
| | | Heidi Keppel | | | | | Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten Teil 31 Von › Heidi Keppel
Im Gegensatz zur zuletzt besprochenen Durchtrittigkeit ist beim angeborenen Sehnenstelzfuß der Fohlen die Beugesehne zu kurz bzw. die Strecksehne zu schwach, um den Huf in der richtigen Position zu halten. Dadurch kommt eine zu steile Stellung des Hufes zustande, die in schweren Fällen zum so genannten ‚Überköten’ führt. Dabei knickt das Bein so nach vorne ein, dass es letztendlich oft nur noch mit dem Fesselgelenk den Boden berührt, während die Hufunterseite nach hinten-oben zeigt. Meist sind davon die Vordergliedmaßen betroffen, wobei allerdings nicht unbedingt beide Beine gleich starke Veränderungen aufweisen müssen.
Ein Stehen oder gar Laufen ist bei dieser Fehlstellung nur mehr erschwert möglich und führt in extrem ausgeprägten Fällen außerdem zu Abschürfungen auf dem Fesselgelenk. Deshalb ist hier eine rasche fachmännische Hilfe vonnöten, die sich nach den individuellen Gegebenheiten richtet. Meist erfolgt eine Behandlung mit Stütz- und Streckverbänden, es können aber auch orthopädische Maßnahmen, wie etwa Klebeschuhe oder Schnabeleisen, die die Hufspitze um einige Zentimeter überragen, sinnvoll sein. Bisweilen ist aber auch ein chirurgischer Eingriff notwendig, der direkt die Länge der Sehnen korrigiert bzw. die Zugkraft der Beugesehnen durch teilweise Durchtrennung schwächt.
Sowohl bei den Verbänden als auch bei orthopädischen Beschlägen muss auf eine sorgfältige Anwendung und auf eventuelle Folgeerkrankungen geachtet werden. So kann es etwa durch schlechte Anpassung von Schienen bei Stützverbänden oder durch zu seltenen Verbandswechsel stellenweise zu Hautnekrosen kommen, während unter Schnabeleisen oftmals Hufabszesse entstehen.
Außerdem ist – wie auch bei allen anderen Sehnenerkrankungen – darauf zu achten, dass die Fohlen ausreichend Bewegungsmöglichkeit auf festem und doch elastischem Boden erhalten. Dauernder Aufenthalt auf bretthartem oder auch auf tiefem, weichem Untergrund wirkt sich sehr ungünstig auf die Erkrankung aus, wohingegen kurze Spaziergänge auf hartem Boden (nur im Schritt!) eine allgemeine Kräftigung der Sehnen bewirkt.
Was die Ursache des angeborenen Sehnenstelzfußes betrifft, so gibt es dazu verschiedenste Theorien. Oftmals wird dafür eine Fehlernährung der trächtigen Stute vor allem bezüglich der Vitamin-, Mineralstoff-und Spurenelementversorgung verantwortlich gemacht, aber man sollte auch andere Faktoren nicht unterschätzen. So spielt sicherlich auch die Vererbung eine große Rolle und in vielen Fällen kann auch eine Fehllage des Fötus im Mutterleib derartige Auswirkungen haben, wobei diese allerdings meist nicht so nachhaltiger Natur sind und eine gute Selbstheilungsrate aufweisen.
Damit hätten wir das Wesentliche rund um den angeborenen Sehnenstelzfuß besprochen, im nächsten Tipp möchte ich dann noch genauer auf den erworbenen Sehnenstelzfuß und die Bockhufstellung eingehen.
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