
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 21 Von › Heidi Keppel
Letzte Woche habe ich die Hilfsmaßnahmen besprochen, die nötig sind, wenn sich die Stute entschließt, ihr Fohlen im Stehen zu gebären, im dieswöchigen Tipp wollen wir uns ansehen, woran man andere Geburtskomplikationen rechtzeitig erkennt und wie man im Notfall hilfreich eingreifen kann.
Wenn eine scheinbar normal beginnende Geburt ins Stocken gerät, liegt dies meist entweder in einer Wehenschwäche der Stute oder in einem Stellungsfehler des Fohlens begründet. In eher seltenen Fällen kann auch ein zu großes Fohlen die Ursache sein. Diese Möglichkeit müssen Sie immer dann in Erwägung ziehen, wenn der errechnete Geburtstermin bereits um mehrere Tage überschritten wurde oder wenn eine eher kleinere bzw. zarte Stute von einem eher großen, kräftigen und vor allem grobknochigen Hengst gedeckt wurde. Da verantwortungsvolle Pferdebesitzer eine solche Anpaarung normalerweise nicht vornehmen, sind solche Komplikationen hauptsächlich nach so genannten Weideunfällen zu erwarten.
Ist das Fohlen tatsächlich zu groß, um von der Stute mit normalen Presswehen ausgetrieben werden zu können, ist schnelle Hilfe vonnöten, da das Fohlen sonst im Geburtskanal stecken bleiben und dort ersticken kann. Ebenso kann die Nabelschnur bei diesen Anstrengungen vorzeitig reißen und den Tod des Fohlens bewirken. Erscheint also nach dem Platzen der Wasserblase trotz mehrerer starker Presswehen keine Fruchtblase, darf keinesfalls lange abgewartet werden, wenn man nicht das Leben des Fohlens und unter Umständen auch der Stute gefährden will.
Da hierbei unbedingt ein fachmännischer Eingriff erforderlich ist, sollte raschest ein erfahrener Pferdetierarzt verständigt werden. Nur wenn kein Tierarzt erreichbar ist, sollte man einen solchen Eingriff selbst wagen, bevor die Kräfte der Stute völlig zum Erliegen kommen. Hierbei muss - wie bereits im vorletzten Tipp beschrieben - äußerst vorsichtig und steril vorgegangen werden.
Sind dabei innerhalb der Fruchtblase die Vorderbeine des Fohlens greifbar, kann an diesen im Rhythmus mit den Wehen der Stute gezogen werden, wobei aber auch in der allgemeinen Aufregung immer Ruhe bewahrt und mit gefühlvoller Kraftanwendung gearbeitet werden muss. Der Zug muss stets langsam aufgebaut werden, keinesfalls darf mit kurzen, heftigen Rucken an den Beinen des Fohlens gerissen werden, da sonst für Fohlen und Stute erhebliche Verletzungsgefahr besteht.
Dies gilt natürlich auch, wenn das Fohlen bereits teilweise ausgetrieben wurde, wenn also Kopf und Vorderbeine schon aus der Scheide herausragen. Wie bereits in einem früheren Tipp erwähnt, kommt es nach dem Durchtritt von Kopf und Hals des Fohlens ja meist zu einer Wehenpause, was für den Betrachter oft kein sehr schöner Anblick ist, zumal einige Stuten diese Pause nutzen, um nochmals aufzustehen und eine Runde zu gehen, bevor sie sich erneut niederlegen. Hier gilt es trotzdem Ruhe zu bewahren, denn dies ist durchaus ein natürlicher Vorgang, der dem Fohlen im Normalfall nicht schadet.
Liegt die Stute während dieser Wehenpause, kann man die Zeit nutzen, um die Fruchthülle - sofern sie nicht schon von selbst gerissen ist - vom Kopf des Fohlens zu entfernen. Vor allem die Nüstern sollten gut freigelegt werden, damit die Atmung des Fohlens nicht behindert wird oder es zu einer Einatmung von Fruchtwasser kommt. Erschrecken Sie nicht, wenn zu diesem Zeitpunkt die Nasen- und Mundschleimhaut bläulich verfärbt ist oder gar die blau angelaufene Zunge aus dem Maul ragt. Dies ist keineswegs ungewöhnlich und hat in diesem Stadium der Geburt im Allgemeinen keine negative Bedeutung.
Natürlicherweise dauert diese Wehenpause allerdings nur 1-2 Minuten, danach setzen wieder kräftige Presswehen ein, mit denen das Fohlen recht rasch zur Gänze ausgetrieben wird. Sind nach 2 Minuten noch keine Wehen spürbar, können diese durch leichten Zug an den Vorderbeinen des Fohlens stimuliert werden. Sollte die Mutterstute zu diesem Zeitpunkt der Geburt schon zu sehr geschwächt sein, sodass keine ausreichenden Presswehen mehr zustande kommen, muss man versuchen, das Fohlen durch verstärkten Zug herauszubekommen. Ist ein Tierarzt zur Stelle, wird er zuvor eine wehenfördernde Substanz spritzen, um diesen Vorgang zu erleichtern und die Verletzungsgefahr der Stute zu senken.
Prompt und zuverlässig hilft hier aber auch die Anwendung von wehenfördernden homöopathischen Mitteln, wie ich dies bereits im Teil 13 dieser Beitragsreihe ausführlich beschrieben habe. Dies trifft natürlich für jede Art von Wehenschwäche zu, welche vor allem bei sehr jungen, erstgebärenden Stuten hormonell bedingt oder auch bei sehr alten, kräftemäßig verbrauchten Tieren gehäuft auftritt. Eine vorbeugende Behandlung mit dem jeweils typmäßig passenden Homöopathikum ist hier anzuraten, also mit Pulsatilla D4 für junge und mit Sepia D4 für alte Stuten. Wie diese Behandlung genau aussehen sollte, besprechen Sie am besten mit einem Tierheilpraktiker Ihres Vertrauens, da hierbei auf die individuellen Eigenheiten der Stute möglichst eingegangen werden sollte.
Damit hätten wir also die wichtigsten Maßnahmen bei Schwergeburten durch zu große Fohlen und bei Wehenschwäche beschrieben, das nächste Mal befassen wir uns dann mit relativ häufigen Stellungsfehlern des Fohlens und den daraus entstehenden Komplikationen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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