Carmen Würth, Ehefrau des bekannten Selfmade-Milliardärs » Reinhold Würth, hat mit diesem drei Kinder: die Töchter » Bettina, die die Nachfolge ihres Vaters angetreten hat, und Marion, die einen Biohof betreibt, und den Sohn Markus. Dieser ist aufgrund eines Impfunfalls seit frühester Kindheit behindert (» Familie Würth). Die Familie Würth hat aber noch ein weiteres großes Unglück zu beklagen: Die Enkelin Anne-Sophie, älteste Tochter von Bettina, ist mit acht Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen. Dies hat zu verschiedenen sozialen Engagements geführt, zum Beispiel dem Projekt » Freie Schule Anne-Sophie von Bettina Würth: | Bettina Würth brach mit 17 die Schule ab und verweigerte sich den klassischen Karrierewegen. Trotzdem übernahm sie jetzt vom Vater das Familienunternehmen mit 52 000 Mitarbeitern. Dort fördert sie Querdenker und Individualisten [...] "Das große Problem unserer Schulen ist, daß sie versuchen, durchschnittliche Menschen zu formen", sagt sie. "Dabei wird den Kindern und Jugendlichen jegliche Individualität aberzogen." Dies ziehe sich durch die gesamte Schulzeit, und ähnliches sei auch im Berufsleben zu beobachten. An den Schaltstellen dieser Republik, in Wirtschaft und Gesellschaft, säßen immer mehr Menschen, die alle ein gutes Studium absolviert haben, die alle Regeln des Umgangs perfekt beherrschen und sich und ihre Themen hervorragend präsentieren können. Das sei durchaus in Ordnung. "Wir brauchen aber auch Querdenker, Menschen mit Ecken und Kanten, die Eigeninitiative zeigen und Risiken eingehen", sagt sie. Sie hat daher bei Würth eine Reihe individueller Personalförderprogramme entwickelt und ist verantwortlich für die Nachwuchsförderung. Zudem hat sie in ihrer Heimatstadt eine Schule gegründet, die "Freie Schule Anne Sophie". Anne Sophie ist der Name ihrer ältesten Tochter, die im Alter von acht Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Das Schmerzensgeld des Unfallverursachers investierte Bettina Würth in diese Bildungseinrichtung. Ab dem kommenden Schuljahr werden dort zunächst 48 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Ein neues Schulgebäude ist geplant und soll in zwei Jahren noch wesentlich mehr Schülern Platz bieten. "Sie sollen dort lernen zu kommunizieren", sagt sie. Das Reden miteinander ist für sie eine zentrale Fähigkeit, die im herkömmlichen Schulsystem viel zu kurz kommt, genauso wie der Einsatz des gesunden Menschenverstands und vernetztes Denken. In dieser Schule sollen aus den Jungen und Mädchen dagegen eines Tages Persönlichkeiten werden, die ähnlich frei und unabhängig denken wie sie selbst. "Ich habe mich immer gewehrt und mir meine Persönlichkeit nicht nehmen lassen", sagt sie. Dabei sieht sie aber auch, daß sich das nicht jeder leisten kann, oft äußere Zwänge größer sind. "Ich war da sicher privilegiert." » Die Königin der Schrauben | | | Erstaunlich: wieder einmal entsteht eine Reformpädagogik. Wie waren wir 68er von » Summerhill fasziniert, und wie schnell hat sich die Welt geändert! Schule erscheint als große Chance und großes Problem zugleich, immer noch, trotz aller pädagogischen Anstrengungen, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt durch die » Reformpädagogik (» Odenwaldschule, » Schule Schloss Salem) initiiert wurden, auf die sich auch der Gründer von Summerhill, » Alexander Sutherland Neill, bezog. Und warum? | In der Nachkriegszeit wurde von der wissenschaftlichen Pädagogik die Reformpädagogik weitgehend ignoriert und tot geschwiegen. Eine technokratisch geprägte Sichtweise des Mainstreams sah Lernen nicht mehr als individuellen Prozess der Kinder, sondern als einen Prozess, bei dem Lernen zu einem Ergebnis der richtigen Planungsschritte in der Unterrichtsvorbereitung des Lehrers wird. » Reformpädagogik | | | Genau diese Auffassung von Unterricht und Bildung empfindet Bettina Würth als fatal. Ihr Engagement soll eine Alternative aufzeigen und Zeichen setzen. Sie geht die Probleme ganz praktisch an, wie ihre Mutter.
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