Ich weiß, jetzt wird mich jemand sofort fragen: "Was mache ich mit dem und dem, der nichts mit mir zu tun haben will?" oder "Was ist mit dieser Gruppe oder diesem Land, die uns unterkriegen wollen?"
Ich frage zunächst: "Haben Sie denen Ihre Ansicht aufzwingen wollen?" Mit anderen Worten: Waren Sie respektvoll oder nicht? Respekt und Voreingenommenheit sind Gegensätze. Wenn Sie jemanden nicht achten, ist das kein Friede - das verhindert den Frieden.
Hier liegt ein Kernpunkt begraben: Wenn ständig mangelnder Respekt und Voreingenommenheit zwischen zwei Leuten oder zwei Gruppen herrscht, kann jede von beiden die Initiative übernehmen und die Dinge zum Besseren wenden, indem sie sich als erste den Standpunkt der anderen Seite zu eigen macht.
Deshalb: Greifen Sie zu Papier und Bleistift und arbeiten Sie diese "Pferdeausbilder-Richtlinien für Friedensstifter" durch. Notieren Sie alles, was Ihren Respekt bezüglich der Person oder Gruppe zum Ausdruck bringt, der gegenüber Sie ungute Gefühle haben,
Schreiben Sie als nächstes auf, was Sie noch nicht getan haben, aber tun könnten.
Ich nehme an, daß Sie sich noch nicht besonders dafür interessiert haben, was für die andere Person oder Gruppe wichtig ist. Fangen Sie damit an. Die Bibliothek und das Internet stehen Ihnen zur Verfügung.
Sobald Sie genug herausgefunden haben, um in Ihren eigenen Worten auszudrücken, was diesen Leuten in ihrer Kultur wichtig ist, "gehen Sie zu Ihrem Pferd und machen Sie Bodenarbeit." Gewinnen Sie einige Leute aus dieser Gruppe oder diesem Land als Freunde, auf sicherem Boden, bevor Sie zu "reiten" versuchen (problematische Themen mit Ihnen zu diskutieren). Jede lebende Person hat zumindest diese Dinge mit Ihnen gemein: sie möchte gern weiterleben, sie möchte gerne enge Freunde haben, und sie möchte ihre Energie für interessante Projekte einsetzen, die ihr wichtig sind
Damit sollten Sie loslegen können.
Soweit der wichtigste Aufsatz auf der Friedensseite. Diese Ratschläge sind direkt von der Erfahrung mit Pferden abgeleitet. Pferdeleute werden keine Schwierigkeiten haben, die entsprechenden Analogien nachzuvollziehen. Marjorie Smith rechnet damit, daß auch Leser, die nicht mit Pferden vertraut sind, damit etwas anfangen können.
Ihr Ansatz klingt machbar, scheint aber mühsam. In einer Welt mit Milliarden von Menschen, mit aktuellen Nachrichten aus der ganzen Welt über immer dieselben wenigen mächtigen Personen muß sich der Einzelne fragen, was er ausrichten kann. Ist er nicht ohnmächtig? Aber gerade weil er ohnmächtig zu sein scheint, wird Marjorie Smith aktiv. Auf ihrer Pferdeseite verweist sie schon auf einen Aufsatz, der ihre persönliche Anteilnahme deutlich macht (» A different point of view on our society, economy, and politics, Eine andere Ansicht unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik).
Der erste Teil ist ein Brief an ihren Bruder vom Januar 2005. Der zweite Teil ist etwa ein Vierteljahr vorher geschrieben und faßt die Erfahrungen ihres Lebens zusammen; darin begründet sie gewissermaßen ihre Haltung. Der Anlaß für den Brief ist anscheinend eine größere Depression des Bruders, der sich selbst für sein Versagen beschuldigt. Sie sieht diese düstere Stimmung im Zusammenhang mit der politischen und wirtschaftlichen Lage und versucht sich an einer Analyse.
Dazu entwirft sie eine allgemeine Gesellschaftsskizze. Diese scheint mir insbesondere deshalb bemerkenswert zu sein, weil sie von einer US-Amerikanerin stammt, die uns ein ganz besonderes Bild ihrer eigenen Gesellschaft liefert. Zunächst klassifiziert sie alle Gesellschaftssysteme dieser Welt als kapitalistisch, kommunistisch oder sozialistisch. In allen Systemen profitiert eine kleine Gruppe, während eine riesige Gruppe zu den Verlierern gehört.
Im kapitalistischen System der USA ist die Gruppe der Kapitaleigner Gewinner. Mit einer Art einfacher Kapitalismuskritik beschuldigt sie diese des Lohnraubs an der werktätigen Bevölkerung. Langfristig drohen die Monopole die Märkte unter sich aufzuteilen, während die Kosten für Polizei und Militär überhand nehmen könnten und auf jeden Fall für Erziehung und Gesundheitsvorsorge fehlen. Diejenigen, die sowohl Kapitaleigner als auch werktätig sind, bezeichnet sie als Puffer zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten.
Alle Systeme, wo wenige profitieren und viele bluten, werden dadurch stabilisiert, daß die Wenigen sich besser dünken, die Vielen schlechter. Diese Selbsteinschätzung wird durch das Erziehungssystem und die öffentliche Meinung etabliert und perpetuiert. Ihr Bruder ist in diesem Sinne Opfer einer Gehirnwäsche, die verschleiert, daß er in Wirklichkeit ein wertvoller, phantasievoller, einfallsreicher, energiegeladener Mensch ist, der ein erfülltes Leben führen könnte, wenn denn die Verhältnisse es zuließen. Sie äußert die Hoffnung, daß er sich aus diesem mentalen Gefängnis befreien möge, um seine Möglichkeiten zu verwirklichen.
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