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Bericht Zum Thema Tierschutz · Tip: Zucht mit Freizeitpferden XXIII
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Heidi Keppel
 
 
Zucht mit Freizeitpferden
Teil 23
Von   Heidi Keppel

Vorige Woche haben wir damit begonnen, uns die wichtigsten Fehlstellungen des Fohlens anzusehen, welche bei der Geburt auftreten und dabei zu mehr oder weniger schweren Komplikationen führen können, im aktuellen Tipp wollen wir dieses Thema abschließen, indem wir auch noch jene Fälle näher betrachten, bei denen einzelne Extremitäten des Fohlens Probleme bereiten, indem sie sich entweder irgendwo verbiegen und verklemmen oder von der gewünschten Geburtsrichtung abkommen und dadurch enormen Schaden anrichten können.

Vor allem Letzteres kann für die Stute sogar lebensgefährliche Ausmaße annehmen, weshalb hier vom Pferdebesitzer eine gute Beobachtungsgabe gefragt ist, um mit einem gezielten Eingriff rechtzeitig das Schlimmste verhindern zu können. Trotz ursprünglich richtiger Geburtslage des Fohlens kann es nämlich bisweilen vorkommen, dass zu Beginn der Austreibungsphase ein oder beide Vorderbeine vom natürlichen Geburtsweg abkommen und sich stattdessen nach oben in Richtung Scheidendach strecken.

Wird dieser Zustand nicht rechtzeitig korrigiert, bohren sich die Hufe durch den Druck der Presswehen unweigerlich durch das Scheidendach und den Mastdarm hindurch und fügen damit der Stute verständlicherweise lebensgefährliche Verletzungen zu. Erkennbar wird diese Komplikation für den aufmerksamen Beobachter daran, dass nach 2-3 Presswehen immer noch keine Fruchtblase am Scheideneingang sichtbar wird, sich stattdessen aber der Mastdarm unnatürlich wulstförmig vorwölbt.

Verständlicherweise spürt auch die Stute, dass da etwas falsch läuft, und wird dadurch schlagartig weitaus unruhiger als bei normalen Presswehen zu erwarten ist. Wird ihr nicht rechtzeitig geholfen, dann steigert sich ihr nervöses Verhalten zu einer regelrechten Panik und sie beginnt, sich im Stall herumzuwerfen. Dann haben sich die Hufe mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bereits durch die Scheide und den Darm gebohrt.

Um dies zu verhindern, muss also schnellstens gehandelt werden. Man führt dazu vorsichtig eine Hand in Geburtshelferhaltung (alle Fingerspitzen zusammen, um die Hand möglichst schmal zu machen) in die Scheide ein und tastet sich nach oben weiter, bis man den oder die abgelenkten Beine findet. Nun schiebt man die Hand schützend zwischen die Hufe und das Scheidendach und drückt dann die Beine langsam nach unten in die natürliche Geburtshaltung. Im Allgemeinen reicht diese Hilfestellung vollkommen aus, damit die Geburt wieder ihren normalen Verlauf nehmen kann. Unter Umständen kann die Stute nun aber auch mit leichten Zughilfen während ihrer Presswehen ein wenig unterstützt werden.

Ähnlich, nur nicht ganz so gefährlich, ist es, wenn ein Vorderbein des Fohlens geknickt, also nach unten umgebogen ist. Da der Umfang des Fohlens dadurch vergrößert wird, kann auch diese Fehlstellung verständlicherweise ein gewaltiges Geburtshindernis darstellen. Das Fohlen bleibt dann im knöchernen Geburtskanal stecken, sofern es sich nicht generell um ein sehr kleines Tier handelt.

Auch hier sollte die Lage mit einem gezielten Eingriff rasch korrigiert werden. Ist kein Tierarzt zur Stelle, kann auch diese Berichtigung mit sehr viel Vorsicht vom Pferdebesitzer selbst vorgenommen werden. Man geht dabei im Prinzip genau wie beim oben genannten Fall vor, nur dass man nun am Bein nach unten entlang gleiten muss, bis man den Huf ertastet. Dieser wird dann ebenfalls mit der Hand schützend abgedeckt, während man versucht, das Bein nach vorne zu strecken.

Selbstverständlich ist diese Korrektur nicht innerhalb des knöchernen Beckens der Stute möglich, weshalb das Fohlen dabei etwas weiter zurück in die Gebärmutter geschoben werden sollte. In manchen Fällen ist das Fohlen aber auch schon so weit ausgetreten, dass nur noch eine leichte Zugunterstützung am abgewinkelten Karpalgelenk nötig ist, um den Austritt des Fohlens zu ermöglichen.

Sollte es Ihnen als Laie allerdings doch nicht gelingen, der Stute auf diese Weise zu helfen, dann treiben Sie diese lieber auf und unterbrechen damit die Geburt, bis der möglichst schon vorher verständigte Tierarzt erscheint. Damit hätten wir die häufigsten Geburtskomplikationen besprochen, das nächste Mal sehen wir uns dann die Schwierigkeiten, die während der Nachgeburtsphase auftreten können, genauer an.




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