
| | | Heidi Keppel | | | | | Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten Teil 27 Von › Heidi Keppel
Wie angekündigt möchte ich diese Woche damit beginnen, die möglicherweise auftretenden angeborenen Stellungsfehler bei Fohlen detailliert zu besprechen, wobei ich mich im aktuellen Tipp ganz den Karpalgelenken, also den Vorderfußwurzelgelenken, widmen möchte.
Zeigen diese Gelenke eine Vorbiegigkeit deutet dies auf eine Unausgeglichenheit der Beuge- und Streckmuskulatur hin, bei der die Beuger zugkräftiger oder auch verkürzter sind gegenüber den Streckern. Man bezeichnet diese Stellung auch als Kniehängigkeit (Karpalgelenk = Vorderknie) oder Struppiertheit. Sie kommt bei neugeborenen Fohlen relativ häufig vor, verliert sich aber meist in den ersten Lebensmonaten von selbst. Nur eine extreme Winkelung kann auch später noch Probleme bereiten.
Die gegenteilige Rückbiegigkeit der Karpalgelenke kommt durch eine Schwäche der Beugemuskeln zustande, welche häufig auch mit einer anatomischen Veränderung des Gelenkes und mit weichen Fesseln einhergeht. Hierbei entsteht oft eine Fehlbelastung der Gelenkflächen, die sich vor allem in späteren Jahren bei der Verwendung als Reitpferd negativ bemerkbar macht. Bei diesem Stellungsfehler kommt es nur selten zu einer spontanen, natürlichen Heilung.
Findet eine Abweichung der Vorderfußwurzelgelenke nach außen statt, nennt man das ‚knieweite Stellung’ oder O-Beinigkeit. Bei dieser Fehlstellung werden die innen liegenden Gelenkflächen und die außen liegenden Bänder besonders stark beansprucht, was in weiterer Folge zu schweren Gelenksschäden führen kann, wenn sich das Fohlen zu viel bewegt. Deshalb ist hier unbedingt eine rechtzeitige Therapie in den ersten Lebenswochen bzw. -monaten vonnöten.
Bei der umgekehrten Fehlstellung, der X-Beinigkeit bzw. ‚knieengen Stellung’, bei der die Karpalgelenke nach innen gebogen sind, kann hingegen bei leichteren Fällen durchaus mit einer Selbstheilung gerechnet werden. Bei schwereren Fällen sollte allerdings auch hier mit einer geeigneten Therapie nachgeholfen werden, die unbedingt auf die individuellen Gegebenheiten abgestimmt werden muss, wenn man ein befriedigendes Ergebnis erzielen möchte – was übrigens für alle bisher genannten Fehlstellungen gilt.
Nach einer genauen Durchuntersuchung, die auch immer die Erstellung klärender Röntgenbilder beinhalten sollte, wird der erfahrene Pferdetierarzt entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll. In nicht allzu schweren Fällen kann bereits ein Stützverband, welcher meist mit starken Manschetten oder Schienen kombiniert wird, den nötigen Heilungsanstoß geben. Auch Gipsverbände kommen hier häufig zum Einsatz, wobei die korrekte Einrichtung der Beine eine Vollnarkose des Fohlens erfordert.
Bringt diese Behandlung nach 3-4 Wochen keine Besserung – oder generell auch bei extremen Fehlstellungen – müssen die Gelenke durch eine Operation in die richtige Form gebracht werden, wofür entweder Klammern oder Schrauben und Draht verwendet werden. Für den Erfolg einer solchen Operation ist es wichtig, dass diese möglichst frühzeitig – am besten innerhalb der ersten vier Lebensmonate – durchgeführt wird, da in dieser Zeit noch der größte Einfluss auf das Knochenwachstum möglich ist, welches maßgeblich an der Verschlimmerung oder Besserung einer Karpalgelenksfehlstellung beteiligt ist.
Bei sämtlichen Fehlstellungen der Vorderfußwurzelgelenke muss darauf geachtet werden, dass die Fohlen nicht überanstrengt werden, was in vielen Fällen Boxenruhe erforderlich macht. Andernfalls kann es durchaus zu drastischen Verschlimmerungen kommen. Ebenso muss auf eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung des Fohlens und auch der Mutterstute Wert gelegt werden. Dabei spielen vor allem Spurenelemente, wie etwa Kupfer, und Mineralstoffe, wie Calcium, aber auch Vitamin D eine große Rolle.
Desgleichen darf auch die Auswirkung einer allgemeinen Überfütterung nicht unterschätzt werden. Findet eine solche bei der Mutterstute in der zweiten Trächtigkeitshälfte statt, kann sie schon da zu Fehlentwicklungen beim Fohlen führen, aber auch eine Überernährung in den ersten Lebensmonaten bzw. -jahren kann zu übertriebenen Wachstumsschüben führen und damit negative Folgen für das Fohlen haben. Deshalb sollte eine allzu üppige Fütterung auch bei Zuchttieren unbedingt vermieden werden.
Welche Stellungsfehler es im Fesselgelenks- und Hufbereich geben kann, erfahren Sie dann nächste Woche von mir.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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