Manch einer wollte mich gar am Fotografieren hindern und fürchtete die Industriespionage - dabei ist nichts leichter als das. Wer das mit Fotos machen will, ist allerdings schlecht beraten. Wenn ich wissen will, wie die Konkurrenz arbeitet, kaufe ich einfach deren Produkt und nehme es auseinander. Ein Ingenieur einer der größten deutschen Autofirmen erklärte mir einmal, daß man nirgends so viel lernen könne, als wenn man die neuen Produkte der Konkurrenz auseinandernähme. Na also, so macht man das.
Ganz generell sind doch die Märkte heute vollkommen übersättigt. Was der eine kann, kann der andere auch. Und wenn einer mal etwas anders macht, macht es ihm der andere nach, spätestens dann, wenn er sich davon ebenfalls Erfolg verspricht.
Pferdeanhänger sind ein gutes Beispiel. Die ganze Halle 3 ist voll davon. » Fautras fiel vor vielen Jahren dadurch auf, daß die Pferde schräg gestellt wurden. Nun kann man auch bei » Böckmann einen solchen Anhänger kaufen. Na sowas. Ansonsten gleichen sich die Modelle bis zur Ununterscheidbarkeit. Wer hier vergleichen will, hat viel zu tun.
Und dann plötzlich die Überraschung: Ein völlig anderer Pferdeanhänger, wie von » Colani gestaltet, in grellem Orange, vor einem Riesentransporter in derselben Farbe. Dieser stand direkt vor der Außenwand, zur Besichtigung mußte man sich also um das Fahrzeug herumbegeben und an der Wand entlangquetschen - was erstaunlich viele Leute taten.
Vielleicht lag das an den (wenigen) Fotos vom Innenraum - schließlich handelt es sich bei so einem Fahrzeug um eine Kreuzung zwischen Wohnmobil und Pferdeanhänger. Der Verkäufer Frank » Nillius, Vertreter für » AK Fahrzeuge, schwärmte von den Fahrzeugen und sonnte sich im Erfolg. 200 dieser Luxusfahrzeuge werden im Jahr verkauft - das konnte ich mir gar nicht vorstellen, aber es wird natürlich für den Weltmarkt produziert, und überall ist Geld vorhanden.
Allein der ukrainische Öl-Milliardär Alexander Onischenko wird sechs identische Fahrzeuge für seine Mannschaft ordern. Vom Pferdeanhänger » Horse Art seien bereits am ersten Tag der Messe 70 Stück geordert worden; wer heute bestelle, müsse sich bis August gedulden. Als ob die Aussagen bekräftigt werden sollten, meldete sich gegen Ende des Gesprächs ein Besucher und fragte, ob man einen solchen Wagen auch für 4 statt 6 Pferde haben könnte (selbstverständlich) - in einer Stunde sei er wieder da. Es hörte sich so an, als sei der nächste Abschluß fast perfekt.
Ich wollte natürlich wissen, was man für solch ein Fahrzeug anlegen muß. Angesichts des gebotenen Luxus kam mir ein Preis von 220.000 EUR noch gemäßigt vor. Wer kann sich solche Fahrzeuge leisten? Verdient man mit dem Pferdesport so viel? Lautet Nillius trifft das nur auf 20% der Käufer zu, für alle anderen ist der Pferdesport Hobby. Ein Hobby für wohlhabende Leute.
Aber letzten Endes wird auch hier spitz gerechnet. So hatte der Horse Art genannte Pferdeanhänger ein Radio in der Sattelkammer, das als Extra geordert werden muß und mit 720 EUR zu Buche schlägt. Eine Sonderlackierung kostet 97 EUR, eine Metalliclackierung 1.071 EUR, eine Wasseranlage 883 EUR usw. Der Grundpreis beträgt 14.220 EUR, an Sonderausstattung kann man noch insgesamt 4.368 EUR zusätzlich ordern.
Der Prospekt zeigt eine normale Kupplung, während das ausgestellte Modell eine Sicherheitskupplung von » Al-Ko hat. Sie kostet, wie ich auf dem Stand dieser Firma erfuhr, zusätzlich 305,70 EUR, wobei man noch gut und gerne 250 EUR für Zubehör der Kupplung loswerden kann. Aber was kümmert das die reichen Leute? Als Zugfahrzeug paßt dann auch am besten ein Porsche Cayenne.
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