
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Auf dem Umschlagtitel dieses Buches ist der Untertitel gegenüber der Verlagsankündigung abgewandelt worden: "So wird es ein strahlende Auftritt", und ein Button unterstreicht: "Das ultimative Frisuren-Buch". Da kann ja nichts schiefgehen!
Das Buch hält, was Verlagsankündigung und Rückentext versprechen. Dieses Buch hätte meinen Töchtern sicher gefallen, auch als wir noch keine Pferde hatten und sie sich mit dem Schmücken von Spielzeugpferden begnügen mußten. Es ist also auch ein Pferd für jüngere Menschen, denen es einfach Vergnügen macht, ihre Pferde herauszuputzen, ob mit oder ohne Anlaß.
Durch das zusätzliche Kapitel "Schmuck für meine Pferd: Schönes Selbstgemacht" erhält es noch ein wenig den Charakter eines Bastelbuches und Anregers, denn Basteln hängt ja nicht nur von den Ideen, sondern zum Teil von den verfügbaren Materialien ab, und die Vorschläge des Buches regen beim Durchstöbern eines Bastelgeschäftes sicher die Phantasie an - man ist also nicht darauf beschränkt, das nachzuarbeiten, was das Buch einem vorschlägt. Das Buch bringt den Leser in Fahrt, und so soll es ja auch sein.
Das Schwergewicht liegt naturgemäß auf der Friseurarbeit, auch wenn das im Titel nicht besonders herausgearbeitet wird. Das Herausputzen eines Pferdes hat ja bekanntlich dort Grenzen, wo das Pferd in seiner eigenen Natur beschädigt wird, etwa beim Stutzen der empfindlichen Tasthaare. Mähne und Schweif sind hingegen unbedenklich und werden deshalb auch gerne behandelt, wobei lediglich Konventionen und Geschmack Grenzen setzen.
Wozu die Mähne dient, weiß man immer noch nicht, aber der Schweif ist ein nützliches Instrument, um sich der Insekten zu erwehren. Deshalb gilt es als Tierquälerei, den Schweif zu kupieren. Die Schweifhaare vorübergehend einzubinden gilt jedoch als zulässig und wird von vielen Sportlern im Fahrsport praktiziert, um zu verhindern, daß sich der Schweif in den Fahrleinen verheddert. Das wird zugleich zum Anlaß genommen, die Pferde zu verschönern; die Schweife werden in den Farben des Fahrers eingebunden, die sich in den Bandagen, dem Ohrschutz, der Kleidung, der Kutsche wiederholen. Es ist nicht zu leugnen, daß sich der ästhetischen Reiz des Gespanns auf diese Weise stark erhöht.
Mit dem Fahren hat die Autorin allerdings gar nichts zu tun, und deshalb finden sich derartige Beispiele in diesem Buch nicht. Sie sind auch nicht nötig, da der Leser genug Phantasie hat, für sich selbst die eigenen Schlüsse zu ziehen. Er braucht sicherlich Hilfestellung bei ungewöhnlichen Techniken, und die finden sich in diesem Buch reichlich, sowohl für die Mähne als auch für den Schweif. Eine Leseprobe:
| Die Stehmähne
Für Pferde, die sich gern am Mähnenkamm reiben oder einen schlechten Haarwuchs mit zu kurzer oder sehr dünner Mähne haben, ist eine Stehmähne meist die beste Lösung. In einer Stehmähne können sich keine Insekten einnisten, weshalb sie für Ekzemer die Frisur der Wahl darstellt und bei Pferden, die sich immer wieder Teile der Mähne abwetzen, das Kratzen stark reduzieren kann. Reiter deren Pferde im Offenstall stehen, müssen sich wegen einer Stehmähne keine Sorgen um das Wohlergehen ihrer Lieblinge machen. Die lange Mähne wurde vom Menschen wohl wegen ihrer Pracht herausgezüchtet und ist kein natürliches Merkmal auf dessen Schutz das Pferd angewiesen ist. Zebras, Esel und vor allem Przewalskipferde tragen ihren Mähne von Natur aus stehend und kommen damit bestens zurecht, einem Hauspferd geht es da nicht anders. Und in einem heißen Sommer sind kurzhaarige Pferde ihren struppigen Kollegen gegenüber im Vorteil.
Aber nun zu den optischen Reizen: Pferde mit wohlgeformten, muskulösen Hälsen und im Speziellen Pferde mit kurzen, kräftigen Hälsen sehen mit Stehmähne besonders gut aus. Sie läßt einen freien Blick auf den schönen Hals zu und gibt dem Pferd ein freches, kräftiges Aussehen. Die Form des Halses läßt sich durch den Schnitt noch betonen. So schneidet man die Haare am Widerrist recht kurz und führt die Mähne dann in einem flotten Bogen zum Genick. So mancher Friseur betont hier die Rundung des Halses, indem er die Haare zum Genick hin wieder kürzer schneidet. Ein Bogen, bei dem die Haare am Genick am längsten sind, betont wiederum eine hohe Aufrichtung. a.a.O., Seite 23 | | |
Es folgt ein Kasten mit einer Kurzanleitung und eine ausführliche Arbeitsanleitung mit Instruktionen zum Nachschneiden sowie Varianten, etwa der antiken Stehmähne. Richtig kompliziert und interessant wird es bei den Flechtmähnen und den geflochtenen Schweifen. Hier helfen neben der Anleitung und den Fotos detaillierte Schemazeichnungen. Zeitangaben lassen abschätzen, wieviel Aufwand man treiben muß.
Es gibt nichts, was es nicht gibt - das war die Assoziation, die ich zum Kapitel "Frisuren für haarige Notfälle" hatte:
| Die Vorstellungen von einer guten Frisur unterscheiden sich bei Pferd und Besitzer oft drastisch. Besitzer lieben das Langhaar ihres Pferdes meist voll, lang und schön, während viele Pferde einen Hang zu "Lang-mit-Löchern", teilweise verfilzt oder überhaupt ganz selbst "geschoren" haben. So kann es passieren, daß man am großen Tag in den Stall kommt und feststellt, daß sein Pferd sich für eine modische Kurzhaarfrisur entschieden und auch gleich selbst Hand angelegt hat. Die schmerzhafte Wahrheit gleich vorne weg: nicht jede von Pferden selbstgeschaffene Frisur kann auch gerettet werden! Aber einige schon.
Teilweise abgewetzte Mähnen
Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres, als eine schöne, lange Mähne mit einem kurzgeschorenen Loch in der Mitte. Kaum eine Frisur kann über diesen Schönheitsfehler hinwegtäuschen. Ist die Mähne nicht allzu lang, kann man es mit seitlichem Einflechten versuchen. In vielen Fällen läßt sich ein Loch auf diese Weise kaschieren. Bei langer Mähne kann ein Spanischer Zopf helfen, der über dem Loch kurz normal geflochten und am besten noch mit Tüchern ausgestattet wird. Wer den Schaden längerfristig beheben will, muß einen professionellen Pferdefriseur rufen. Dieser kann sogenannte Extensions ins Haar einflechten. Hierbei handelt es sich um echte Pferdehaarsträhnen in der Mähnenfarbe Ihres Pferdes, die mit einer speziellen Technik im Haar befestigt werden. Das ist nicht gerade billig und Pferdefriseure findet man auch nicht an jeder Straßenecke. Die Strähnen halten mehrere Monate und wachsen einfach aus. Ist allerdings mehr als eine Stelle betroffen und die Hälfte der Mähne steht in unschönen Büscheln ab, kann nur noch eine kurze Stehmähne Ordnung ins Chaos bringen.
Abgescheuerte Schweifrüben
Würmer, Ekzeme und Insekten veranlassen Pferde zum Schweifscheuern. Was sich in wenigen Stunden abwetzen läßt, braucht Monate um wieder nachzuwachsen. Wer Glück hat, kann den abgewetzte Teil gut kaschieren. War das Pferd nämlich nicht gründlich genug, sind die seitlichem Haare an der Schweifrübe noch intakt. Ist dies der Fall, läßt sich immer noch ein Knöpfchenschweif fabrizieren, der nicht nur schmuck ist, sondern die kurzgeschorenen Haare außerdem noch verdeckt.
Dünne Schweife
Manchmal sind die Gene, oft aber auch andere Pferdemäuler oder gefräßigen Ziegen schuld: Dünne Schweife sehen armselig aus. Wer sich wegen des "Rattenschweifs" seines Pferdes geniert, kann ihn entweder hochbinden oder aber er besorgt sich ein Schweiftoupet. Wer im Internet sucht, wird auch fündig. Schweiftoupets gibt es in verschiedenen Farben, sie sind für gewöhnlich aus echtem Pferdehaar gefertigt. Sie können leicht im Schweif befestigt und beliebig oft wiederverwendet werden. Ein Schweiftoupet ist also eine Anschaffung fürs Leben und das ist auch gut so, denn billig ist es nicht. a.a.O., Seite 58/59 | | |
Das paßt ja gut zu unserem Thema Appaloosa, die zumindest früher einmal für ihre schütteren Mähnen und Schweife berüchtigt waren. Aber das gehört möglicherweise schon der Vergangenheit an, da man äußerliche Merkmale bekanntlich relativ leicht herein- bzw. herauszüchten kann.
Für Leser, die ein wenig mehr Anleitung brauchen, gibt es noch Tabellen, die anzeigen, welche Schopf- und Mähnenfrisur zu welcher Schweifmode paßt, und welche Farben zu welchen Fellfarben gut aussehen. Wenn Ihnen das Äußere Ihres Pferdes nicht egal ist, dürfte sich der Preis und die Zeit für die Lektüre dieses Buches schnell lohnen.
Bei den vielen Fotos ist mir aufgefallen, daß die Autorin sehr häufig gebißloses Zaumzeug verwendet und dieses in manchen Fällen auch noch parallel zu einer Gebißzäumung. Insgesamt macht das Buch den Eindruck, daß es weniger im Umfeld des großen Turniergeschehens entstanden ist als vielmehr im Bereich der Freizeitreiterei. Das ist aber kein Einwand; die Tips und Tricks sind sicherlich auch bei Turnierreitern höchst willkommen.
erschienen 08.07.07
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