
| | | Heidi Keppel | | | | | Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten Teil 29 Von › Heidi Keppel
Eine relativ häufig auftretende Abweichung von der normalen Stellung im unteren Gliedmaßenbereich ist die so genannte Durchtrittigkeit, bei der die Beugesehnen eine verringerte Spannung aufweisen, wodurch sie sich mehr oder weniger überdehnen. Dadurch kann das Fesselgelenk nicht in seiner natürlichen Position gehalten werden, sondern kippt verstärkt nach hinten und kann in schweren Fällen dabei sogar den Boden berühren.
Durchtrittigkeit kann – wenn sie bereits beim Neugeborenen auftritt – angeboren sein und damit einen genetischen Fehler darstellen. Dann sollte mit diesen Blutlinien möglichst nicht mehr weitergezüchtet werden. Manchmal sind solche ‚weichen Fesseln’ aber auch nur ein Zeichen allgemeiner Schwäche oder mangelnder Entwicklung, wie dies etwa bei Frühgeburten der Fall sein kann. Bei solchen Tieren bessert sich dieser Zustand im Allgemeinen schon nach kurzer Zeit ganz von selbst.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings eine artgerechte Haltung mit viel freier Bewegungsmöglichkeit, wobei Wiesenboden dafür ideal ist, weil er genügend Festigkeit aufweist und trotzdem angenehm weich-elastisch ist. Zu weicher oder tiefer Boden hingegen schadet in solchen Fällen sehr, da er die Sehnen nicht festigt, sondern nur überanstrengt. Aus diesem Grund können solche Bodenverhältnisse, die wir bei tiefer Einstreu oder bei matschigen bzw. tiefsandigen Ausläufen finden, sogar bei vormals gesunden Fohlen eine Durchtrittigkeit bewirken.
Vorsicht ist allerdings auch bei sehr harten Böden, wie etwa bei Beton, geboten. Zum Einen kann es hier bei starker Durchtrittigkeit zu Schürfwunden am Fesselkopf kommen, zum Anderen bedeutet vor allem schnellere Bewegung auf hartem, unnachgiebigem Boden eine enorme Belastung für die Gelenke und Sehnen der Fohlen. Deshalb sollten zur Kräftigung der Sehnen nur Schrittspaziergänge auf solchen Böden durchgeführt werden.
Bei leichteren Fällen sind bedarfsgerechte Ernährung mit allen nötigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie reichlich freie Bewegung für eine Heilung oft ausreichend, bei stark ausgeprägter Durchtrittigkeit wird man aber um eine fachmännische Behandlung durch einen erfahrenen Pferdetierarzt und einen kompetenten Hufschmied bzw. Hufpfleger nicht herumkommen.
Hufkorrekturen und schützende Stützverbände sind dabei die häufigsten Maßnahmen und gegebenenfalls muss auch hin und wieder der natürliche Bewegungsdrang des Fohlens durch zeitweise Aufstallung gebremst werden, wenn erste Anzeichen einer Überanstrengung zu bemerken sind. Vor allem auf vermehrte Wärme oder Verdickung der Sehnen ist dabei zu achten.
Auch homöopathisch kann man die Festigung der Sehnen fördern bzw. im Falle einer durch Überanstrengung entstandenen Sehnenentzündung heilend einwirken. Die dafür geeigneten Mittel werde ich Ihnen dann nächste Woche ausführlich vorstellen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
|