
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 12 Von › Heidi Keppel
Letzte Woche habe ich das Thema ‚Arbeiten mit der hochträchtigen Stute' bereits ziemlich ausführlich behandelt und dabei vor allem auf meine persönlichen Erfahrungen Bezug genommen. Im heutigen Tipp möchte ich daran anschließend noch ein paar Worte zur allgemeinen Stressvermeidung sagen, denn gerade diesbezüglich fehlt vielen Menschen das nötige Verständnis für das Empfinden ihrer Pferde, was aber besonders bei hochträchtigen Stuten sehr weitreichende Auswirkungen haben kann.
Wenn wir gleich einmal bei der Arbeit bleiben wollen, so muss hier nochmals deutlich gesagt werden, dass es hier große individuelle Unterschiede gibt, wodurch ich nur empfehlen kann, auf das Verhalten des jeweiligen Tieres genau zu achten. Nervöses oder übertrieben schreckhaftes Verhalten ist genau wie heftigere Atmung, vermehrtes Herzklopfen und plötzliches oder übermäßiges Schwitzen immer ein Zeichen dafür, dass das Pferd gerade eine Stresssituation erlebt, ganz besonders natürlich dann, wenn eigentlich keine große Leistungsanforderung an das Tier gestellt wird.
Solche Aufregungen wirken sich aber sehr negativ auf das ungeborene Leben aus und sollten deshalb tunlichst vermieden werden. Dies gilt auch dann, wenn sich die Stute z.B. auch schon bei kurzen Ausritten aufregt, weil sie einfach Angst davor hat, allein oder auch mit anderen Pferden ins Gelände zu gehen. Ich kenne sehr viele Pferde, auf die dies zutrifft, deren Reiter darauf aber keine Rücksicht nehmen. Sie sehen es vielmehr mit der Zeit als etwas Alltägliches an, dass ihr Pferd nach jedem Ausritt schweißgebadet und hocherregt nach Hause kommt.
Bei einer trächtigen Stute und vor allem in den letzten Wochen vor der Geburt, kann dies aber zu fatalen Komplikationen bei der Geburt führen und sich auch auf den seelischen Zustand des Fohlens verheerend auswirken. Natürlich gilt dies für jede Art von Arbeit. Regt sich die Stute etwa auch beim Longieren oder bei der Bodenarbeit auf, weil sie Probleme damit hat, etwas Neues zu erlernen, hat dies dieselben negativen Auswirkungen, als würde sie beim Reiten zu sehr belastet werden.
Genauso verhält es sich aber auch bei der freien Bewegung auf der Koppel, wenn die Stute z.B. Angst vor manchen Artgenossen hat oder sich vielleicht aufregt, weil auf dem Nachbarfeld gepflügt wird. Aus diesem Grund kann ich nur empfehlen, hochträchtige Stuten, die generell zu nervösem Verhalten neigen, nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt zu lassen, denn falls sie sich in panische Hysterie hineinsteigern, kann es unter Umständen sogar zu einer frühzeitigen Wehentätigkeit kommen, auf alle Fälle wird das Tier aber unnötig angestrengt.
Außerdem ist manche hochträchtige Stute aufgrund ihres riesigen Bauchumfanges in ihrer Beweglichkeit ziemlich eingeschränkt und kann beim aufgeregten Herumtoben - besonders auf rutschigem Boden - sehr viel schneller als andere Pferde zu Fall kommen und sich bzw. den Fötus in ihr dabei verletzen. Bei Regenwetter oder auch bei starkem Wind sollten deshalb nur wirklich robuste und ausgeglichene Tiere über längere Zeit ins Freie gelassen werden, zumal eine Unterkühlung besonders in der Endphase der Trächtigkeit unbedingt vermieden werden sollte.
Erkältungen der Stute müssen sich zwar nicht unbedingt negativ auf das Fohlen auswirken, aber sie bedeuten eine zusätzliche Anstrengung für das Muttertier und auch eine eventuelle Medikation ist bei trächtigen Stuten genau wie bei werdenden Müttern immer mit gewissen Risiken verbunden. Es sollte also vermehrtes Augenmerk darauf gelegt werden, dass die Stute gesund und wohlauf bleibt.
Regelmäßige und dem Bedarf der Stute angepasste Fütterung - auch unregelmäßige Fütterungszeiten bedeuten Stress für das Tier! - sowie ausreichende, aber nicht erzwungene Bewegung an der frischen Luft sind ein wichtiger Beitrag dazu, ein anderer ist die übrige gesundheitliche Betreuung, wie z.B. das fachgerechte Entwurmen und Impfen. Auch diesbezüglich gibt es wie fast überall sehr unterschiedliche Ansichten, auch unter den Tierärzten.
Die Einen sehen jedes Impfen als zusätzliche und meist unnötige Belastung an und verdammen den Einsatz jeglicher chemischer Entwurmungsmittel, die Anderen wiederum impfen ihr Pferd gegen alles, was nur irgendwie möglich ist, und entwurmen es alle paar Wochen, um nur ja jedes Infektionsrisiko zu vermeiden. Beide Extreme sind meiner Ansicht nach unvernünftig, denn zuviel Chemie und ständige Reizung des Immunsystems ist sicher genauso gesundheitsschädlich, wie wenn das Pferd völlig ungeschützt allen Infektionen und massenhaftem Parasitenbefall ausgesetzt ist.
Welche Impfungen zu empfehlen sind und wie häufig entwurmt werden sollte, hängt natürlich auch immer davon ab, in welcher Gegend und unter welchen Bedingungen die jeweilige Stute gehalten wird. Diesbezüglich sollten Sie sich unbedingt von einem pferdezuchterfahrenen Tierarzt Ihres Vertrauens beraten lassen, er wird dann auch diejenigen Präparate auswählen, die für trächtige Stuten geeignet und gut verträglich sind.
Keinesfalls sollten Sie als Laie z.B. beim Entwurmen im Alleingang einfach nach irgendeinem Mittel greifen, denn damit können Sie womöglich gewaltigen Schaden anrichten. Ähnliches gilt auch für Homöopathika und andere natürliche Heilmittel, denn auch unter ihnen gibt es viele Arzneien, die für trächtige Tiere nicht geeignet sind, weil sie etwa eine frühzeitige Wehentätigkeit anregen. Zum richtigen Zeitpunkt angewandt können solche Mittel allerdings sehr gute Dienste tun, doch darüber dann mehr in meinem nächsten Tipp.
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