Die Gefahren der Straße sind enorm. Ein Zeitungsbericht läßt nicht an Deutlichkeit zu wünschen übrig:
| Die Überschrift des Artikels "Landstreicher fliehen nach 'Angriff' von Bauern", der beschreibt, wie Frauen und Kinder zu Weihnachten, als die Männer in der Kirche waren, fast umgebracht wurden, benutzt Hochkommata, als ob ein Angriff auf Travellers irgendwie weniger real oder weniger ernsthaft sei. Der Vorfall bezeugt die tiefe Feindseligkeit derer, die die Inbesitznahme und längerfristige Besetzung des Landes gegenüber denen, die solche Werte geringschätzen, und straft das Bild der homogenen Gesellschaft Lügen.
"Ein Lager von Landstreichern [...] wurde nach einem Angriff durch eine Gruppe ansässiger Bauern aufgegeben [...] Hunde aus dem Lager sollen 18 Schafe gerissen haben [...] ansässige Farmer rotteten sich zusammen, um das Lager am Weihnachtstag zu zerstören [...] Sie waren mit Schleudern, Schlagstöcken und einem Gewehr bewaffnet. Nur ein Schuß wurde abgegeben, aber dieser reichte, um die Anzahl der Hunde um einen zu dezimieren. Die Tinker flohen im Chaos in alle Richtungen und ließen die meisten Besitztümer zurück [...] Ein Bauer des Bezirks berichtete unseren Reportern, daß wiederholte Eingaben an die Polizei um Entfernung der Tinker ohne Erfolg geblieben waren. Sie waren dadurch gezwungen, ihr Recht auf eigene Faust durchzusetzen [...] Sie schlugen [Patrick Sherlock] auf die Hüften und Beine [...] Frau Sherlock, seine Mutter, sagte, daß die Bauern ihn ohne die Schreie der Frauen um Gnade umgebracht hätten" (» Connacht Tribune, 2. Januar 1960, S. 7)
Die Rechtfertigungen zeigen, daß das Leben eines Travellers nicht mehr gilt als das von Haustieren. » The Travellers: Ireland’s Ethnic Minority | | |
Neuerdings scheinen einige Travellers zu versuchen, aus ihrem Ghetto herauszukommen und sich zunächst einmal dem Bildungssysteme zu unterwerfen, so muß man es wohl nennen, obwohl es sachlich richtiger wäre zu sagen, daß sie es nutzen (» VIDEO: "Myth Busters" - Deconstructing Myths About The Travelling Community). Inwieweit es ihnen gelingen wird, ihre Kultur zu bewahren, wird man sehen müssen. Alles in allem scheinen die gesellschaftlich-politischen Probleme ein wenig in Fluß gekommen zu sein, und die wundersame Geschichte der Tinker-Pferde hat wohl in diesem Zusammenhang keinen Platz gefunden.
Oder werden diese Fragen einfach als nebensächliche berufsständische Probleme abgetan? Schließlich arbeiten die Travellers in verschiedenen Berufen, und jeder wird seine eigenen Probleme haben. Die besondere Schieflage ihrer Situation hatte sich ja zunächst durch die Gründung der Republik ergeben, dann aber durch die Veränderungen in der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg. Im Zeitalter der EU-Regulierungen ist es auch nicht mehr einfach, Lumpen- und Alteisen-Sammler zu sein.
Demgegenüber hat sich die Position des Pferdehändlers und Züchters in der letzten 20 Jahren erfreulich stabilisiert und verbessert. Inwieweit die Travellers langfristig in dieses Geschehen eingreifen können und wollen, bleibt abzuwarten. Die von ihnen etablierte Rasse wird sich auch ohne sie weiterentwickeln, so wie die Appaloosas ihre eigentliche Blüte ganz unabhängig von den Indianern erlebt haben, die sie ursprünglich herausgezüchtet hatten.
In der nächsten Woche möchte ich diese Reihe abschließen, indem ich mich noch einmal den Pferden zuwende und sie eingehend würdige. Den Artikel dieser Woche schließe ich mit ein paar Tips und Tricks von Travellers, übermittelt von Caroline Neuenschwander:
| Anlaesslich der geburt von daisy's fohlen habe ich schon das salzbestreuen des neugeborenen erwaehnt, welches die stute animiert, ihr fohlen trockenzulecken und auch den raubkatzengriff an ruecken, hals und widerrist, um das fohlen zum aufstehen zu bewegen.
Nun kam mir noch folgendes in sinn, wahrscheinlich weil grad die jahreszeit dafuer ist:
Je nach witterung und muecken aufkommen kann man manchmal beobachten, dass die tinker juckreiz in ihren fesselbehaengen spueren und mit den fuessen deshalb ( das ist der einzige grund ) auf die erde stampfen. Dagegen verwenden die traveller ( und nicht nur diese! ) schlicht altoel welches auf die behaenge gegeben wird. Ich kann mir vorstellen, dass diese art der behandlung bei einigen leuten sicher entsetzen hervorruft aber bei den travellers heiligt der zweck halt auch die mittel. Uebrigens weiss ich von einigen shire horse zuechtern in england, die genau gleich verfahren, nur haengt es keiner an die grosse glocke, man will ja nicht als unzivilisiert dastehen.
Es gibt in england fuer den gleichen zweck auch ein super oel zu kaufen ( allerdings auch mineralisch ): das miller oil. Es kostet ein kleines vermoegen - ich habe mir vor jahren eine grosse trommel schicken lassen, die fracht war dann nochmals gutes geld, aber was macht man nicht zum wohle der pferde. Ich vermische das oel noch mit sulphur pulver und die pferde haben fuer lange zeit ruhe.
Nun stellt sich mir in diesem zusammenhang grad die frage, ob das wohl auch bei ekzemern nuetzen wuerde...... | | |
Übersetzungen durch den Autor
Quellen / Verweise
Fotos
© Alan Lodge, Caroline Neuenschwander
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