Pornoindustrie oder in jeder beliebigen Diktatur und bekanntermaßen auch in Demokratien braucht man immer Menschen, die bereit sind, so etwas zu tun. Auch in unserem Lande gab es bekanntlich in der Vergangenheit eine überwältigende Bereitschaft, aktiv an Greueltaten teilzunehmen, und auch in der Gegenwart flammt immer wieder einmal die Diskussion auf, ob man nicht unter gewissen Umständen zum Mittel der Folterung nicht nur greifen dürfe, sondern müsse - selbstverständlich im Namen höherer Ziele. Wieder einmal stellt sich die Frage, ob der Zweck das Mittel heiligen darf.

Aber zunächst muß man sich den Motivationen des Menschen zuwenden - warum tun die Menschen alle diese schrecklichen Sachen, Tiere quälen, selbst wenn sie es nicht wollen, warum empfinden sie Lust und Vergnügen beim Quälen von Tieren und Menschen? Damit diese Frage nicht so abgehoben und fremd im Raum steht: Warum setzen die Reiter weltweit ganz selbstverständlich Gebisse, Sporen, Gerte und Peitsche ein und fügen damit bewußt den von ihnen geliebten Pferden Schmerzen zu?

Aber es sind ja nicht nur Tiere, die gequält werden, und es werden nicht nur solche Menschen gequält, die sich quälen lassen wollen. Wenn überhaupt keine Bereitschaft zu einem quälerischen Handeln bestehen würde, erübrigte sich die ganze Diskussion. Von den politisch oder strafrechtlich motivierten Folterungen wollen wir gar nicht reden - die zur persönlichen Lustgewinnung der Quälgeister vollbrachten Untaten reichen völlig aus. Ich habe im Editorial  Planung schon unter dem Stichwort "Prügelstrafe" den als Philosophen gehandelten Erzvater der Sadisten erwähnt, der als Verfechter und Prophet der absoluten persönlichen Freiheit ernstgenommen wird, diese jedoch nur dazu mißbrauchen konnte, andere für sich leiden und sterben zu lassen.

Ob das der eingeschränkten Lustfähigkeit des Marquis » de Sade überhaupt auf die Füße geholfen hat, ist mir bisher noch nicht klar geworden, aber seine Phantasien haben ihrerseits wiederum viele andere, die unsere Kultur nachdrücklich beeinflußt haben und beeinflussen, begeistert und angeregt, entsprechende Bilder und Handlungen als Buch, im Film oder als Videospiel zu inszenieren, und diese Produkte werden bekanntlich vom Markt sehr nachgefragt. Krimis, Horrorfilme, Splatter etc. - alles das steht hoch im Kurs, ein Ende der Eskalation ist gar nicht abzusehen. Womit wir wieder bei der Nachfrage sind, die die Produktion ankurbelt. Es gibt offenbar unglaublich viele Menschen, die auf solche Sachen wahnsinnig heiß sind. Hier werden also elementare Bedürfnisse ausgelebt und befriedigt. Wer seinem Pferd im Maul reißt, ihm die Sporen in die Rippen haut oder ihm mit der Gerte eins überbrät, tut solches nicht, weil es ihm geboten ist, weil er nach sorgfältiger Überlegung zu dem Schluß gekommen ist, daß dies für das Pferd das Beste und deshalb notwendig ist, sondern er macht das, weil ihm danach ist. Er fühlt sich gut dabei und hat gar keinen Anlaß, an sich selbst zu zweifeln.

Deshalb bin ich im Gegensatz zu Nevzorov sehr skeptisch, ob sich an den bestehenden Verhältnissen sehr schnell etwas ändern wird. Aufklärung ist sicher notwendig, kann aber bestimmt nur ganz wenig bewirken. Nichtsdestotrotz stimme ich ihm im Prinzip zu. Die Menschheit hat sich tatsächlich, wenn auch entsetzlich langsam und mit fürchterlichen Rückschlägen, in Richtung auf mehr Humanität, Menschlichkeit, Mitfühlen mit der belebten und sogar der unbelebten Natur, insbesondere den doch noch relativ verwandten Säugetieren entwickelt. Hoffnung besteht also.

Gleichzeitig aber ist auch die Instrumentalisierung fortgeschritten. Schweine, Rinder, Geflügel, Fische werden weithin lediglich als Rohprodukte unserer Nahrung angesehen. Noch in meiner Jugend hatten die Kühe des Bauern individuelle Namen und wurden auch damit angesprochen. Für die Schweine und das Geflügel galt das nicht, nur für die Pferde gilt es heute immer noch. Die Produktionsbedingungen in fleischproduzierenden Betrieben sind bekanntermaßen fürchterlich grausam. Die wünschenswerte wirtschaftliche Entwicklung der Entwicklungsländer und die bereits galoppierende Entwicklung bevölkerungsreicher Länder wie Indien und China verstärken die Nachfrage nach Fleisch ganz ungemein. Die Folgen für die Tiere und für die Erde insgesamt sind unabsehbar. Bekanntlich braucht man ein Vielfaches an pflanzlicher Nahrung für Tiere, um daraus Fleisch herzustellen. Die angemessene Behandlung der Pferde ist in diesem Zusammenhang wahrlich zu vernachlässigen.

In der nächsten Ausgabe möchte ich einerseits untersuchen, wie sich ein solcher Bewußtseinswandel in einem Individuum vollziehen kann, und mich andererseits der Frage widmen, was eigentlich wirklich hinter den sportlichen Ambitionen steht.



Quellen / Verweise


  1. » Alexander Nevzorov
  2. » Horse Revolution
  3. » de Sade
  4. » Die 120 Tage von Sodom
  5. » Frau musste am Flughafen Brustwarzen-Piercings abnehmen
  6. » Möchte am liebsten von einer reiferen Sie eine Tracht Prügel bekommen.
  7. » BDSM
  8. » Friedrich Nietzsche
  9. » Lou von Salomé spannt Paul Rée und Friedrich Nietzsche vor ihren Karren.
  10. » Petplay
  11. » Horst Stern
  12. » Bemerkungen über Pferde
  13.  Planung
  14.  Tu Gutes und rede darüber, Spenden für den guten Zweck - Bexter Hof Open freut sich auf Ihren Besuch
      Ausgabe 479 · Teil 1
  15.  Wo und wie kann ich Gutes tun?, Die Umsetzung des Philanthropie-Konzepts
      Ausgabe 480 · Teil 2
  16.  Spenden sind Glücksbringer, Kontakte, Schicksale, Initiativen und Integration
      Ausgabe 484 · Teil 3
  17.  Heilung und Linderung, Fallgeschichten und Randbedingungen des Pferdeeinsatzes im Gesundheitswesen
      Ausgabe 485 · Teil 4
  18.  Zwang und Gewalt, Springsport, Stierkampf und Bewußtseinswandel
      Ausgabe 486 · Teil 5
  19.  Immer feste druff, Über Gewalt in der Erziehung beim Menschen und beim Tier
      Ausgabe 487 · Teil 6


Abbildungen

  Werner Popken und wie angegeben






nächster Abschnitt:   Messeseite: Westphalen     Gesamttext     Vollversion   nur      Hauptartikel


6  Poster zu Ausgabe 490
 Die Pferde sind geduldig. Sie tun nur, was sie sollen.
 Neuer Ansatz. Ob's jetzt reicht?
 Es hilfts nichts: Absteigen, Strafpunkte kassieren.
 Auf zur nächsten Passage! Wird der Radius reichen?
 Leider nein! Vorderbracke verhakt!
 Was nun? Weg davon - ob's hilft?


AddThis Social Bookmark Button
Bericht Zu den Themen  Gebisse,  Kommunikation,  Tierschutz · Bereitschaft
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 490.08 der Pferdezeitung vom 17.08.08
 Menü Archiv  Schmerz und Lust  Motivation  Peitsche  Siegeswille
 Bereitschaft 
  Westphalen  Editorial: Spiegel  Rezension: ...  Tip: Hufe XXV
 Rat: Gnadenbrot  Poster: Auf zur nächsten ...   Pferdemarketing  Leserbriefe   Angebot der Woche
  Reiterhotel  Gesuche  Angebote  Pferdemarkt   Lobback
 Termine  Mitteilungen  Leserresonanz
Inhaltsmenü
Inhaltsmenü
  Gesamttext   Vollversion   Lesezeichen   Newsletter 
  Magazin


  Home     Anfang     Menü     Drucken     Empfehlen     als Startseite

   Magazin 
    › Pferdemarkt    › Anzeigenmarkt    › Messe

 Archiv

 Pferd verkaufen

 Anzeige aufgeben

 Mediadaten


 Anfang  Autorenhinweise  Mediadaten  Kontakt   ›Impressum  ›RSS  Konditionen     Leserbrief an die Redaktion  
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails zu veröffentlichen. (Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind)

http://xmesse.de

 
» Workshop OOP
 
 
 

http://www.maxthon.com

 
» Maxthon
 
Die Adresse dieser Seite: pferdezeitung.com/490.08/Bereitschaft
Es ist jetzt der 19.03.2010, 20:51, GMT +01:00
Konsequent in alter Rechtschreibung - ausgenommen Fremdautoren.
Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Leserbeiträge und die Inhalte externer Internetseiten.
Tip: Deutsch/Englisch-Übersetzung: » dict.cc


DKThR

 

  Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V.

 
 
 

Keppel

 

  Wöchentlich neu erscheinende Fachartikel

 
Zum  Pferd:  Pferde-Messe ·  Pferdemarkt ·  Pferdekauf ·  Pferdeverkauf
Verantw. im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Werner Popken
©1999-2008 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
0049(0)5744-5115-74   0049(0)5744-5115-75   0049(0)151-2327 3955
ISIS Messe & Pferdeverlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst


  Aus Ausgabe 572 unseres Wochenmagazins: Angebot der Woche 10-11
z.B.   Westphalen/10-11: Der Sachmangelbegriff des § 434 Abs. 1 BGB beim Pferdekauf1 III. Teil 3 ...

  Olewo · Wirksamkeit wissenschaftlich bewiesen
 Erlanger und Wiener Forscher haben gemeinsam erforscht, warum bestimmte Inhaltsstoffe von Karotten, Äpfeln, Heidel- und Preiselbeeren [...]