
| | | Heidi Keppel | | | | | Erkennung und Behandlung von Fohlenkrankheiten Teil 3 Von › Heidi Keppel
Die erste Krankheit, die dem Fohlen bereits kurz nach der Geburt Probleme bereiten kann, ist das Darmpechverhalten. Als Darmpech oder auch Mekonium wird der Darminhalt des neugeborenen Fohlens bezeichnet, welcher aus abgestorbenen Zellen und Sekreten besteht, die sich im Darm bereits in der Zeit vor der Geburt angesammelt haben und nach der Geburt möglichst innerhalb von 12 Stunden, spätestens aber nach 24 Stunden ausgeschieden werden sollten.
Das Darmpech ist im Gegensatz zum nachfolgenden eher gelblichen, weichen Milchkot eine dunkelbraune bis schwarze, relativ feste und klebrige Masse, die bisweilen im hinteren Darmabschnitt verklumpen kann und dann eine hartnäckige Verstopfung bildet, welche unbehandelt innerhalb weniger Tage sogar zum Tod des Tieres führen kann. Eine genaue Beobachtung des Fohlens und seines Kotabsatzverhaltens in den ersten Lebensstunden und im Notfall die rasche Verständigung eines Pferdetierarztes sind deshalb enorm wichtig.
Obwohl die Kolostralmilch eine leicht abführende Wirkung besitzt und somit diesem Problem auf natürliche Weise vorbeugt, tritt das Darmpechverhalten relativ häufig auf. Vor allem Hengstfohlen sind davon vermehrt betroffen, da ihr Becken enger gebaut und deshalb weniger leicht durchgängig ist. Auch mangelnde Bewegung begünstigt diese Verstopfung und ebenso kann eine zu geringe Kolostralmilchaufnahme die Ursache für diese Verdauungsstörung sein. Letzteres kann dadurch entstehen, dass ein zu schwaches Fohlen generell zu wenig trinkt, aber es kann z.B. auch daran liegen, dass die Mutterstute schon vor der Geburt einen Teil der wertvollen Kolostralmilch verloren hat.
Als Hauptsymptom zeigen die betroffenen Fohlen anfangs ein kolikartiges Verhalten. Unruhig schlagen die jungen Tiere mit dem Schwänzchen, während sie immer wieder verzweifelt den Kot auszupressen versuchen. Auch ein häufiges Wälzen kann ein Zeichen für diese Erkrankung sein. Wenn sich die Fohlen zwischendurch niederlegen, kann man an ihrer verkrampften Haltung erkennen, dass sie Bauchschmerzen haben. In den ersten Stunden trinken die Fohlen trotzdem oft noch normal, doch schon bald werden sie immer matter und ihr Appetit schwindet. Meist ist der Bauch dann bereits stark aufgebläht.
Am besten lässt man das Darmpech von einem Tierarzt fachkundig entfernen, da jegliche falsche Manipulation am empfindlichen Darm des Fohlens verheerende Folgen haben kann. Ist momentan kein Tierarzt erreichbar, kann man versuchen, die Verstopfung mit einem Einlauf zu lösen. Verwenden kann man dazu warmes Seifenwasser, Paraffinöl oder ev. auch eine auf Körpertemperatur abgekühlte Leinsamenabkochung.
Wichtig ist, dass dabei sehr vorsichtig vorgegangen werden muss, um die Darmschleimhaut nicht zu verletzen, weshalb möglichst auch keine harten Klistierspritzen verwendet werden sollten. Auch Untersuchungen mit dem Finger dürfen nur mit abgeschnittenen und gut berundeten Fingernägeln erfolgen, außerdem sollte der Finger (niemals mehrere verwenden!) vor dem Einführen eingeölt werden, was auch bei der Verwendung von Handschuhen gilt.
Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der Einlauf langsam und behutsam erfolgt, damit nicht womöglich ein plötzlicher zu starker Druckanstieg den Darm des Fohlens zerreißt. Aus diesem Grund sollte der Klistierbehälter auch eher tief gehalten werden. Bemerkt man, dass der Widerstand im Darm zu hoch ist, sollte man lieber die Ankunft des Tierarztes abwarten oder sanft versuchen, das Darmpech mit dem Finger zu lösen.
Ist das Darmpech nach dem Einlauf abgegangen (insgesamt beinhaltet der Darm des neugeborenen Fohlens etwa 500-800g Darmpech, welches normalerweise in mehreren kleinen Portionen ausgeschieden wird), sollte sich das Fohlen bald erholen und vor allem keine Kolikerscheinungen mehr zeigen. Zeigt sich danach hingegen keine deutliche Besserung, sollte sich unbedingt ein Tierarzt das Fohlen genauer ansehen, um etwaige Komplikationen rechtzeitig abzuklären.
Auch die Homöopathie kann helfen, den Abgang des Darmpeches zu erleichtern. Allen voran wäre hier Nux vomica D6 zu nennen, das Universalmittel für Magen-Darm-Erkrankungen. Alle 2 Stunden sollten jeweils 5-7 Tropfen oder Globuli davon verabreicht werden. Andere Mittel sollten nur nach Absprache mit einem Tierheilpraktiker oder fachkundigen Tierarzt gegeben werden.
Um ein Darmpechverhalten zu verhindern, wird als vorbeugende Maßnahme auch sehr oft die Verfütterung von Rizinusöl und/oder Paraffinöl empfohlen. Dabei werden etwa 80ml Öl mit derselben Menge frisch gemolkener Stutenmilch (natürlich von der Mutter des Fohlens) vermischt und dem Fohlen mit einer Säuglingsflasche verabreicht. Da das ölige Gemisch dickflüssiger als Milch ist, muss dazu die Öffnung des Schnullers etwas vergrößert werden.
So, damit hätten wir das Thema Darmpechverhalten abgeschlossen, nächste Woche kommt dann die Fohlenlähme dran.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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