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Bericht Zum Thema Politik · Tip: Zucht mit Freizeitpferden XVIII
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 371.06 der Pferdezeitung vom 07.05.06
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Heidi Keppel
 
 
Zucht mit Freizeitpferden
Teil 18
Von   Heidi Keppel

Im vorigen Tipp haben wir uns die völlig normal ablaufende Geburt angesehen, diesmal und in den nächsten Tipps wollen wir uns mit diversen Komplikationen beschäftigen, die bei einer Pferdegeburt unter Umständen auftreten können und meist ein rasches Eingreifen von fachkundigen Händen erfordert. Als Laie auf diesem Gebiet sollte man sich allerdings eher zurückhalten bzw. seine Hilfe hauptsächlich auf das Verabreichen von homöopathischen Mitteln beschränken, da mit falsch durchgeführten Eingriffen oder Zughilfen dem Muttertier oft große Schäden zugefügt werden können. Nur in lebensbedrohlichen Notfällen und wenn kein Tierarzt erreichbar ist, sollte man äußerst vorsichtig solche Hilfestellungen wagen.

Dass mit Komplikationen gerechnet werden kann, wird oft schon viele Tage oder gar Wochen vor der Geburt am allgemeinen Verhalten der Stute ersichtlich. Offenbar spüren die meisten Stuten instinktiv oder aufgrund vorzeitiger Wehen bereits in der Endphase der Trächtigkeit, ob die Geburt normal oder mit Schwierigkeiten verlaufen wird. Ich konnte jedenfalls immer wieder die Beobachtung machen, dass Stuten, welche in dieser Zeit vermehrte Nervosität und Unruhe zeigen, in der Regel tatsächlich eine Schwergeburt erleiden, während sich solche Tiere, die stets ruhig und ausgeglichen wirken, so gut wie immer an einer raschen, problemlosen Geburt erfreuen können.

Natürlich könnte man diese Zusammenhänge auch in umgekehrter Hinsicht betrachten und behaupten, dass Ruhe für eine unkomplizierte Geburt enorm wichtig ist und dass die Geburtsschwierigkeiten von nervösen Stuten nur auf deren ‚falschem' Verhalten beruht. Keinesfalls möchte ich diese Möglichkeit bestreiten, doch spielt es eigentlich keine Rolle, wo man die Ursache und wo die Wirkung ansiedeln möchte, denn das Endergebnis und die Konsequenz daraus bleiben in beiden Fällen gleich.

Jedenfalls würde ich grundsätzlich jedem Besitzer einer hochträchtigen Stute, welche in den letzten Tagen oder Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein besonders unruhiges Verhalten zeigt, raten, das Tier gut zu beobachten, um den Tierarzt gegebenenfalls rasch benachrichtigen zu können. Scheuen Sie sich auch nicht, diesen diesbezüglich schon vorzuwarnen, denn ein guter Pferdetierarzt wird dies nicht belächeln oder ignorieren, sondern ist sehr wohl dankbar für solche rechtzeitigen Hinweise auf zu erwartende Komplikationen.

Ist der Geburtstermin bei einer derartig hypernervösen Stute eigentlich schon überschritten, dann neigen allerdings manche Tierärzte dazu, dem Besitzer die künstliche Einleitung der Geburt durch wehenfördernde Mittel zu empfehlen. Dies ist jedoch eine Erfahrung, die Sie Ihrer Stute und deren Fohlen unbedingt ersparen sollten, sofern nicht tatsächlich medizinische Gründe vorliegen, die diese Vorgehensweise notwendig machen. Eine solch abrupt hervorgerufene Geburt stellt nämlich für die Tiere ein traumatisches Erlebnis dar, welches sowohl physische als auch psychische negative Auswirkungen auf die Stute und/oder das Fohlen haben kann.

Ist bei der Stute der Geburtsweg nämlich noch nicht ausreichend vorbereitet, d.h. wurde das Gewebe noch nicht aufgelockert, so besteht bei der künstlich eingeleiteten Geburt durchaus ein höheres Verletzungsrisiko für die Stute. Auch wenn es dabei ‚nur' zu äußeren Einrissen an der Scham oder am Damm kommt, welche meist verhältnismäßig schnell wieder heilen, so sind dies doch unnötige Schmerzen, die man der Stute ersparen hätte können. Außerdem können auch solche Verletzungen gesundheitliche Spätfolgen haben, wenn es dadurch z.B. zu einem unzureichenden Schamverschluss kommt, welcher sehr oft bakterielle Infektionen nachsichzieht, die sich wiederum sehr negativ auf die weitere Zuchtverwendung der Stute auswirken können.

Zusätzlich ist eine so unerwartet und plötzlich einsetzende Geburt für die Stute auch psychisch nicht leicht zu verkraften und kann ihr nervöses Verhalten sogar noch verstärken. Meist sind Stuten auch noch Wochen und Monate nach einem solchen Erlebnis besonders überängstlich um das Wohlergehen ihres Fohlens besorgt und lassen sich von diesem nur schwer trennen, wobei sich auch solche abrupt ins Leben geholte Fohlen eher ängstlich und sehr anhänglich präsentieren.

Die künstliche Geburtseinleitung kann für das Fohlen aber auch lebensgefährlich werden, wenn dieses körperlich noch nicht ausreichend entwickelt ist. Auch wenn der errechnete Geburtstermin schon überschritten ist, heißt das nämlich noch lange nicht, dass die Entwicklung des Fohlens bereits vollständig abgeschlossen ist. Hier herrschen doch große individuelle Unterschiede, die von außen nicht ersichtlich sind, sodass man im Normalfall unbedingt abwarten sollte, bis die Geburt auf natürliche Weise ausgelöst wird. Andernfalls geht man das große Risiko ein, dass das Fohlen z.B. mit unausgereiften Lungen oder zu schwachen Extremitäten geboren wird.

Im Gegensatz dazu muss bei Verzögerungen, die nach dem natürlichen Geburtsbeginn eintreten, selbstverständlich rasch eingegriffen werden, wenn man das Leben des Fohlens nicht gefährden will. Doch davon mehr im nächsten Tipp.




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