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Bericht Zum Thema Tierschutz · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 376.06 der Pferdezeitung vom 11.06.06
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Siumulation: Herdenwesen in der Pferdeshow · Copyright wie angegeben
Siumulation: Herdenwesen in der Pferdeshow

Den Hauptartikel der letzten Woche ließ ich mit einem Aufsatz von Carlo Faillace ausklingen, dessen Internetpräsenz » Proequo den Untertitel "Organization for the Protection of Horses" hat. Gibt es so etwas nicht auch in Deutschland? "Gesellschaft zum Schutz des Pferdes"? Google muß passen. Dann heißt diese Gesellschaft anders. Ich lasse die Anführungszeichen weg und erhalte: » Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes eV. Aha.

Muß man Pferde schützen? Wovor? Inwiefern? Seit wann? Aber eigentlich möchte ich mich mit diesem Thema gar nicht befassen. Hatte ich nicht vor Jahren über den Tierschutz geschrieben und mich über diese Leute sehr aufgeregt? Speziell an den Philosophen » Helmut Kaplan erinnere ich mich, der auch für die » "Arche 2000" Welt-Tierhilfe eV tätig war ("So militant wie diese Leute ist Helmut F. Kaplan aber allemal, und er ist stolz darauf. Ein Teil seiner Schriften beschäftigt sich mit dem Thema Gewalt, und er ist eindeutig dafür" -  Tierschutz oder Tierrecht?, immer noch ganz lesenswert). Die Arche 2000 wiederum ist später wegen finanzieller und sonstiger Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geraten. Der Deutsche Tierschutzbund titelte im Februar 2006: » Deutscher Tierschutzbund erfreut über hartes Urteil gegen „Arche 2000 Welttierhilfe“.

Nun darf man die gute Sache nicht verurteilen, wenn böse Buben diese mißbrauchen. Aber kann man die Spreu vom Weizen trennen? Auf der Seite » Erste Hilfe für Vierbeiner des WDR aus dem Jahre 2004 lese ich:

Was die Tierretter antreibt, ist Leidenschaft. "Mit Tierschutz verdient sich niemand eine goldene Nase", sagt Bröckling. Bringe man aber den nötigen Idealismus mit, sei es ein Traumjob, weil man etwas Sinnvolles tue und Menschen und Tieren helfen könne.
a.a.O.

Stefan Bröckling war eins von 85.000 Mitgliedern des Vereins Arche 2000, dessen Geschäftsführung 9,5 Millionen EUR veruntreut hat. Pech aber auch. Zweifellos gibt es viele wohlmeinende Menschen, die sich für Tiere einsetzen und von bösen Menschen mißbraucht werden können. Vermutlich gibt es auch integre Organisationen, die wertvolle Arbeit leisten. Aber warum muß es solche Organisationen überhaupt geben? Seit wann gibt es sie, und wo?

Der Artikel » Tierschutz gibt eine Übersicht. Angeblich soll man aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel schon herauslesen können, daß die Menschen für die Tiere verantwortlich sind. Nicht überall auf der Welt gibt es eine Tierschutz, wie bei uns, aber auch nicht überall müssen die Tiere geschützt werden, weil die Menschen sich je nach Kulturkreis den Tieren verwandt und für sie verantwortlich fühlen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten in der nächsten Inkarnation als Pferd wiedergeboren werden, Sie würden Ihr Pferd ebenfalls mit anderen Augen sehen und anders behandeln - oder etwa nicht?

Was ist ein Pferd eigentlich für Sie? Ein Gegenstand, den man möglichst perfekt manipulieren sollte? Oder ein Wesen, das fühlt wie Sie und verstanden werden möchte? Unter dem Titel  Auch wir haben Gefühle habe ich in dieser Ausgabe ein Buch von Fred Rai besprochen, dessen Thema die Bedürfnisse der Pferde und die Kommunikationsmöglichkeiten über Gefühle sind. Wir Menschen fühlen, die Pferde fühlen ebenso. Das sehen viele freilich ganz anders.

Im mechanisch geprägten Weltbild von René Descartes wird der Mensch als rational begabtes Wesen hervorgehoben und das Tier verliert seine Nahestellung zum Menschen. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Technisierung der Viehzucht entstehen aber im 19. Jahrhundert Tierschutzbewegungen und –organisationen. Geprägt durch die Evolutionstheorie von Charles Darwin wird die deutliche Absetzung des Menschen nach Descartes wieder zurückgedrängt.
» Tierschutz

Aha, so hat sich das also in unserer Kultur entwickelt. Wenn ich Tiere als Sachen begreife, kann ich mit ihnen in einer Weise umgehen, die für jemanden, der sie als beseelte und verwandte Kreaturen empfindet, ungeheuerlich ist. Könnte diese Sichtweise die skandalöse Vorgänge im Zusammenhang mit Schlachtpferden und deren Transporten, die inzwischen gut dokumentiert sind, verständlich machen (» tiertransporte 2003)?




Kaplan


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Vielleicht. Vielleicht ist die Sache aber auch noch viel komplizierter. In der erwähnten Serie hatten wir erfahren, daß der Philosoph und Tierschützer Helmut Kaplan nicht nur Vegetarier ist, sondern nach einem Regen auch die Regenwürmer vom Bürgersteig sammelt, um sie in Sicherheit zu bringen. Mit Menschen ist er beileibe nicht so zimperlich:

Wenn ich erfahre, daß jemand, der soeben gestorben ist, ein Jäger war, so werde ich von einem tiefen Glücksgefühl übermächtigt. Wenn ich dann auch noch höre, daß der Betreffende vorher leiden mußte oder gar bei der Ausübung seines Mord-Hobbys zu Tode kam - wie der Atom-Verbrecher Franz Josef Strauß -, so ist mein Vergnügen umso größer.
» Wenn Jäger sterben

Henryk M. Broder hat die fatalen Wirkmechanismen im Zusammenhang mit dem Tierschutz sehr schön in der Einleitung seiner Kritik an Kaplan vorgeführt:

Wer sich in unserer menschlichem Leid gegenüber erstaunlich gleichgültigen Gesellschaft öffentlichkeitswirksam für Tiere einsetzt, kann sich automatisch im Recht fühlen und dazu noch sehr edel. Das lenkt manchmal von persönlichen Problemen ab, in einigen Fällen gar von der Unfähigkeit mit dem eigenen Leben fertig zu werden. Wobei das allein noch nicht unbedingt schlecht ist — so lange das, was in diesem Zusammenhang als Tierschutz bezeichnet wird, diese Funktion auch tatsächlich erfüllt, und sei es meinetwegen als bloßer Kollateralnutzen der Selbstinszenierung als Bessermensch.
» Kennen Sie Kaplan?

Kein Wunder, daß viele, insbesondere auch Pferdefreunde, den Tierschützern reserviert gegenüberstehen. Mein Beitrag  Tierschutz oder Tierrecht? endet mit der Bemerkung "Fortsetzung folgt, Lösungsvorschläge erbeten". Bis heute sind keine eingegangen. Ist also der Tierschutz generell eine Bewegung, die sich selbst diskreditiert? Oder muß man differenzieren? Kann man Leute wie Carlo Faillace ernstnehmen oder muß man sie genauso kritisch betrachten wie Helmut Kaplan?

Vor ein paar Tagen habe ich ein sehr interessantes Interview mit Helmut Maucher, 78, Ehrenpräsident der Nestlé AG, gelesen (» „Ich habe keine Sehnsucht nach einfachen Lösungen. Aber ich sehe viele Dinge einfacher.“). Darin ist auch von sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NROs, englisch NGO) die Rede, zu denen auch die Tierschutzverbände mit ihren vielen verschiedenen Spielarten gehören.

Ich hatte es noch mit maximal 10 000 von diesen Organisationen zu tun, von denen ich mich mit vielleicht 300 befassen musste. Inzwischen gibt es gut 30 000, die sich immer wieder etwas einfallen lassen. Aber es gibt ja verschiedene NROs – und manche sind auch nützlich.
a.a.O.

So so, er hält manche für nützlich. 300 kennt er genauer. Die meisten davon machten ihm und den Mitarbeitern seiner Firma das Leben schwer. So etwas nennt man doch wohl eine Subkultur, oder? Bekannt ist, daß manche dieser Organisationen über erhebliche Geldmittel verfügen und industriell gemanagt werden, ohne daß sie irgend einer Kontrolle unterliegen würden. So kann jeder im Trüben fischen, wenn es ihm beliebt. Wie sieht das im Bereich des Pferdeschutzes aus?

Auf der Seite von Carlo Faillace lese ich etwas vom "Brambell Report". Darauf beruft er sich. Was ist das denn? Nie gehört. Auf der amerikanischen Wikipedia werde ich unter dem Stichwort Tierschutz (» Animal welfare) fündig. Der moderne Tierschutz beginnt im Jahre 1822 in England. Das Parlamentsmitglied Richard Martin schlug ein Gesetz zum Schutz vor Grausamkeit gegen Rinder, Pferde und Schafe vor. Martin gehörte auch zu den Gründern des ersten Tierschutzvereins im Jahre 1824, der Society for the Prevention of Cruelty to Animals (SPCA), die schon durch ein Netz von Inspektoren Fälle von Mißbrauch an die Behörden meldete, und später von Queen Victoria akzeptiert und damit die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals wurde.

1837 wurde in Stuttgart von Pfarrer » Albert Knapp der erste deutsche Tierschutzverein gegründet. 1871 wurde der Tierschutz erstmals im deutschen Gesetz verankert; die letzte Fassung stammt von 1998. 1881 schlossen sich alle deutschen Vereine zum » Deutschen Tierschutzbund zusammen, der 1992 etwa 650 Mitgliedsvereine mit etwa 600.000 Mitgliedern hatte. Selbstverständlich gibt es auch Organisationsformen auf europäischer und internationaler Ebene. Das sind wohl die Guten.

» Rachel Carson veröffentlichte im Jahre 1962 mit "The Silent Spring" (Der stumme Frühling) eine apokalyptische Vorstellung, die durch die zunehmende Verwendung von Pestiziden (DDT) nicht von der Hand zu weisen war. Damit löste sie die amerikanische Umweltbewegung aus. Kurz zuvor war bekanntgeworden, daß Contergan zu schweren Mißbildungen bei Neugeborenen führen konnte. Zwei Jahre später veröffentlichte die Engländerin Ruth Harrison das Buch "Animal Machines" (Tiermaschinen), das die modernen industriellen Methoden der Tierhaltung anprangerte und die Öffentlichkeit aufrüttelte (» A Tribute to Ruth Harrison). Unter anderem deshalb beauftragte die englische Regierung im Jahr 1965 Prof. Roger Brambell mit einer Untersuchung: dem Brambell Report. Auf dieser Grundlage wurde dann im Jahr 1967 das Farm Animal Welfare Advisory Committee eingesetzt, das im Jahre 1979 in Farm Animal Welfare Council umbenannt wurde.



Brambell Report


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Die ersten Empfehlungen gingen dahin, die Tierhaltung so zu gestalten, daß ein Tier sich umdrehen, pflegen, aufstehen, sich hinlegen und die Beine ausstrecken kann. Daraus sind dann die Five Freedoms of animal welfare (fünf Tierschutzrechte) entwickelt worden:

  • Keinen Durst, Hunger oder Fehlernährung zu erleiden.
  • Kein Unbehagen aufgrund der Umwelt.
  • Keinen Schmerz, keine Verletzungen und Krankheiten.
  • Artgemäße Verhaltensäußerungen.
  • Keine Angst und kein Streß.
Wir haben in Ausgabe 174 gesehen, daß man sich sehr schnell in grundsätzlichen philosophischen Fragen verrennen kann. Tierschützern wie Faillace geht es nicht um grundsätzliche Fragen und radikale Lösungen, sondern um ganz praktische Probleme wie etwa dem Schlachtviehtransport, die ähnlich wie die Haltungsbedingungen bei der Fleischerzeugung relativ schnell und einfach gelöst werden könnten. Genauso wie er vor 40 Jahren seinen Pferden die Eisen abgenommen hat, könnten viele Mißstände von heute auf morgen abgestellt werden. Es ist nicht nötig, Tiere auf Transporten unnötig leiden zu lassen, etwa indem man ihnen kein Wasser gibt.

Die durch den Brambell-Report ausgelöste Bewegung führte im Jahr 1978 zur UDAR (» Universal Declaration of the Animal Rights, Allgemeine Erklärung der Tierrechte) im Haus der Unesco in Paris. Diese sollte das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren klären. Eine deutsche Übersetzung scheint es nicht zu geben, und ich möchte mir hier nicht die Mühe machen, diese lange Deklaration zu übersetzen - ein Beispiel muß genügen.

Artikel 3

b) Wenn es nötig ist, ein Tier zu töten, muß es plötzlich geschehen, schmerzfrei sein und darf nicht beunruhigen.
a.a.O.

Das ist angesichts der Situation in den Schlachthäusern offenbar bis heute ein frommer Wunsch geblieben. Dabei ist gar nicht einzusehen, warum es für dieses Problem nicht eine einfache und elegante technische Lösung geben sollte. Unter » The Meaning and the Spirit of the Universal Declaration of Animal Rights wird ausgeführt, daß dadurch eine Philosophie etabliert werden soll, die den Menschen wieder in eine harmonische Beziehung zum gesamten Universum setzen soll. Die Menschenrechte und die Tierrechte werden demnach als untrennbar miteinander verknüpft gesehen, der Kampf für die Menschenrechte nicht als Gegensatz zum Tierschutz, sondern als Unterstützung deklariert. Der Mensch wird in Abhängigkeit vom komplexen Ökosystemen gesehen, dessen Unversehrtheit sein eigenes Überleben garantiert. Oder anders gesagt: Der Zusammenbruch des Ökosystems an einzelnen Stellen zieht den Zusammenbruch insgesamt nach sich.

International Horse Show, Rome · Copyright wie angegeben
International Horse Show, Rome
An konkrete Maßnahmen findet sich auf der italienischen Seite nicht viel. Es wird die drohende Sanktion gegen Italien seitens der Europäischen Union wegen der unhaltbaren Zustände bei den Tiertransporten veröffentlicht (» Italy to face legal action for cruelty against animals?), auf die Polen-Kampagne hingewiesen. Als Beispiel einer konkreten Arbeit wird die Pflege und Rehabilitation eines mißhandelten Pferdes vorgestellt, das kaum laufen konnte und durch geduldige Arbeit wieder aufgebaut wurde; eine der ersten Maßnahmen waren die Entfernung der Hufeisen, die bereits in den Huf eingewachsen waren.

Die Haflinger-Stute Briciola wurde schließlich am letzten Tag der großen Pferdeshow 2002 in Rom als Wagenpferd vorgestellt und Prof. Faillace durch den Präsidenten des Italienischen Reiterverbandes geehrt (» A True Fable). Mehr erfährt man über seine Arbeit nicht, noch nicht einmal, ob er das einzige Mitglied der Organisation ist.

Wie sieht das bei der Deutschen Vereinigung zum Schutz des Pferdes (DVSP) eV aus?



DVSP


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Der Spruch "Wir kämpfen für Sie ... weil Sie es nicht können" umrahmt ein Fohlen. Ist das nun einfach schlechtes Deutsch oder wollen die mir helfen, weil ich mir nicht helfen kann? Nun gut, man muß als guter Tierschützer ja kein Deutsch können, so ein Slogan ist nebensächlich. Was ist das Programm?

Wir machen uns stark für

  • Gesetzesverbesserungen für Schlachtpferdetransporte mit dem Ziel, Lebendtransporte durch Tiefkühltransporte zu ersetzen
  • Hilfe und Rehabilitation für gefährdete, verwahrloste und mißhandelte Pferd
  • Ausbildung und Förderung aufgenommener Pferde
  • Patenschaften für rehabilitierte Pferde im Dauerverleih an geeignete Personen, bzw. Unterstützung von Pferden in Gnadenbrothöfen
  • Gnadenbrotplätze für eine - leider - begrenzte Anzahl von Pferden
  • Beratung und Betreuung durch den Aufbau eines Inspektorenteams
  • Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsorganisationen, deren Interesse am Wohlergehen des Pferdes dem der DVSP e.V. entspricht und deren Arbeit eng mit dem Pferd verknüpft ist
  • Schulungsprogramme in Pferdehaltung und Pferdepflege, um so derjenigen Tierquälerei vorzubeugen, die auf bloßer Unwissenheit beruht
  • Stipendien und Unterstützung für Projekte an Veterinärinstituten, die sich mit Forschung zum Wohle des Pferdes befassen
  • Kontaktaufnahme zu den verantwortlichen Regierungsstellen für den Pferdeschutz und allen freiwilligen Organisationen
  • Ada Cole, die Gründerin des Pferdeschutzes
  • Das "Blaue Pferd" als Gütesiegel und Auszeichnung für vorbildliche Institutionen und Produkte
  • den Horsemanship-Preis für vorbildlichen Umgang mit dem Pferd und Taten zum Wohlergehen des Pferdes
  • wissenschaftliche Erarbeitung des Pferdeschänder-Phänomens
» Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes eV, über uns

"Beratung und Betreuung durch den Aufbau eines Inspektorenteams" - Der Verein möchte also eine Art TÜV für Pferde werden, wenn ich das richtig verstehe. Und wer war Ada Cole?

Hintergrundinformationen zur Deutschen Vereinigung zum Schutz des Pferdes e. V.

Die Geschichte des Pferdeschutzes beginnt im Jahre 1927 mit der Person Ada Cole’s.
Sie stammte aus einer Familie wohlhabender Landwirte in Norfolk, Großbritannien. 1911, bei einem Besuch ihrer Schwester in Antwerpen, war sie entsetzt über den Anblick von Pferden in erbärmlichem Zustand (viele alt, verletzt oder erschöpft), die man von England nach Antwerpen verschiffte und die nun aufgereiht darauf warteten, geschlachtet oder zu Niedrigstpreisen zu erneuter Zwangsarbeit verkauft zu werden.

Unter diesem Eindruck gründete Ada Cole die Internationale Liga zum Schutz des Pferdes (ILPH).
Unermüdlich kämpfte sie für neue Gesetze, die den Transport und die Behandlung von Schlachtpferden absichern und verbessern sollten.
Als einen ihrer ersten Erfolge konnte die Liga im Jahre 1937 das Inkrafttreten eines Gesetzes verbuchen, das den Export von alten und ausgedienten Pferden zu Schlachtzwecken aus Großbritannien verbot. [...]

Auch heute noch bleibt das Schlachtpferdeproblem eines der Hauptgebiete, auf dem die Internationale Liga auf politischer und diplomatischer Ebene wirkt.
In Großbritannien bewirtschaftet die ILPH heute fünf Höfe, die der Erholung und der Rehabilitation ausgedienter und geschwächter Pferde dienen.
Sie unterhält auch ein Programm, das Pflegeplätze für Pferde sucht und vermittelt.
Auf diese Weise konnten in Großbritannien 900 Pferde ein neues Zuhause finden. 25 Außendienstmitarbeiter, die über ganz Großbritannien verteilt sind, untersuchen Fälle von Pferdemißhandlungen. Sie suchen unangemeldet Pflegestellen auf und überprüfen die ordnungsgemäße Pflege der im Dauerverleih vergebenen Pferde der ILPH.
Neben diesen Aktivitäten unterstützt die ILPH Stipendien und Projekte an Veterinärinstituten zur weiteren Pferdeforschung und arbeitet mit verwandten Organisationen auf dem Gebiet des Tierschutzes zusammen. All dies geschieht auf internationaler Ebene. Heute ist die ILPH der offizielle Wohlfahrtsvertreter der "Fédération Equestre International" (FEI).

Die ILPH wirkt auf allen Gebieten, wo Pferde eingesetzt werden, sei es in Sport, Zucht, Transport, Tourismus oder Freizeit, Landwirtschaft und Industrie.
Sie wirbt für den Gebrauch des Pferdes statt seines Mißbrauchs.

Entdeckt die ILPH irgendwo im Einsatz eines Pferdes ein Problem, so wird sie eine Problemlösung oder Verbesserung anstreben, statt anzuklagen oder zu verdammen.
Es gibt 122 Millionen Equiden (Pferde, Ponys, Esel, Maulesel) auf der Welt, über 100 Millionen davon leben als Arbeitstiere in den Entwicklungsländern und dienen zum Transport in der Landwirtschaft und in der Industrie. Dies bedeutet ein riesiges Einsatzgebiet.
In vielen dieser Länder leben Mensch und Tier unter primitivsten Verhältnissen in Not und Elend, wobei das Leiden der Tiere meist eher aus Unwissenheit als durch absichtliche Quälerei entsteht.
Die ILPH geht dieses Problem auf praktische Weise an, indem ein weltweites Schulungsprogramm entwickelt wurde, das den Pferden in all seinen Aspekten Hilfestellung leisten soll (Gesundheit, Pflege und Umgang, ein-schließlich Forschung und Ausbildung).
Das Programm stellt für alle Gebiete, für die ein Schulungsbedarf besteht, Expertenwissen zur Verfügung: Tiermedizin, Hufschmiede, Sattler, Futterkunde und Landwirtschaft.

Ziel und Aufgabe der Internationalen Liga ist es, den Menschen mehr Wissen über die Pferdehaltung zu vermitteln und Leute auszubilden, die in der Ausübung solcher Fertigkeiten wie Sattel- und Zaumzeugherstellung fortfahren und ihr Handwerk später anderen beibringen können.
Diese Trainingsprogramme haben u.a. in Marokko, Jordanien, Mexiko und Jamaika die Pferdehaltung bereits wesentlich verbessert.

Ziel der ILPH ist es, auf europäischer Ebene ein Netz von befreundeten Organisationen aufzubauen, wie z.B. die Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes.
Alle Mitglieder der DVSP e. V. erhalten den "Newsletter", das offizielle Vereinsblatt für Deutschland. Auf Wunsch wird ihnen auch der englische "Newsletter" zur Verfügung gestellt.
1994 konnte das europäische Interesse in Sachen Pferdeschutz unter Beweis gestellt werden. Federführend unter der ILPH wurde eine Petition (Unterschriftenaktion) in Gang gesetzt, die in kürzester Zeit 3,2 Millionen Unterschrif-ten gegen Schlachtpferdetransporte zusammenbrachte.
Diese Petition war die Größte, die je dem Europäischen Parlament vorgelegt wurde. Kurz nach der Überreichung der Unterschriften in Straßbourg verabschiedete das Europäische Parlament das erste Gesetz, das Schlachttiertransporte regelt.

Die ILPH sowie die ihr anverwandten Organisationen, betrachten dies als Zwischenlösung.
Ziel ihrer Arbeit wird es aber bleiben, Lebendtransporte durch Tiefkühltransporte zu ersetzen.
Heute ist die ILPH, mit fast 90.000 Mitgliedern weltweit, die größte Pferdeschutzorganisation der Welt.
National hat sich die Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes e. V. zur Aufgabe gemacht, mißhandelte und vernachlässigte Pferde aufzunehmen und in Rehabilitationszentren zu verteilen.
Nach ihrer Gesundung sollen diese Pferde ein Schulungsprogramm durchlaufen, das ihre angeborenen Fähigkeiten weiterentwickelt. Erst danach wird für diese Pferde eine neue Bleibe gesucht. Die von der DVSP e. V. aufgenommenen Pferde bleiben Eigentum der DVSP e. V. und werden im Dauerverleih an geeignete Personen vergeben. Ein Netzwerk von Inspektoren soll über das Wohlergehen der verliehenen Pferde wachen. Außerdem werden für Pferde, die zur Weitergabe nicht geeignet sind, Paten gesucht, die ein Verweilen auf Gnadenbrothöfen ermöglichen. Weitere Aufgabe der Inspektoren wird es sein, sowohl bei Problemen im Umgang, als auch in der Haltung, den Verursachern beratend zur Seite zu stehen, da die Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes e. V. davon ausgeht, daß die meisten Tierschutzprobleme aus Unkenntnis entstehen. Ist eine Problembeseitigung auf dieser Ebene nicht möglich, wird die DVSP e. V. auftauchende Probleme mit der örtlichen Polizei bzw. den Veterinärämtern zu regeln versuchen. Es ist geplant, Schulungsprogramme zu fördern, die eine artgerechte Pferdehaltung vermitteln und Reitweisen unterstützen, die Mensch und Pferd in Harmonie bringen.

Zur Förderung und Unterstützung bemüht sich die DVSP e.V. einen Ehrenbeirat aufzustellen, der mit seinem Spezialwissen der DVSP e.V. beratend zur Seite steht.
Die Projekte der DVSP e. V. werden sowohl durch Mitgliedsbeiträge, Verlosungen auf Messen als auch durch Sponsoren finanziert.
Die DVSP e. V. sieht sich konform mit dem Gedankengut und den Zielen Ada Cole’s, die, wie bereits anfangs erwähnt, die Internationale Liga zum Schutz des Pferdes (ILPH) im Jahre 1927 gründete. Das Leben und Wirken Ada Cole’s soll einem breiten Publikum durch deren Biographie nahegebracht werden.

Die Internationale Liga zum Schutz des Pferdes (ILPH) feiert 2002 ihr 75jähriges Jubiläum.
a.a.O., Hintergrundinformation

Hm. Ist die Seite des Italieners in die italienische Ausgabe der englische Organisation? Das kann ich nicht erkennen. Er nimmt lediglich Bezug auf die Deklaration der die Rechte, nicht auf die Cole-Organisation. Die italienische Ausgabe ist allerdings wesentlich umfangreicher als die englische Übersetzung und enthält, das kann ich erkennen, Aussagen italienischer Veterinärmediziner. Womit ich bei meinem nächsten Thema bin: Der » Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT).



TVT


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TVT - der Tierschutzverein der Tierärzte mit der Aufgabe, kompetenten, wirksamen und zielgerichteten Tierschutz zu praktizieren.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) stellt sich die Aufgabe, tierärztliches Handeln als Anwaltschaft für Leben und Wohlbefinden der uns anvertrauten Tiere gemäß § 1 TSchG verständlich zu machen und die Tierärztliche Ethik soweit wie nur denkbar aus der Abhängigkeit menschlicher Nutzungsinteressen zu lösen. Hierfür wird es notwendig sein, das berufsethische Selbstverständnis der Tierärzte im Dialog mit der philosophischen und theologischen Ethik zu überprüfen. Gerechtigkeit für Mensch und Tier ist mit der Vorstellung einer grundsätzliczhen Minderwertigkeit von Leben und Wohlbefinden der Tiere unvereinbar. Ethisch verantworliches Umgehen mit dem Tier soll stärker als bisher in der Aus- und Weiterbildung der Tierärzte verankert werden.

Kompetent

Tierärzte haben das nötige Fachwissen und die praktische Erfahrung. Sie können die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die tägliche Tierschutzpraxis umsetzen. Dies nimmt sie in die Verantwortung. Werden sie dieser nicht oder nur halbherzig gerecht, trifft sie doppelte Schuld und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit nimmt Schaden.

Wirksam

Tierliebe ohne Fachwissen bewirkt wenig. Aber auch Fachwissen bleibt wirkungslos ohne Engagement. Die Tierärzte in der TVT setzen ihr Fachwissen engagiert ein: Sie praktizieren Tierschutz täglich in ihrem Beruf, arbeiten in Tierschutzkommissionen und Tierschutzbeiräten, informieren und beraten Kollegen, Veterinärbehörden und Tierschutzorganisationen, nehmen Einfluß auf die Gesetzgebung und leisten Öffentlichkeitsarbeit zur Versachlichung der Diskussion.

Zielgerichtet

Die TVT sieht die heute drängenden Pobleme z. B. in der Zucht (Defekt- und Extremzüchtungen) und Haltung (besonders Artgerechtheit) von Heim- und Nutztieren, bei Schlachttiertransporten und Schlachtung, bei Tierversuchen. Derzeit elf Arbeitskreise konzentrieren sich auf jeweils ein Problemgebiet und erarbeiten Analysen und Gutachten. Die TVT nimmt gesellschaftlichen und politischen Einfluß. Sie hält Kontakt mit den Medien, informiert und berät Tierhalter und Behörden.

CODEX VETERINARIUS
Vorwort


Die tierärztliche Berufsordnung bezeichnet den Tierarzt als den berufenen Schützer der Tiere. Dementsprechend hat die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz einen Forderungskatalog erarbeitet, an dem sich Tierärztinnen und Tierärzte in ihrem Handeln zum Wohl und Schutz der Tiere orientieren können. Der vorliegende Codex veterinarius ist nicht die Beschreibung des Status praesens. Er soll vielmehr eine in die Zukunft weisende Leitlinie sein, die als Selbstverpflichtung zu verstehen ist. Tierärztinnen und Tierärzte müssen diejenigen sein, die durch ihr Fachwissen den Tierschutz verbessern und ihn voranbringen. Sie sollen sich "Im Zweifel für das Tier" entscheiden, womit aber keine Höherrangigkeit für Tiere gemeint ist. Sie dürfen nicht im Auftrag rein wirtschaftlicher Interessen die Nutzung der Tiere intensivieren helfen, ohne dabei die ethische Verantwortung für das Tier als leidensfähiges Lebewesen zu übernehmen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ruft alle Tierärztinnen und Tierärzte dazu auf, sich die hier niedergelegten Grundsätze und Forderungen zu eigen zu machen!

Grundsätze
Tierärztinnen und Tierärzte haben eine besondere ethische Verantwortung für das Tier als leidensfähiges Lebewesen. Tierärztliches Handeln zum Wohl und Schutz der Tiere wird geleitet von dem Grundsatz der Ehrfurcht vor dem Leben und dem Bewußtsein, daß das Tier eine Würde besitzt, die es zu achten gilt. Deshalb dürfen Schutz und Fürsorge für ein Tier nicht von seinem Nutzwert abhängig gemacht werden. Im Spannungsfeld von moralischen Verpflichtungen und ökonomischen Zwängen kommt es darauf an, die Achtung vor Leben und die Nutzung von Leben in all seinen Äußerungsformen gegeneinander abzuwägen. Das ethische Konzept einer Gerechtigkeit für Mensch und Tier verlangt, daß Gleiches gemäß seiner Gleichheit gleich, Ungleiches gemäß seiner Ungleichheit verschieden zu bewerten und zu behandeln ist (Gleichheitsgrundsatz). Bei der Abwägung von gegensätzlichen Interessen und Bedürfnissen darf das Interesse des Menschen nicht grundsätzlich höher bewertet werden als das des Tieres. Vor jedem Eingriff in die physische oder psychische Unversehrtheit des Tieres muß sich der Tierarzt die Frage stellen, inwieweit der Eingriff moralisch zu rechtfertigen ist. In allen Zweifelsfällen sollen sich Tierärztinnen und Tierärzte in ihrem Handeln von dem Grundsatz leiten lassen:

In dubio pro animale!
Im Zweifel für das Tier!
» Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.

Der TVT kümmert sich natürlich nicht nur um Pferde, hat aber einen Arbeitskreis, der für Pferde zuständig ist. Dieser Arbeitskreis hat bereits mehrere Stellungnahmen aus tierärztlicher Sicht abgegeben, so z. B. zum Thema » verbesserte Rahmenbedingungen in der Pferdehaltung, » Gutachten über Rodeoveranstaltungen,  » Neurektomie und Tierschutz und  » Clippen von Pferden. Die Richtlinien zur Pferdehaltung, die vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) 1995 veröffentlicht worden sind, werden angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse vom TVT für revisionsbedürftig gehalten. Das Ministerium will allerdings davon nichts wissen.

Mit anderen Worten: Was gestern noch als akzeptabel galt, muß heute vielleicht schon als tierschutzwidrig eingestuft werden.

Hinzugefügt wurde ein neues Kapitel zur Haltung von Pferden in Boxen mit Paddock, in Offenlaufställen sowie auf Weiden und Winterkoppeln, da diese Haltungsform stark im Zunehmen begriffen ist.
a.a.O.

Die Haltung in Ständern gilt als nicht mehr angemessen. Warum gilt die Haltung in Boxen als artgemäß? Selbst Boxen mit Paddock können die Bedürfnisse eines Herdentieres meiner Meinung nach nicht erfüllen. Ich muß dabei immer an Menschen denken, die man in Gefängnisse wegschließt. Freiheitsberaubung ist eine schwere Strafe, Einzelhaft wird sogar als schwerste Form der Folter angesehen (siehe » Isolationshaft). Interessant finde ich, daß man bei Menschen die Auswirkungen der Haft und der Einzelhaft genauestens untersucht und erforscht, während man bei Pferden dieses für den Normalzustand hält. Extreme Isolationshaft hat bei Menschen eine Vielzahl von sehr ernsthaften Auswirkungen und kann sogar zum Tode führen.Interessant wäre es deshalb, Pferde aus einer Offenstallhaltung in Boxenhaltung zu verbringen und dann zu beobachten, welche Auswirkungen das für die Pferde hat, da die Geborgenheit und Struktur der Herde für Pferde extrem wichtig ist.



Wechselwirkung


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Aber daran kann ja keiner interessiert sein. Pferde sind nach wie vor Mittel zum Zweck. Wenn von 120 Millionen Pferden auf dieser Erde 100 Millionen für den Lebensunterhalt ihrer Besitzer arbeiten müssen, sind damit die Pferde der Dritten Welt gemeint, nicht etwa die der Schockemöhles und sonstigen Pferdefreunde, die mit Pferden in unserem Lande Geld verdienen. Aber im Grunde sind die Verhältnisse doch dieselben.

"Pferde sind die letzten Sklaven" sagte jemand, der es wissen müßte. Da wir Menschen dazu verdammt sind, für unseren Lebensunterhalt zu arbeiten, dürfen wir von unseren Pferden durchaus verlangen, daß sie für ihren eigenen Lebensunterhalt arbeiten. Sofern sie dabei ihre Würde bewahren können, wäre dagegen nichts einzuwenden. Es wäre also zu klären, was Pferde wirklich brauchen, damit sie sich als Pferde wohlfühlen. Umgekehrt würden wir natürlich auch gerne wissen, was Menschen brauchen, damit sie sich als Menschen wohlfühlen. Die Menschen können wir fragen, und die Pferde im Prinzip auch, denn sie sagen uns ohnehin ständig, wie es ihnen geht. Wir müßten nur zuhören und ihre Sprache verstehen.

So haben wir also einige Organisationen entdeckt, deren Arbeit durchaus seriös zu sein scheint. Aber im Grunde muß jeder doch vor seiner eigenen Haustür kehren, und dazu bedarf es keiner Organisationen. Tierschutz, speziell Pferdeschutz, verstehe ich dahingehend, daß jeder Reiter und jeder Pferdebesitzer genau wissen sollte, was sein Pferd braucht, wer sein Pferd ist, und wie es ihm geht. So gesehen müßten wir uns den Pferden gegenüber wie ein Patriarch verhalten, der sich für die von ihm abhängigen Familienmitglieder verantwortlich fühlt. Oder wie ein Firmenchef, der sich für die von ihm abhängigen Mitarbeiter verantwortlich fühlt. Wo gibt es das?

Zum 1. Juni hat die Firma Bertelsmann mehrere Milliarden Kredit aufgenommen, um nicht an die Börse gehen zu müssen. Denn dann wäre es aus mit der bisherigen Firmenkultur, nach der sich die Firma um die Mitarbeiter zu kümmern hat. Das wollten die Gründer und Hauptstimmberechtigten auf jeden Fall vermeiden. Hat die Öffentlichkeit das wahrgenommen und gewürdigt?

Wenn wir wollen, daß die Menschen mit den Pferden anders umgehen, verantwortlich nämlich, müssen wir dann nicht auch wollen, daß die Menschen mit den Menschen anders umgehen? Vielleicht, nein, ganz sicher beeinflußt sich beides. Wie ein Pferd hat, kann an dieser Stelle üben, wer eine Firma oder Familie hat, kann es dort tun, und wer beides hat, kann beide Prozesse aufeinander wirken lassen. Ich bin mir sicher: Wenn sich für die Pferde etwas ändert, dann ändert sich auch etwas für die Menschen. Es kann gar nicht anders sein. Tierschutz, Pferdeschutz, muß also unser aller Anliegen sein. Er beschränkt sich nicht auf grauenhafte Auswüchse und kann nicht auf Institutionen abgewälzt werden.



Quellen / Verweise


  1. » Proequo Organization for the Protection of Horses
  2. » Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes eV
  3. » Helmut Kaplan
  4. » "Arche 2000" Welt-Tierhilfe eV
  5.  Tierschutz oder Tierrecht?
  6. » Deutscher Tierschutzbund erfreut über hartes Urteil gegen "Arche 2000 Welttierhilfe"
  7. » Erste Hilfe für Vierbeiner
  8. » Tierschutz
  9.  Auch wir haben Gefühle
  10. » tiertransporte 2003
  11. » Wenn Jäger sterben
  12. » Kennen Sie Kaplan?
  13. » "Ich habe keine Sehnsucht nach einfachen Lösungen. Aber ich sehe viele Dinge einfacher."
  14. » Animal welfare
  15. » Albert Knapp
  16. » Deutscher Tierschutzbund
  17. » Rachel Carson
  18. » A Tribute to Ruth Harrison
  19. » Universal Declaration of the Animal Rights
  20. » The Meaning and the Spirit of the Universal Declaration of Animal Rights
  21. » Italy to face legal action for cruelty against animals?
  22. » A True Fable
  23. » Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.
  24. » verbesserte Rahmenbedingungen in der Pferdehaltung
  25. » Gutachten über Rodeoveranstaltungen
  26.  » Neurektomie und Tierschutz
  27.  » Clippen von Pferden
  28. » Isolationshaft
  29.  Willkommen in Absurdistan, Über Zeitenwechsel und Wissenschaft
      Ausgabe 362 · Teil 1
  30.  Prof. Cooks Empfehlung, Ein unerschrockener Fachmann spricht Klartext
      Ausgabe 363 · Teil 2
  31.  Der offene Brief, Prof. Cook legt nach
      Ausgabe 364 · Teil 3
  32.  Für das neue Jahrtausend, Die rätselhafte Konferenz an der Tufts University
      Ausgabe 365 · Teil 4
  33.  Ein Meisterschmied spricht, Über Franchise, Behauptungen und Irrtümer
      Ausgabe 366 · Teil 5
  34.  Das Ergebnis der Konferenz, Amerikanische Experten geben ihr Urteil ab
      Ausgabe 367 · Teil 6
  35.  Wer heilt, hat recht, Über die Schwierigkeit, Wahrheiten zu finden
      Ausgabe 369 · Teil 7
  36.  Fachleute und Besserwisser, Erfahrungen mit einem Problempferd
      Ausgabe 370 · Teil 8
  37.  Avantgarde, Barhuf im Spitzensport auf dem Vormarsch
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Übersetzungen aus dem Englischen durch den Autor

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Editorial: Dienstleistung


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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
11.06.2006

Dienstleistung

Was mache ich hier eigentlich? Nun, ich könnte jetzt alle möglichen Probleme aufzählen, die ich bewältigen muß, oder die Berufsbezeichnungen aufzählen, die ich für mich in Anspruch nehmen könnte, aber wie könnte man alles das mit einem Wort beschreiben? Genau. Ich erbringe Dienstleistungen.

Das Wort drückt schon aus, daß es sich um ein Vertragsverhältnis zwischen zwei Parteien handelt, nämlich demjenigen, der die Leistungen erbringt, und demjenigen, der die Dienste in Anspruch nimmt. Ein Vertragsverhältnis ist ein Rechtsverhältnis, und unser Recht geht im wesentlichen auf das römische Recht zurück, was aber natürlich nicht das erste im Laufe der Menschheitsgeschichte war.

Die Rechtsverhältnisse, um die es hier geht, werden im BGB beschrieben. Demnach sind Verträge auch dann Verträge, wenn sie nur mündlich geschlossen sind. Sie bedürfen nicht einmal der Zeugen. Zeugen und Schriftlichkeit erleichtern die Auseinandersetzung im Streitfall, die vor Gericht ausgetragen wird.



Verträge

Vertragsverhältnisse sind nicht ungewöhnlich, im Gegenteil: Wir sind umgeben von Vertragsverhältnissen, auch wenn wir uns das nicht immer bewußt machen. Wann immer wir etwas kaufen, wird zum Beispiel stillschweigend ein Kaufvertrag geschlossen, auch wenn wir an der Kasse des Supermarktes nichts unterschreiben und auf den Kassenzettel verzichten. Der Hersteller der Ware, die wir erworben haben, verspricht eine gewisse Leistung, die wir als Verbraucher einklagen könnten, sollte er uns irregeführt haben.

Damit Hersteller oder Dienstleister nicht unberechtigt verklagt werden können, legen diese oft ihre Vertragsbedingungen dem Produkt bei. Bei Software-Produkten sind wir es gewohnt, daß wir die Nutzungsbedingungen akzeptieren müssen. Wir können also vom Hersteller später nichts verlangen, was dieser nicht ausdrücklich zugesichert hat. Im Falle von Open Source-Produkten, die normalerweise kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, wird ausdrücklich nichts zugesichert, gar nichts, weshalb man von den Herstellern auch gar nichts verlangen kann. Das bedeutet nicht, daß die Produkte nicht leisten würden; das bedeutet lediglich, daß man die Hersteller in keiner Weise finanziell oder sonstwie zusätzlich in Anspruch nehmen kann. Das ist verständlich, schließlich haben die ihr Produkt verschenkt.



Nutzungsbedingungen

Die Pferdezeitung hat lange Jahre ihre Dienstleistungen ebenfalls verschenkt und Nutzungsbedingungen formuliert, in denen klar geregelt ist, was unter welchen Bedingungen geleistet wird und was nicht, was die Pflichten und die Rechte der beiden Vertragspartner im einzelnen sind. Auf diese  Konditionen wird überall verwiesen, insbesondere dann, wenn man die Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, aber auch in den Systemnachrichten, die die Handlungen der Nutznießer jeweils per E-Mail dokumentieren.

E-Mail ist natürlich heutzutage ein schwieriges Thema. Bekanntlich gibt es in dieser Welt nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen, und deshalb durfte es eigentlich nicht überraschen, daß auch eine so gute Einrichtung wie E-Mail in kürzester Zeit mißbraucht wurde. Das bedeutet jedoch nicht, daß jede E-Mail einen Mißbrauch darstellt und deshalb mißachtet werden darf.



Mißbrauch

Die Situation ist nicht viel anders als bei anderen technischen Medien, etwa dem Fax oder der guten alten Schneckenpost. Auch das Fax wurde sehr schnell mißbraucht. Der Fax-Mißbrauch ist durch gesetzliche Regelungen ziemlich schnell auf ein Mindestmaß reduziert worden. Der Briefverkehr wird ebenfalls mißbraucht, aber gleichfalls in Maßen, weil die Urheber sehr leicht zu identifizieren sind und außerdem der Post-Mißbrauch sehr teuer ist. Grundsätzlich aber handelt es sich nur um einen Unterschied in der Dimension. Niemand würde auf die Idee kommen, sämtliche Faxe und alle Briefpost sofort ungelesen in den Papierkorb zu werfen. Sehr schnell würde man sich nämlich selbst in Schwierigkeiten bringen, wenn etwa Mahnungen oder gar gerichtliche Vorladungen unbeachtet blieben. Über kurz oder lang befände man sich im Gefängnis oder in der Psychiatrie. Aus mit der Freiheit!

So wie es einige Zeit gedauert hat, bis die Teilnehmer am E-Mailverkehr gelernt hatten, angemessen mit zweifelhaften E-Mails umzugehen (Stichwort Viren, Hoax), wird es auch einige Zeit dauern, bis jeder zuverlässig die relevanten von den irrelevanten E-Mails scheiden kann. Das wäre der erste Schritt. Der zweite wäre, die relevanten E-Mails auch zu lesen.

Das ist ein Problem. Wer will heute noch lesen? Bedienungsanleitungen werden immer länger, die Geduld immer kürzer.



Rechte und Pflichten

Daher begreife ich meine Arbeit auch als Erziehung zur Geschäftsfähigkeit. Wenn mich jemand anpflaumt, ich solle doch gefällig seine Daten beseitigen und ihn nicht länger belästigen, informiere ich über unser Vertragsverhältnis und die gegenseitigen Rechte und Pflichten. Er hat keine Recht darauf, daß ich seine Daten beseitige; das ist vielmehr seine Pflicht.

Außerdem kann von Belästigung keine Rede sein, denn ich informiere ihn. Wenn er nur diese Informationen zur Kenntnis nehmen würde, bräuchte er sich nicht aufzuregen. So einfach wäre das. Aber dazu müßte er ja lesen. Lieber schreibt er einen wütenden Protestbrief. Ist wohl einfacher.

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 




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Rezension: Auch wir haben Gefühle


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Rai, Fred

Auch wir haben Gefühle
Das emotionale Verhalten der Pferde

144 Seiten mit zahlreichen Farbfotos.
Dasing, 1988, 2. Auflage 2002 · Nessos Verlag
ISBN 9783000025075


vergriffen, » antiquarisch suchen


Der Verlag sagt über das Buch:

Tiere können nicht falsch sein.



Rückentext

Nicht für die Entdeckung des äußeren Zeichens von Freude bei Pferden, sondern auch die neue Erkenntnis, daß das Gefühl die wichtigste Schaltstation einer Handlung ist und allein über das Wohl- oder Unwohlempfinden jedes Lebewesens entscheidet, sind die Ergebnisse gründlicher Studien von Pferdepsychologe Fred Rai.

"Tiere können nicht falsch sein. Aber nur bei Kenntnis aller Verhaltensweisen und Triebe, auch des ausgeprägten Gefühlslebens, sind Reaktionen voraussehbar. Es ist höchste Zeit, daß das Gefühlslebens dieser Tiere endlich erkannt und in deren Verhaltensmuster aufgenommen wird. Die Kenntnis des Gefühlslebens der Pferde ist für jeden Reiter und Pferdefreund wichtig, um sein Tier besser verstehen und führen zu können. So wird dieses Buch für alle Pferdefreunde eine unentbehrliche Hilfe beim Umgang mit dem Kameraden Pferd sein, zumal es speziell über das Gefühlslebens der Pferde bisher fast nichts nachzulesen gibt."

Fred Rai






» www.rai-reiten.de



 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Die Bücher von » Fred Rai müßten Bestseller sein. Ich fürchte, sie sind es nicht. Woran liegt das? Lassen Sie mich ein wenig spekulieren. Es liegt bestimmt auch am Verlag. Klaus Ferdinand Hempfling, der berühmte Bestseller-Autor, hat überwiegend bei Kosmos publiziert, und Kosmos ist ein großer Verlag, führend im Bereich der Pferdebücher. Allerdings war eines der Bücher Hempflings offenbar so stark in die Esoterik abgedriftet, daß Kosmos dafür nicht zur Verfügung stand. Vermutlich war dieses Buch trotz des inzwischen berühmten Autors auch deshalb weit weniger erfolgreich. Außerdem: Pferdeleute suchen nicht in der Esoterik-Abteilung einer Buchhandlung.

Dabei waren sicher nicht alle Bücher aus dem Kosmos Verlag gleich erfolgreich, einfach weil die Bücher Hempflings in der Qualität stark streuten. Berühmt ist sein erstes Buch "Mit Pferden tanzen"; diesbezüglich hat der Verlag sogar einmal Zahlen veröffentlicht: Mehr als 50.000 verkaufte Exemplare. Verglichen mit Bestseller-Romanen ist das natürlich immer noch sehr bescheiden. Aber wie groß ist der Markt? Romane kann jeder lesen, doch für Pferdebücher interessieren sich höchstens Pferdeleute.

Wenn man bedenkt, daß es in Deutschland etwa eine dreiviertel Million organisierte Reiter gibt und fast 10 Millionen Menschen, die an Pferden interessiert sind, kann man das Potential besser beurteilen, das für Bücher wie die von Fred Rai eigentlich interessant sein müßte. Der Autor ist nach meiner Einschätzung mindestens so attraktiv wie Hempfling, dabei aber vermutlich längst nicht so eingebildet, als Showstar auch außerhalb der Pferdeszene bekannt und bestimmt ebenso mit allen Mitteln der Publicity vertraut.

Er hat im Gegensatz zu Hempfling ein Leben lang mit Pferden zu tun gehabt, war fest in die Turnierszene integriert und dort sportlich erfolgreich, besitzt eine große Ranch in den USA, wo man seine Art des Reitens auf seinen Pferden, womöglich unter seiner » persönlichen Anleitung lernen kann, betreibt in Dasing bei Augsburg den Freizeitpark » Western-City und hat seine eigene Reiseagentur » Rai-Reisen, die den Urlaub auf seiner Ranch organisiert. Und selbstverständlich bildet er seine eigenen Trainer aus, die das von ihm entwickelte » Rai-Reiten in der Fläche unterrichten.

Verglichen mit Michael Geitner, dessen überwältigende Präsenz im Internet ich in  Rezension 359 untersucht habe, müßte Fred Rai also viel populärer sein, schon allein wegen seiner vielseitigen Aktivitäten - schließlich ist Rai auch noch erfolgreicher Sänger. Google kennt aber unter diesem Namen nur 21.400 Einträge (Hempfling 28.500, Geitner 50.300), und diese Suche wird lediglich von eBay und Amazon beworben, und zwar ganz unspezifisch, statt wie in den anderen Fällen mit direkten Links auf einzelne Bücher. Dabei ist das vorliegende Buch nicht das erste und nicht das letzte von Fred Rai; zwei habe ich bereits besprochen, eins davon ist vergriffen (Südwest-Verlag), das andere im Verlag Naturbuch erschienen, das jetzt zu besprechende Buch im Nessos Verlag. Südwest, Naturbuch, Nessos?

Spekuliere ich weiter, so muß ich vermuten, daß die klassischen Pferdeverlage (Kosmos, Müller-Rüschlikon, BLV, Cadmos, FN-Verlag) am Autor Fred Rai nicht interessiert waren. Der Südwest-Verlag war und ist für alles mögliche berühmt, nur nicht für Pferdebücher. Der Naturbuch Verlag ist mir bisher noch nicht bekannt geworden; da er aber in Augsburg ansässig ist, hielt ich eine Verknüpfung mit dem Weltbild Verlag für naheliegend, und von daher auch eine persönliche Verbindung zu Fred Rai, der ja bei Augsburg seinen Freizeitpark betreibt. Ein bißchen Recherche bei Google erbrachte nichts über den Naturbuch Verlag, aber eine Fundstelle, in der ein Buch als vom Naturbuch-Verlag/Weltbild-Verlag herausgegeben erscheint - die Verbindung Naturbuch/Weltbild war also richtig geraten (» Rezension Fliegen und Mücken).

Das vorliegende Buch schließlich ist gewissermaßen im Selbstverlag erschienen, denn der Verlag hat dieselbe Adresse wie der Freizeitpark und auch dasselbe Symbol wie Fred Rai persönlich, nämlich einen Kentauren. Auf dessen Webseiten wird man auf einen Shop bei 1&1 verwiesen, wo man das Buch bestellen kann, aber keine weiteren Informationen findet, außer einem kurzen Werbesatz. Das ist schade.

Denn ich wünsche den Bücher von Pferde Rai die größtmögliche Verbreitung. Jeder Pferdeliebhaber sollte seine Bücher kennen - und das sind MILLIONEN. Wo kann man so viel über Pferde lernen wie bei Fred Rai, wer ist ein größerer Pferdekenner? Haben Sie schon einmal davon gehört, daß Monty Roberts einen Steiger persönlich gezähmt hat? Pat Parelli reitet selbst, das stimmt, aber ich erinnere mich noch gut an die Berichte über ihn und s