
| | | Heidi Keppel | | | | | Berührungstipps Teil 2 Von › Heidi Keppel
Letztes Mal habe ich schon einen kleinen Einblick darüber gegeben, welche Berührungen für welchen Pferdetyp angenehm sind, im dieswöchigen Tipp möchte ich dieses Thema noch ein wenig ausweiten und vor allem auf die Problemzonen Kopf und Nacken genauer zu sprechen kommen, da Berührungen in diesem Bereich oft sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.
Vorige Woche habe ich bereits erklärt, dass abrupte Annäherungen meist einen negativen Effekt erzielen, was nicht nur für den Kopf-, sondern auch für den sensiblen Nackenbereich (Hier versetzen Raubtiere ihrer Beute den tödlichen Biss!) gilt. Umgekehrt bewirkt die dortige hohe Sensibilität aber auch, dass man - eine große Portion Feingefühl vorausgesetzt - über diese Zonen auch einen beruhigenden Einfluss auf das Tier nehmen kann, wobei Vollblüter und hoch im Blut stehende Warmblüter besonders empfänglich für diese Art von Berührung sind.
Etwa eine Handbreit hinter dem Kopfansatz ist der Nacken besonders empfindlich und kann mit sanften Massagen rasch und nachhaltig positiv beeinflusst werden. Leichter, gleichmäßiger Druck bewirkt das sofortige Senken des Kopfes mit gleichzeitiger Entspannung der Halsmuskulatur, was sich kluge Reiter sowohl beim Zäumen des Pferdes als auch beim Reiten zunutze machen, da dieser ‚Reflex' auch auf die Psyche des Tieres beruhigend wirkt und somit vor allem bei nervösen und ängstlichen Pferden zu empfehlen ist.
Bei zu hartem, schmerzhaftem Druck hingegen schnellt der Kopf blitzschnell alarmiert empor und ist dann erst nach einer gewissen Beruhigungsphase wieder in eine tiefe Position zu bringen. Ungeduldige und grobe Reiter werden also nur selten Erfolg mit der Berührung in diesem Bereich haben, außer sie besitzen ein ebenso unsensibles oder über enorme Halsmuskelpakete verfügendes Pferd.
Nur in Ausnahmefällen kann auch eine feste Massage zielführend sein. Dann nämlich, wenn das betreffende Pferd bereits unter so starken Nackenverspannungen leidet, dass es den kräftigen Druck der Finger als krampflösend und somit angenehm entspannend empfindet. Eine leicht kreisförmige, in die Tiefe der Muskulatur gehende, aber niemals direkt auf die Wirbelsäule drückende Massagebewegung ist dafür erforderlich. Diese sollte aber sofort zu sanftem Druck übergehen, wenn das Pferd darauf wie gewünscht mit tiefer, lockerer Kopf-Hals-Haltung reagiert.
Auch am Kopf selbst gibt es Regionen, die für streichelnde Berührung sehr empfänglich sind, nämlich die Stirn und - für viele vielleicht überraschend - auch die Augen des Pferdes. Wiederum sind es vor allem sensible Vollblüter, die sich durch eine sanfte, kreisförmige Massage im Stirnbereich meist rasch beruhigen lassen. Eine beinahe einschläfernde Wirkung besitzt langsames, rhythmisches Gleiten mit der flachen Hand über die Augenpartie, wobei am besten in Form eines Achters immer abwechselnd beide Augen gestreichelt werden sollten.
Diese Art von Berührung wird zwar meist nur von vertrauten Personen geduldet, allerdings haben manche Menschen die Begabung in Sekundenschnelle ein gutes Vertrauensverhältnis auch zu fremden Pferden aufzubauen, indem sie dem Pferd gedanklich das Gefühl geben, nur das Beste für es zu wollen. Andere, die diese Fähigkeit nicht haben, sollten bei solchen Annäherungen immer etwas behutsamer vorgehen und keinesfalls eine Überrumpelung des Tieres versuchen, da sie damit dessen Vertrauen gänzlich verlieren würden.
Deshalb sollte das Pferd immer zuerst die Möglichkeit bekommen, sich die Person, die es streichelnd berühren möchte, genauer anzusehen und zu beriechen. Wird eine langsame Annäherung im Nasen-, Stirn- oder seitlichen Kopfbereich geduldet, kann man sich dann vorsichtig mit ruhigen und gleichmäßigen Bewegungen vorwärtstasten, bis das Pferd auch die Berührung im Augenbereich entspannt genießt.
Ich persönlich habe mit diesen Massagen immer sehr gute Erfahrungen gemacht und sie waren für meine Zwecke (Beruhigung nervöser und ängstlicher Pferde) immer ausreichend, aber manche Pferdeexperten empfehlen auch noch Massagen im Maul- und Ohrenbereich, die teilweise eine Behandlung wichtiger Akupressurpunkte beinhalten, weshalb ich Ihnen diese Methoden nicht vorenthalten möchte. Näheres dazu erfahren Sie dann nächste Woche von mir.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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