| Xenophon (etwa 430-355 v.Chr.) Griechischer Schriftsteller, Historiker, Philosoph, Begründer der Hippologie, Schüler des Sokrates. Verfasser der frühsten überlieferten Reitlehre der Geschichte "Peri Hippikes" (Über die Reitkunst) und "Hipparchikos" (Pflichten eines Reiterführers), die nach lebenslanger reiterlicher Erfahrung in hohem Alter niedergeschrieben wurden. Xenophon beruft sich auf einen Vorläufer namens Simon von Athen, von dem das Fragment einer Pferdebeurteilungslehre erhalten ist, das er in seine Schriften einbezieht. Diese sind offensichtlich aus der Praxis geboren und zeugen von genauer Beobachtungsgabe und fundierter Kenntnis des Pferdennaturells. Der passionierte Pferdefreund berücksichtigt Verhalten und Psyche des Pferdes, plädiert für gewaltfreie Erziehung, gibt Anweisungen zur Haltung, Fütterung und Pflege, empfiehlt eine reiterlicher Ausbildung nach dem Belohnungsprinzip mit Mindeststrafen und kritisiert Mißstände der griechischen Reiterei. Xenophon verlangt nur solche Leistungen, die den natürlichen Fähigkeiten des Pferdes entsprechen, und er erkennt, daß Gymnastizierung und dressurmäßige Versammlung den Tragapparat vor Belastungsschäden unter dem Reiter bewahren und die Beherrschung des Pferdes erleichtern.
Die Griechen waren kein Reitervolk. Xenophons Reitlehre verrät, daß die Angehörigen der griechischen Oberschicht, die allein sich Reitpferde leisten konnten, oftmals zwingende und brutale Reitmethoden sowie quälende Zäumungen anwendeten, um das Pferd zu unterwerfen. In diesem Umfeld erscheint es erstaunlich, daß er zu fundamentalen Erkenntnissen gelangte, die bis heute Gültigkeit besitzen. Möglicherweise hatte er, ohne dies zu erwähnen, Kenntnis von der Reitweise der Iberer, die sein Wissen entscheidend bereicherte. Kapitzke, Gerhard: Das Pferd | | |
Xenophon ist aber erst in zweiter Linie für seine Pferdeliteratur bekannt. Sein besonderer Ruhm begründet sich aus der Verwendung seiner Schriften im Unterricht. Unter denjenigen, die die griechische Sprache erlernen, ist Xenophon so berühmt wie » Gaius Iulius Caesar, dessen Bericht über den gallischen Krieg » De Bello Gallico den Latein-Schülern dient. Seine Augenzeugen-Schilderung des Kriegszugs der Zehntausend mit dem Titel » Anabasis ist sowohl unentbehrliche historische Quelle als auch ein klassisches Lehrbuch zum Erlernen der griechischen Sprache.
Xenophon, der Schüler des » Sokrates war, hatte sich als "privater Schlachtenbummler" den griechischen Söldnern im Krieg » Kyros des Jüngeren, jüngerer Sohn des verstorbenen persischen Großkönigs » Dareios II., gegen seinen älteren Bruder » Artaxerxes II. angeschlossen.
Dieser hatte sich mit Unterstützung seiner Mutter, die sich in dieser Hinsicht gegen den Vater nicht durchsetzen konnte, gegen den von diesem als Nachfolger eingesetzten Erstgeborenen empört und mit Hilfe der griechischen Söldner eine wichtige Schlacht im Jahre 401 vor Christus gewonnen (» Schlacht bei Kunaxa), war dabei jedoch gefallen. Die gesamte Führung seiner Armee wurde anschließend durch Verrat erledigt. Damit war die Truppe herrenlos in der Nähe von » Babylon gestrandet.
Xenophon war einer derjenigen, die das Söldnerheer wieder nach Griechenland zurückführten. Er wird auch als Reitergeneral bezeichnet. Wir stellen uns nun also vor, daß 10.000 Griechen mit Pferden durch Kleinasien gezogen sind. Richtig? Eher nicht. Die sind zu Fuß gegangen. Es waren nämlich Fußtruppen.
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