
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | 17.02.2008
Benamsung
Unser Alphabet hat kaum mehr als zwei Dutzend Buchstaben, und trotzdem kann man daraus Unmengen von Wörtern bilden. Natürlich sind die Kombinationen dieser Buchstaben sehr zahlreich, aber nicht jede beliebige Kombination kann gewählt werden, denn dieser Buchstabensalat soll sich ja auch noch aussprechen lassen. Aber nicht nur das, er soll in vielen Fällen auch noch etwas bedeuten.
Jedes Kind muß einen Namen haben, und jedes Produkt ebenfalls. Da es nun ständig neue Produkte gibt, braucht man auch ständig neuen Namen. Aber nicht nur Produkte brauchen Namen, auch Firmen und Internet-Seiten. Manchmal wählt man einen Namen, der mit der zu bezeichnenden Angelegenheit gar nichts zu tun hat, so etwa wenn ein Auto den Namen "Taunus" bekommt - der Taunus ist zwar eine schöne Landschaft, aber es ergeben sich beim besten Willen keine Verbindungen zum Fahrzeug, anders als etwa bei der Bezeichnung "Mustang" oder "Colt", wo man temperamentvolle, beeindruckende Pferde und damit Kraft, Geschwindigkeit und Unabhängigkeit assoziieren kann. Aber wie auch immer - der Name soll förderlich wirken und ist deshalb von großer Bedeutung.
Nomen est Omen
Im Märchen wird es ganz deutlich, daß der Name den Namensträger positiv oder negativ beeinflußt. Spitzenamen haben immer noch diese Funktion und können jemandem etwas anhängen, was der sich vielleicht gar nicht so gern gefallen läßt. Viele unserer Familienamen sind so entstanden und wohl oder übel müssen sich die späteren Generationen mit dem ererbten Namen zufriedengeben. Deshalb gibt man sich um so mehr Mühe beim Vornamen, obwohl man sich manchmal doch des Gefühls nicht erwehren kann, daß den Eltern bei der Namensuche gewissermaßen die Pferde durchgegangen sind und der Vorname dem Kind mehr Fluch als Segen sein wird.
Dasselbe trifft natürlich auch auf die Namensgebung unserer Pferde zu, und auf die des Gestüts und der Internet-Seite. Den richtigen Namen zu finden ist meist sehr schwierig, und deshalb ist man natürlich um so empfindlicher, wenn man einen guten Namen gefunden hat und dieser irgendwie in ein schlechtes Licht gerät. Gute Namen gibt es ja auch nicht wie Sand am Meer - bei Pferdefreunden liegt natürlich eine Kombination mit "Pferd" nahe, aber wie viele Kombinationen kann man damit schon machen? Sie sollen sich ja auch noch gut aussprechen lassen, eine angenehme Assoziation hervorrufen und was nicht noch alles.
Deshalb findet man sehr häufig auch Konstruktionen, die sich auf die lateinische Bezeichnung des Pferdes beziehen - also irgendwie mit "Equi"... genau, wie Equitana zum Beispiel. Equitana verbindet die magischen Silben mit zwei weiteren, die als Vokal jeweils ein "a" haben, was als sehr vorteilhaft gilt. Man sieht das sofort ein, wenn man sich Varianten auf der Zunge zergehen läßt, etwa Equitini, Equitono, Equitene oder gar Equitunu.
Protest
In der letzten Woche bekam ich eine Aufforderung zur Stellungnahme zu einem Editorial aus dem April 2006 von der Inhaberin der "Equistra Consulting Germany". Ich verstand erst gar nicht, worum es ging und wozu ich Stellung nehmen sollte. Erst gegen Ende des Editorials ging mir ein Licht auf. Dort hatte ich nämlich zwei Seiten angeführt, die mit viel Wirbel auf der Szene erschienen und inzwischen spurlos verschwunden waren. Eine davon hieß angeblich Equistra.de - das mußte die Leserin stutzig machen.
Nach meiner Erinnerung war das der Name einer Internet-Seite, die von der Witwe des Equitana-Gründers betrieben wurde. Da die Denic auf Nachfrage der Inhaberin behauptete, daß der Name › Equistra.de noch nie vergeben worden war, lag die Vermutung nahe, daß mein Gedächtnis mich hier etwas im Stich gelassen hatte. Aber wozu haben wir das Internet? Wer immer sich irgendwo bewegt hatte, mußte doch Spuren hinterlassen haben.
Spurensuche
| Nach einiger Suche habe ich die Sache aufklären können: ich habe mich tatsächlich geirrt und den entsprechenden Irrtum korrigiert. Tut mir leid. Herzlichen Dank für Ihre Hartnäckigkeit - es wird natürlich eine Weile dauern, bis sich die Änderung bei den Suchmaschinen herumgesprochen hat.
Die Suche war nicht einfach, aber der folgende Eintrag ist eindeutig:
» www.wallstreet-online.de/community/thread/219904-1.html
> 21.08.2000 > > Freiwillige Mitteilung analog § 15 WpHG: > Cybermind AG beteiligt sich an neugegründeter B2B- und B2C- > Plattform für den Pferdesport. > > > Cybermind AG beteiligt sich an neugegründeter B2B und B2C Plattform > für den Pferdesport. > Die Cybermind AG hat sich an der Rottwinkel-Kröber Internet Services > GmbH, Bramsche, mit 10,9 % beteiligt. > Das Unternehmen bietet seit Mitte August unter » www.equestria.de ein > Handels- und Informationsportal für den Pferdesport an. > > Deutschland ist der zweitgrößte europäische Markt für den Reitsport, > in diesem wurden 1999 ca. DM 7 Mrd. umgesetzt. Die Plattform von > equestria wendet sich sowohl an den B2C- als auch an den B2B-Markt. > Außerdem werden branchenrelevante Informationen gesammelt und > aufbereitet: tagesaktuelle News, Reportagen, Veranstaltungskalender, > Pferde-, Stellen- und Immobilienmärkte, Testberichte, etc. > > Die Initiatorin ist Herausgeberin der Fachmagazine "equitrends" > sowie "Pferdebetrieb" und war u.a. Organisatorin entsprechender > internationaler Fachmessen.
Schon ein Jahr später war Schluß:
» www.gsc-research.de/gsc/research/hv_berichte/detailansicht/index.html?tx_mfcgsc_unternehmen%5Buid%5D=1900&tx_ttnews%5Btt_news%5D=456&cHash=b44e84bcab
> Die Beteiligung an der Rottwinkel-Kröber Internet Service GmbH werde > man wahrscheinlich mit Verlust an die Gründerin zurückgeben, > veranlasst durch die drohende Insolvenz der Gesellschaft. Ein > Nachschießen von Kapital komme aus Sicht von Cybermind hier nicht in > Frage.
Der Name ist heute noch registriert, wird aber für Werbung genutzt:
» www.equestria.de/ > Empfohlene Links zu Urlaub > Urlaub, Urlaub - Preisvergleich aller Veranstalter Urlaub, Reisen & > Hotels jetzt 45% 55% bis zu 65% günstiger buchen. > » www.preisvergleich.de ...
Merkwürdigerweise gehört die Seite jetzt einem Amerikaner:
> Domaininhaber: Maya Mark Inc. > Adresse: 2235 E. Flamingo Road, Ste 201 G > PLZ: 89119 > Ort: Las Vegas > Land: US
Wie Google auf den Zusammenhang zu preisvergleich.de kommt, ist mir unklar, denn diese gehört einer deutschen Firma:
> Domaininhaber: Preisvergleich.de GmbH > Adresse: Barfußgäßchen 11 > PLZ: 04109 > Ort: Leipzig > Land: DE
Die Wayback-Maschine half mir nicht weiter.
equestra.de hat es gegeben: » web.archive.org/web/*/http://equestra.de » web.archive.org/web/20000129110051/http://www.equestra.de/ Das kann es aber nicht sein, weil es ein Shop war.
» web.archive.org/web/*/http://equistra.de > 0 pages found for » equistra.de
Das bedeutet also, daß Ihre Seite dort nicht geführt wird. Ein Grund könnte sein, daß Sie sofort auf .com umleiten.
» web.archive.org/web/*/http://equistra.com > Blocked Site Error.
Das wiederum heißt, daß Ihr Webmaster eine Archivierung unterbunden hat.
» www.google.de/search?hl=de&q=site:equistra.de > Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage - site:equistra.de - > übereinstimmenden Dokumente gefunden.
Unter dieser Adresse ist also bei Google nichts zu finden, vermutlich aus demselben Grund. | | |
Richtigstellung
Selbstverständlich habe ich den falschen Namen in diesem Editorial sofort durch den korrekten ersetzt. Zwar hinterläßt man im Internet Spuren, aber diese können meistens korrigiert werden. Suchmaschinen wollen natürlich immer die aktuellste Daten präsentieren und ersetzen ihre Fundstellen regelmäßig durch die neueste Fassung. Das kann zwar ein paar Wochen dauern, wird aber mit absoluter Sicherheit erledigt.
Weil dadurch mit Fug und Recht Daten verschwinden, haben sich kluge Leute vorgenommen, Archive anzulegen - wie oben erwähnt. Bei den herkömmlichen Techniken ist es ja gar nicht möglich, falsche Daten nachträglich aus der Welt zu schaffen. Zwar gibt es so etwas wie Gegendarstellungen, aber diese erscheinen ja in einer späteren Ausgabe und nehmen die falsche Darstellung in der früheren nicht zurück. Mit Hilfe dieser Internet-Archive könnte eine Falschdarstellung also im Prinzip auch online überdauern.
Man kann sich aber leicht überzeugen, daß von diesem Editorial bei der WayBackMachine keine Kopie existiert. Die können wohl doch nicht alles archivieren. Da sich das Internet ständig ändert, würden diese Datenmengen in kürzester Zeit jegliches Maß übersteigen. In der Offline-Welt würde das der Situation entsprechen, daß es von der betreffenden Publikation wirklich kein Exemplar mehr gibt, in keiner Bibliothek, in keiner Bücherei, auf keinem Dachboden, in keinem Keller, daß restlos alles im Papierkorb und auf dem Müll gelandet ist. Wie wahrscheinlich ist das?

| | | Chefredakteur und Herausgeber | | | | |
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