
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | 23.04.2006
Umfang
Der Hauptartikel dieser Woche ist wieder einmal sehr lang: mehr als 35.000 Zeichen. Noch dazu ist er sehr trocken und theoretisch. Ich habe mich bemüht, den Text aufzulockern und lebendig zu gestalten, aber vor allen Dingen habe ich versucht, einen Schluß aus der gesamten Serie zu ziehen.
Es hat mich sehr geärgert, daß ich trotz aller Anstrengungen keine klare Aussage bezüglich der Theorien und Praktiken von Dr. Strasser machen konnte. Nach wie vor erschien mir die gesamte Diskussion um Hufschutz und Hufpflege unabgeschlossen und verworren. Es mußte doch möglich sein, hier einen sauberen Abschluß zu erzielen!
Gegenüberstellung
Aus diesem Unbehagen heraus habe ich versucht, für mich Klarheit zu bekommen, und in gewissem Sinn ist es mir sogar gelungen. Besonders gut gefällt mir die Gegenüberstellung von Brille und Hufeisen. Diese Parallele war mir gar nicht bewußt, als ich anfing zu schreiben, und kam mir erst in den Sinn, als ich den Artikel schon für beendet hielt.
Die bestehende Situation könnte sich in diesem Licht als dauerhaft erweisen - hier die etablierte Wissenschaft, die souverän über ihre Mißerfolge hinweggeht, dort die verschiedenen Fraktionen der Praktiker, die die konkreten Bedürfnisse der Pferdebesitzer erfüllen, und schließlich die Schüler und Anhänger Dr. Straßers, die von allen anderen geschnitten und sogar gehaßt werden und dafür dann die hoffnungslosen, austherapierten Fälle behandeln dürfen.
Sex-Appeal
Wollen die Leser wirklich solche Abhandlungen lesen? Lang und trocken? Keine Ahnung. Ich glaube nicht, daß man so etwas woanders geboten bekommen würde, und irgendwo muß man solche Gedanken ja lesen können, oder nicht? Ist es nicht so, daß Sie sich auch diese Fragen stellen? Daß Sie gerne Antworten hätten, aber selbst keine Zeit aufbringen können, die Sache zu durchdenken?
Was ist die Aufgabe eines Magazins? Für die herkömmlichen Printmagazine ist die Antwort vermutlich: Verkaufen. Erst einmal muß das Heft verkauft werden, und dazu müssen die Artikel entsprechend beitragen. Die Konsequenz ist letzten Endes die Bild-Zeitung. Die erste halbe Seite aufgeschlagen, die Hälfte davon Schlagzeile, dazu ein scharfes Bild und noch ein paar Kleinigkeiten für diejenigen, die von der Schlagzeile und dem Bild noch nicht gefangen sind.
Der Wahrheitsgehalt der Schlagzeile interessiert nicht, ebensowenig der Informationsgehalt. Es geht lediglich ums Verkaufen. Das aber ist letzten Endes der Tod des Mediums. Der Erfolg der Wikipedia zeigt, daß die Leser knallharte Informationen brauchen - nicht nur wollen! Und die Verleger haben es inzwischen auch begriffen. Wenn die Leser die Inhalte nicht mehr interessant finden, kann das Medium einpacken.
Versuch
In diesem Sinn ist die Pferdezeitung und speziell dieser Artikel auch ein Experiment. Gibt es für diese Inhalte genug Interesse? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht nicht heute, aber morgen. Man wird sehen. Einen Moment lang habe ich überlegt, den Artikel in zwei Teile aufzuteilen, um die Belastung des Lesers zu reduzieren. Auf der anderen Seite würde sich die Serie dann noch mehr in die Länge ziehen. Nicht jeden interessiert dieses Thema, verständlicherweise.
Mehrfach habe ich überlegt, ob ich ganze Passagen streichen sollte. Letzten Endes kann man natürlich alles streichen, aber ist damit etwas gewonnen? Wenn der Artikel in sich stimmig ist und jeder Absatz seinen Platz hat, kann man nicht beliebig herumstreichen, ohne einen neuen Artikel stricken zu müssen. Und damit werden die gestrichenen Passagen vielleicht wieder aufgefüllt - dann kann man es gleich so lassen, denn das ständige Bearbeiten führt ja nicht notwendigerweise zu einer Verbesserung.
In diesem Sinne: Sie entscheiden. Ich habe mein Bestes getan.

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