
| | | Heidi Keppel | | | | | Hufe Teil 5 Von › Heidi Keppel
Vorige Woche habe ich davon gesprochen, wie wichtig es wäre, die Hufe unserer Reitpferde schon im Jugendalter auf ihre spätere Beanspruchung vorzubereiten, denn bereits in den ersten Lebensjahren wird der wichtigste Grundstein für eine gesunde und belastbare Hufstruktur gelegt. Selbstverständlich kann der Hufaufbau aber auch noch bei erwachsenen Pferden durch optimale Haltungsbedingungen maßgeblich verbessert werden.
Ausreichend freie Bewegung ist dabei einer der bedeutendsten Faktoren, doch wie so oft ergibt sich auch in diesem Bereich der tatsächliche Nutzen aus den jeweiligen Bedingungen. Viele Pferdehalter glauben, dass es nur auf die Auslaufdauer ankommt, andere meinen, dass vor allem große Auslaufflächen für eine gute Hufentwicklung erforderlich sind, und manche Hufpfleger sind der Ansicht, dass nur ständiges Gehen auf hartem, kiesigem Boden die Hufe ausreichend festigt, um sie für das Reiten ohne Eisen verwenden zu können.
Oftmals wird dabei jedoch viel zu wenig auf das bestmögliche Zusammenspiel all dieser Lebensbedingungen geachtet. Was nützt aber ein ganztägiger Auslauf, wenn die Fläche nicht groß bzw. interessant genug gestaltet ist, um das Pferd auch tatsächlich zur ausreichenden Bewegung zu animieren? Und was bringen umgekehrt große Auslaufflächen, wenn diese nur 1-2 Stunden täglich genutzt werden dürfen, womöglich sogar noch kurze Zeit nach dem Fressen, wo die meisten Pferde viel lieber in Ruhe ihr ‚Verdauungsschläfchen’ halten würden?
Ähnlich verhält es sich natürlich auch mit der Bodenbeschaffenheit, die zum Wohle der Pferde nach Möglichkeit nicht nur einseitig ausgerichtet werden sollte, sodass die Pferde zwar gezwungen werden, teilweise auf gepflastertem und schotterigem Boden zu gehen, aber dann auch wieder auf weichen, elastischen Wiesenboden oder z.B. Sägespäne- bzw. Stroheinstreu ausweichen können. Nur so werden die Hufe ohne Überlastung und ohne große Schmerzen zu gesundem und vor allem kräftigem Wachstum angeregt.
Ebenso muss bei der Haltungsform bzw. Auslaufgestaltung auf den jeweiligen Pferdetyp Rücksicht genommen werden. Bei bewegungsfreudigen und im Hufbereich unempfindlichen Tieren hat man diesbezüglich meist keine Probleme, denn sie nützen das Platzangebot im Allgemeinen ausgiebig und trainieren so ihre Hufe ganz von selbst. Man muss solche Pferde höchstens etwas ‚bremsen’ oder mit abnehmbarem Hufschutz (Hufschuhe) versorgen, wenn die Hufqualität noch nicht so gut ist und es deshalb zu extremem Abrieb kommt.
Bei eher faulen Pferden oder solchen, die aus irgendwelchen Gründen im Sohlenbereich sehr empfindlich reagieren, genügt es hingegen häufig nicht, nur ausreichende Auslaufflächen mit geeigneten Böden zur Verfügung zu stellen. Solche Tiere bewegen sich nämlich nur so viel, wie es unbedingt nötig ist. Sie müssen also entweder durch andere Pferde und/oder durch geschicktes Verteilen der Futter- und Tränkestellen zu vermehrter Bewegung angeregt werden, wenn man die Bildung von reichlichem festem Hufhorn fördern will.
Gerade bei trägen Pferden ist außerdem auch immer auf eine maßvolle Fütterung zu achten, doch davon mehr in meinem nächsten Tipp!
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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