
| | | Heidi Keppel | | | | | Entwurmung und Impfung von Fohlen und älteren Pferden Teil 15 Von › Heidi Keppel
Letzte Woche habe ich bereits festgestellt, dass eine gründliche Wurmbekämpfung immer auch mit einer gewissen Hygiene einhergehen muss, wenn man ein ordentliches Ergebnis erreichen will. Ich habe Ihnen diesbezüglich auch schon einige Maßnahmen vorgestellt, die für den Stall- und Koppelbereich empfehlenswert sind, und wie versprochen möchte ich dieses Thema nun auch auf die Weidehaltung ausdehnen.
Im Prinzip wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Weidehygiene ähnlich sorgsam durchgeführt werden würde wie die Stallhygiene, doch dies ist verständlicherweise nur selten möglich. Schließlich kann niemand verlangen, dass eine mehrere Hektar große und von vielen Pferden bewohnte Fläche täglich von jeglichem Mist gesäubert wird, zumal viele Weiden auch noch in ungünstiger Hanglage liegen, die eine Arbeitserleichterung durch landwirtschaftliche Maschinen nicht erlaubt.
Trotzdem sollte man zumindest die so genannten Geilstellen – das sind jene Plätze, die von den Pferden bevorzugt für den Kot- und Harnabsatz genutzt werden – regelmäßig entmisten. Andernfalls weiten die Pferde, welche nur ungern im tiefen Mist herumtreten, jene Stellen immer weiter aus, bis ein Großteil der Weide verdreckt ist. Dadurch kann binnen kürzester Zeit eine große Weidefläche verloren gehen, da das Gras, welches auf und im nahen Umkreis von solchen Geilstellen wächst, von Pferden mit natürlichem Instinkt stets verschmäht wird. Übrigens eine durchaus sehr sinnvolle "innere Eingebung", denn verständlicherweise ist genau dieses Gras die größte Ansteckungsquelle für innere Parasiten.
Aus diesem Grund ist es für die kluge Weideführung auch enorm wichtig, dass keine Überweidung der Fläche provoziert wird, indem man entweder zu viele Pferde auf einer Weide unterbringt oder die Weidezeit zu lange in den Herbst hinein ausdehnt. In solchen Fällen ignorieren besonders hungrige Tiere nämlich durchaus ihren Instinkt und fressen auch solche Geilstellen kahl, was dann den im Herbst oftmals extrem hohen Parasitenbefall hinreichend erklärt.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man übrigens, wenn man die Geilstellen mäht und das Gras dann an anderer Stelle als Grünfutter auslegt, wo es sehr hungrige bzw. gefräßige Pferde mitsamt den daran haftenden Wurmlarven aufnehmen. Will man das Gras der Geilstellen aber ebenfalls nutzen und gleichzeitig die Parasiten-Weiterentwicklung hemmen, so gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Heugewinnung ist eine davon, doch sollte man bedenken, dass es durchaus auch sehr widerstandsfähige Parasitenlarven bzw. -eier gibt und dass Pferde den Kot- und Harngeruch auch noch in diesem Zustand riechen, was die meisten Tiere auch vom Verzehr des Heus zurückhält. Weitaus sinnvoller ist hingegen die Silierung des Grases, da bei diesem Vorgang alle Parasiten verlässlich abgetötet werden und das Futter nebenbei auch seinen charakteristischen Geruch verliert.
Noch empfehlenswerter ist allerdings eine Misch- bzw. Wechselbeweidung mit Rindern, denn da Rinder weder Wirte noch Zwischenwirte der üblichen Pferdeparasiten darstellen können, besteht für diese keine Infektionsgefahr, wenn sie die Geilstellen der Pferdeweide abgrasen. Da sie dies auch sehr gerne tun und es sich umgekehrt genauso verhält (Pferde haben vor dem Kotgeruch der Rinder ebenfalls keine Scheu), ergänzen sich Pferde und Rinder wirklich optimal. Dies trifft auch auf ihre allgemeine Vorliebe für bestimmte Futterpflanzen zu, wohingegen sich Schafe diesbezüglich – trotz ihrer ebensolchen Immunität gegen Pferdeparasiten – weitaus weniger als Herdengenossen eignen, da sie im Fressverhalten eine Konkurrenz zu den Pferden darstellen.
Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass es selbstverständlich auch nicht sinnvoll ist, Pferdeweiden mit frischem oder nur kurz abgelegenem Pferdemist zu düngen, da es hierbei natürlich zu einer noch weiteren Verbreitung von Parasiten kommen kann. Um dies zu vermeiden, müsste man den Mist vorher heiß kompostieren, doch da die Pferde auch diesen Geruch nicht mögen, ist eine Düngung mit Rindermist weitaus ratsamer. Sofern der Pferdemist nicht mit riesigen Mengen Stroh oder Sägespänen vermischt ist, lässt sich bestimmt mit einem Landwirt ein Tausch gegen Rindermist organisieren.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
|