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Selbstportrait 08/2004
 
 
26.03.2006

Sponsoring

Ich kann mich nicht erinnern, wann mir dieses Wort das erste Mal über den Weg lief, aber ich bin mir sicher, daß es vor 30 Jahren noch nicht Allgemeingut war. Heute versteht es vermutlich jedes Kind: Sponsoring. Was heißt das eigentlich? Ich bemühe » Leo und erhalte:

Unmittelbare Treffer
sponsor [law] der Bürge, die Bürgin
sponsor der Auftraggeber
sponsor [rel.] der Firmpate
sponsor der Förderer
sponsor der Gönner
sponsor der Kostenträger
sponsor der Sponsor

Mit anderen Worten: Das Wort ist inzwischen in die deutsche Sprache eingegangen. Die Übersetzungen "Förderer" und "Gönner" gefallen mir ganz gut, "Kostenträger" bezeichnet den eigentlichen Sachverhalt ziemlich genau.

Vieles in unserer Welt wäre nicht möglich, wenn es nicht Förderer gäbe. In früheren Zeiten waren das oft die Herrscher, die über das nötige Vermögen verfügten, heute sind es Firmen oder die Superreichen, die Gutes tun und meistens auch gern darüber reden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Seltener ist schon der Fall, daß jemand als Förderer auftritt, der selbst nichts zuzusetzen hat. In diesem Sinne ist die Pferdezeitung Förderer.



Kein Bedarf?

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Die Pferdezeitung fördert Kleinanzeigen und Pferdeangebote mit Bildwerbung. Und zwar so lange, wie nicht genug bezahlte Werbung vorliegt. Schließlich kann man eine solche Leiste mit drei Bildern nicht halb leer lassen. Das ist ein übliches Verfahren; natürlich könnte ich auch Eigenwerbung machen, aber damit würde ich die Leser vermutlich ziemlich nerven.

Ursprünglich hatte ich gar keine Eigenwerbung vorgesehen, aber neulich habe ich mir zwei Beispiele ausgedacht, die relativ sparsam eingeblendet werden, weil mir eine Kundin im Gespräch gestand, daß sie lange gebraucht habe, bis sie diese Möglichkeit für sich entdeckt hatte. Ihre Bildwerbung war so erfolgreich, daß sie die gewünschten 50 Klicks innerhalb von acht Stunden bekam.

 
   
 
Ich habe daraufhin noch einen zusätzlichen Kasten gebaut, der beim Pferdemarkt und Kleinanzeigenmarkt vor der aktuellen Liste eingeblendet wird und die Leser über diese Möglichkeit aufklärt. Mehr kann ich wohl nicht tun. Da das Aufkommen an Bildwerbung dadurch nicht positiv beeinflußt wurde, muß ich den Schluß ziehen, daß die Nutzer der Pferdezeitung ganz bewußt auf diese Möglichkeit verzichten wollen. Schade.

Schade für die Inserenten, die damit auf eine wertvolle Möglichkeit verzichten, ihre Ziele zu fördern, schade auch für die Pferdezeitung, denn wir tun gern Gutes, wie auch Google, aber irgendwie muß der ganze Spaß auch bezahlt werden. Bei Google funktioniert es, bei der Pferdezeitung (noch?) nicht.



Statistik

Vor einiger Zeit habe ich die Statistik für Inserate überarbeitet. Wenn ich mich nicht irre, funktioniert das bei den Pferdeangeboten recht gut. Insbesondere sollte auch die Bildwerbung, die die Pferdezeitung "gönnt", mitgezählt werden. Vor ein paar Tagen hat mich jemand gefragt, warum bei manchen Kleinanzeigen dabei steht, wie oft sie aufgerufen wurden, und bei manchen nicht. Das wußte ich auch nicht.

Eine Untersuchung brachte zum Vorschein, daß ich bei den Kleinanzeigen die angefangene Arbeit offenbar nicht zu Ende gebracht hatte. Zwar zählte ich inzwischen ziemlich differenziert, fragte aber noch die alten Daten ab, die inzwischen gar nicht mehr gepflegt wurden. Neue Inserate hatten also den Zählerstand 0, und diesen zeigte ich nicht an - das war des Rätsels Lösung. Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich, daß ich die geförderte Bildwerbung für Kleinanzeigen überhaupt nicht zählte.

Das ist nun ganz schlecht. Der Sponsor will doch wenigstens wahrgenommen werden! Wenn wir schon nicht darüber reden, wieviel wir fördern, so sollen doch wenigstens diejenigen, die gefördert worden sind, davon erfahren können.

Jetzt habe ich eine Idee! Vor 14 Tagen habe ich bei den bezahlten Anzeigen eingeführt, daß der Kunde benachrichtigt wird, wenn jemand auf die Werbung klickt. Ich selbst schicke mir eine Kopie dazu und beobachte die ganze Sache. Es ist sehr interessant. Manchmal wird in kurzer Zeit viel geklickt, manchmal wieder nicht, manchmal sind diese Themen favorisiert, manchmal andere. Ein Muster habe ich bisher noch nicht erkennen können.

Falls der Kunde sich von den vielen E-Mails irritiert fühlen sollte, liefere ich einen Link, womit er die Benachrichtigung abstellen kann. Das hat aber noch niemand gemacht, also wird es wohl nicht als Belästigung empfunden, sondern eher als informativ. Und nun meine Idee: Wenn auf eine geförderte Bildwerbung geklickt wird, sollte der Inhaber ebenfalls benachrichtigt werden. Die Idee gefällt mir gut. Tue Gutes und rede darüber. Vielleicht sollte ich auch öffentlich darüber reden, etwa nach dem Muster: "Wir haben heute schon xxx Inserate gefördert". Vielleicht sollte ich schon die Einblendung registrieren und auch darüber reden, nicht erst, wenn geklickt wird.



Pay-per-Klick

Denn die Förderung bezieht sich natürlich schon auf die Einblendung, weil wir damit ja ein bestimmtes Inserat herausstellen. Wenn dann jemand neugierig geworden ist und diesem Link folgt, desto besser. Ob jemand gleich beim ersten Mal klickt oder erst bei wiederholter Einblendung, kann ich gar nicht sagen, und zwar deshalb nicht, weil ich keinen Vergleich habe. Ich weiß, daß bezahlte Werbung geklickt wird, aber ich weiß nicht, ob nicht bezahlte Werbung geklickt wird. Darüber führe ich gar kein Buch. Das sollte ich ändern.

Was heißt eigentlich Bezahlung? In diesem Fall wird nach dem Pay-per-Klick-Verfahren abgerechnet, d. h. die Einblendung selbst ist kostenlos, der Klick kostet, und zwar je nach Modell 5 oder 20 Cent. Wer solche Werbung ordert, sagt sich also: Ich möchte, daß sich 100 Leute mein Angebot bewußt genauer anschauen, ich möchte also, daß diese auf die Werbung klicken, und das ist mir dann 5 Euro oder 20 EUR wert.

Bei Google fliegen Sie raus, wenn nicht genügend Leute Ihre Werbung anklicken. Google spricht von der Performance einer Anzeige. Wenn Ihre Anzeige nicht genug Performance bringt, bekommen sie noch eine Chance und können diese verbessern. Google bietet dazu eine ganze Reihe von Werkzeugen, kurz: es ist eine Wissenschaft für sich. Wenn es Ihnen nicht gelingt, die Performance zu verbessern, ist es Ihr Pech. So weit sind wir noch nicht.

Keine Ahnung, was mir einfallen wird, wenn wir einmal wesentlich mehr Aufträge als Möglichkeiten zur Abarbeitung haben. Bei der Bildwerbung gibt es ja genau drei Plätze, während bei Google die Anzahl der eingeblendeten Textwerbungen im Grunde nicht begrenzt ist. Auf jeden Fall müßte man dann Hilfestellung leisten. Darüber kann ich mir ja später den Kopf zerbrechen.

Aus der "großen Werbung" ist durch viele Untersuchungen bekannt, daß eine einmalige Werbung praktisch überhaupt nicht zählt. Erst die Wiederholung macht eine Werbung wirksam. Deshalb werden wir ständig und überall mit Werbebotschaften bombardiert, wieder und wieder und wieder und wieder. Was fangen Sie damit an?



Keine Resonanz

Immer wieder beklagen sich Inserenten, daß niemand auf ihr Inserat reagiert habe. Ich habe bisher noch nie untersucht, woran das liegen könnte. Da andere Leute aber gute Erfolge haben, liegt die Vermutung nahe, daß bei den erfolglosen Inseraten etwas im Argen liegt. Das Angebot mag vielleicht nicht attraktiv sein, vielleicht ist es aber einfach nur die Verpackung.

Ab und zu mal fällt mir ein Angebot auf, zum Beispiel das folgende:

hallo ich bin 21jahre alt und suche eine arbiet die ich von zuahse amchen kann ich habe pc und telefon.es wäre schön wenn sie mir was anbieten würden wo ich noch neben bei geld veridneen kann.ich bin fleissig offen und ehrlich.verdienst vorstellung wären 400euro im moant.danke im voraus für die zuschriften wenn sie noch mehr wissen wollen über mich dann schreiben sie mir doch ne kurze e-mail mit den fragen die sie an mich haben.danke

Ich fühlte mich bemüßigt, zu antworten:

Hallo melanie!

Ich hätte wohl etwas zu bieten, aber Ihr Inserat läßt mich zweifeln, ob Sie dafür geeignet sind. Sie sollten Ihren Text dringend überarbeiten - eine Bewerbung mit Rechtschreibfehlern kann nicht überzeugen.

Außerdem sollten Sie weniger davon reden, was Sie wollen, dafür desto mehr darüber, was Sie bieten können. Wo liegen Ihre Stärken, womit können Sie jemand anderem helfen? Welche Art von Telefonarbeit ist es, die Sie erbringen können, und welche Erfahrungen haben Sie damit? Gibt es irgendwelche Arbeitszeugnisse? Können Sie nachweisen, daß Sie Ihrem Arbeitgeber nützlich sind?

Selbstverständlich habe ich keine Antwort bekommen. Ich wollte natürlich nicht belehren, sondern lediglich einen Spiegel vorhalten und signalisieren, wie dieses Inserat auf jemanden wirkt, für den es gemacht ist.



Rollentausch

Die Amerikaner reden gerne davon, irgendwelche Hüte oder Mützen aufzusetzen. Damit meinen sie, daß sie verschiedene Rollen oder Standpunkte einnehmen. Jeder von uns spielt viele solche Rollen. Vater oder Mutter sind zum Beispiel Rollen, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, Kollege, Freund, Bruder oder Schwester, Käufer oder Verkäufer sind weitere Rollen, die wir immer wieder einmal einnehmen.

Wenn man etwas verkaufen will, setzt man zunächst den Verkäufer-Hut auf. Das ist natürlich, denn man muß ja erst einmal klar definieren, was man will. Dann aber sollte man diesen Hut ab- und den Käufer-Hut aufsetzen, denn den will man ja ansprechen, den will man gewinnen. Kennen Sie den Spruch: "Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler"? Das ist eine sehr bildhafte Umsetzung dieses Prinzips.

Sollten Sie mit der Leistung Ihrer Inserate nicht zufrieden sein, probieren Sie doch einfach mal diesen Rollentausch. Steht übrigens auch schon seit Jahren in unseren Empfehlungen. Ist nämlich nicht neu, sondern im Grunde selbstverständlich. Aber für jeden ist es natürlich einmal im Leben vollkommen neu und muß gelernt werden.

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 






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©1999-2006 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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