
| | | Heidi Keppel | | | | | Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten Teil 25 Von › Heidi Keppel
Fehlentwicklungen können bei Fohlen auch im Gehirn- und Rückenmarksbereich vorkommen und gehen dabei meist mit typischen Bewegungsstörungen einher. Sie können sowohl angeboren als auch im Laufe der ersten Lebensjahre erworben werden oder es kann auch eine Kombination von ererbten und erworbenen Veränderungen an der Wirbelsäule zu derartigen Erkrankungen führen, wie dies meist bei der so genannten Wobbler-Krankheit (spinale Ataxie) der Fall ist.
Meist sind 1-3jährige Pferde, selten auch jüngere oder ältere Tiere von der klassischen Form dieser Krankheit betroffen, die vermehrt bei männlichen und vollblütigen Fohlen auftritt und sich entweder plötzlich oder auch schleichend entwickeln kann. Hierbei liegt eine angeborene Verengung des knöchernen Wirbelkanals vor, wodurch das darin befindliche Rückenmark gequetscht wird und zu Bewegungsstörungen führt.
Häufig entwickeln sich bei solchen Jungpferden mit der Zeit auch noch osteoarthritische Veränderungen entzündlicher und degenerativer Natur an den Halswirbeln, wodurch es zu einer weiteren Reizung des Rückenmarks kommt. Zu schnelles Wachstum der betroffenen Fohlen und/oder eine unzureichende Versorgung mit wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen kann den Zustand stark verschlimmern.
Anfangs ist oft nur ein unsicherer Gang zu bemerken, doch bald schon werden das Schwanken (vor allem der Hinterhand) und die Neigung zum Stolpern – besonders bei unebenen Bodenverhältnissen und bei Wendungen – deutlich sichtbar. Auch das Rückwärtsrichten wird meist verweigert oder kann nicht ordentlich ausgeführt werden, da das Pferd unter Koordinationsstörungen leidet. Es ist offenbar unfähig, die Bewegung seiner Beine ordentlich zu kontrollieren.
Treten derartige Bewegungsstörungen plötzlich auf, ist fast immer ein Trauma der Auslöser. Stürze mit Überschlagen des Tieres oder auch heftige Junghengstkämpfe können zu Verletzungen mit Hämatomen im Bereich der Halswirbelsäule führen, welche eine ganz ähnliche Symptomatik wie die ererbte spinale Ataxie aufweisen können. Ähnliches gilt für starke Abnützungserscheinungen oder Verrenkungen an der Halswirbelsäule bei älteren Pferden, welche z.B. durch längerfristige falsche Reithaltung zustande kommen können.
Selten können solche Ataxien auch durch Parasiten, die ins Rückenmark einwandern, hervorgerufen werden, während viral bedingte Hirn- und Rückenmarksentzündungen (Equine-Herpes-Virus-1-Infektion, Borna´sche Krankheit, Borrelliose) oftmals gehäuft auftreten können, wobei hierbei als zusätzliches Symptom Fieber zu bemerken ist. Auch eine durch Einzeller hervorgerufene nichteitrige Entzündung des Rückenmarks und des Hirnstammes, die Equine Protozoäre Meningoenzephalitis, kann gelegentlich bei Pferden beobachtet werden.
Da die Ursachen und die daraus folgernden Behandlungsmöglichkeiten der spinalen Ataxie sehr verschieden sein können, gehören Jungpferde mit verdächtigen Bewegungs- und Koordinationsstörungen unbedingt in die Hand eines erfahrenen Pferdetierarztes. Allerdings sind die Heilungsaussichten – vor allem bei der ererbten Wobbler-Krankheit – generell eher gering bis aussichtslos, eine spätere Verwendung des Tieres als Reitpferd ist meist auszuschließen. Bei traumatisch und infektiös bedingten Erkrankungen sieht die Prognose besser aus, sofern eine rechtzeitige Behandlung erfolgt. Ein genaues Beobachten der Fohlen und Jungpferde in Bezug auf Bewegungsstörungen ist also sehr empfehlenswert.
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