| | | | Das war wohl einmal ein Pferd |  |  |  |
| | | | Für Pferd und Mensch unbekömmlich |  |  |  |
| Hier sieht man deutlich, welche Charakterstärke Günter Wamser bereits zu Beginn der Reise mitbringt. Wenn schon das Einfangen so schwierig ist, wie soll es dann erst mit dem Reiten werden? Von solchen Überlegungen läßt er sich offensichtlich nicht irritieren:
| Die beiden waren immer noch sehr nervös. Sie blieben beim Aufsitzen einfach nicht stehen und wurde bei der kleinsten Bewegung mit den Zügeln panisch. Selbst fühlte ich mich auch noch nicht sicher auf den Pferden, das spürten auch die Tiere. Stieg ich in den Sattel auf Rebeldes Rücken, spürte ich, wie augenblicklich sein Energiepegel anstieg. Er bog den Nacken und begann rauh zu atmen. Ich versuchte ihn zu beruhigen, strich ihm über den Nacken, aber es nützte nichts. Es war ein Gefühl, als säße ich auf einem Pulverfaß. Unglaublich wieviel Energie ich schon in diesem Pferd spürte, während er nur da stand. Und als ich anreiten wollte, explodierte das Pulverfaß. Er fing sofort an zu buckeln und auszuschlagen, und ich saß wieder im Dreck.
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Sehr witzig fand ich seine Erfahrung mit der Tränke.
| Gaucho und Rebelde hatten immer noch Angst vor der Tränke. Sie hatten ihr Leben lang nur aus Pfützen, Bächen oder Flüssen getrunken. Sie stießen kräftig Luft aus ihren Nüstern, ein Zeichen von Unwohlsein und Nervosität. Aber wie sagte mir ein Gaucho? »Selbst die wildeste Kuh wird irgendwann aus einer Tasse trinken, wenn ihr Durst groß genug ist.«
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Ich mußte an die Lämmer denken, die ich mit der Flasche groß gezogen hatte und die nicht normal trinken wollten. Alles mögliche hatte ich schon versucht, ohne Erfolg. Es fiel mir nichts mehr ein. Alle Versuche hatten nur dazu geführt, daß sie mich gebissen hatten. Schließlich fragte ich einen Bauern, der Schafe hielt, um Rat, aber er wußte es auch nicht. »Bei uns ist noch kein Schaf verdurstet«, war alles, was ihm einfiel.
Günter Wamser verzweifelt nicht über seine Schwierigkeiten, er fühlt sich in seine Pferde ein, versucht zu verstehen, warum sie sich so verhalten, und ihnen eine Brücke zu bauen, damit sie ihr Verhalten ändern können, denn das ist notwendig, damit sie alle drei das große Abenteuer bestehen können.
Dabei ist er sich immer dessen bewußt, daß es Pferde sind, daß er von ihnen nicht mehr verlangen kann, als sie geben können. Aber es sind ja nicht nur die Pferde, auch der Hund muß dazulernen. Und den kannte er schon lange, mit ihm hatte er 3000 Kilometer zu Fuß durch Deutschland zurückgelegt.
| Nicht zu nahe an die wehrhaften Hinterhufe eines Pferdes zu kommen, das hatte Falko nun auf schmerzhafte Weise gelernt. In vielen anderen Situationen jedoch verhielt sich Falko noch nicht optimal. Wenn ich auf meinem Pferd saß, rannte er voraus und wieder zurück, mal nach links, dann wieder nach rechts. Ich wollte, daß er ausschließlich auf der linken Seite neben mir lief, das sollte seine Position werden. Rechts von mir sollte das Packpferd gehen. Falko nur mit meiner Stimme zu kontrollieren, kostete sehr viel Aufmerksamkeit. Anbinden konnte ich ihn nicht, das war zu gefährlich. Ich saß auf einem Pferd, das ich noch nicht unter Kontrolle hatte - eine Situation, in der ich jede Sekunde mit einer Überraschung rechnen mußte - und Falko war nicht vorsichtig genug. Er steckte, wenn es ihn interessierte, seine Schnauze einfach in ein Loch genau vor den Hufen der Pferde und riskierte, daß er überlaufen und getreten wurde. Wie und wo er in Zukunft auf den großen weiten Flächen laufen würde, war mir egal, das konnte er selbst entscheiden. Aber es gehörte zu seiner Ausbildung, sollten wir auf Straßen unterwegs sein, oder auch an Schafherden vorbeireiten, daß er auf seiner Position blieb; selbst dann, wenn ich ihn nicht sah. Außerdem sahen die Estancieros frei umherlaufende Hunde nicht gerne und es kam vor, daß sie kurzen Prozeß machten und einen Hund einfach erschossen. Nun war aber Falko nicht ein herumstreunender Hund, sondern er war mein Freund, etwas ganz Besonderes.
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