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Heidi Keppel
 
 
Zucht mit Freizeitpferden
Teil 10
Von   Heidi Keppel

Innerhalb meiner letzten Tipps habe ich die wichtigsten Haltungsformen bezüglich ihrer Tauglichkeit für trächtige Stuten von allen Seiten näher betrachtet, nun wollen wir uns mit den optimalen Haltungsbedingungen für die hochträchtige Stute (ab dem 9. Trächtigkeitsmonat bis zum Geburtstermin) beschäftigen, die zwar im Grunde genommen dieselben Kriterien, in einigen wichtigen Punkten aber noch einige zusätzliche Anforderungen erfüllen sollten.

Da wäre einmal in erster Linie die nächtliche Unterbringung in einer geräumigen Box mit stabilen und fohlensicheren Wänden (darüber mehr in einem späteren Tipp), sowie rutschfestem Boden mit dicker, bequemer Stroheinstreu zu nennen, welche nach Möglichkeit ab dem 9.Trächtigkeitsmonat, aber spätestens 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgen sollte. Danach sollte keine Umstellung mehr durchgeführt werden, weil dies erstens für die Stute zuviel Stress bedeutet und zweitens auch für das Fohlen nachteilige Folgen haben kann.

Die Stute bildet nämlich gegen Keime aller Art, mit denen sie in Berührung kommt, Antikörper, welche dann mit der ersten Milch, der sog. Kolostralmilch, an das Fohlen weitergegeben werden und diesem so zu einem wichtigen ersten Immunschutz verhelfen. Diese Antikörperbildung benötigt aber eine gewisse Zeitspanne, sodass bei einem späteren Standortwechsel das Fohlen keinen ausreichenden aktuellen Schutz erhält, wodurch es sehr viel anfälliger für sämtliche Infektionen wird.

Aus demselben Grund ist es auch nicht vorteilhaft, wenn die hochträchtige Stute beinahe steril gehalten wird, denn auch dann kommt es nur in sehr geringem Ausmaß zu der so wichtigen Antikörperbildung. Wird das Fohlen dann zu einem späteren Zeitpunkt natürlicherweise doch mit verschiedensten Keimen konfrontiert, reagiert es darauf verständlicherweise besonders empfindlich.

Umgekehrt sollen Stute und neugeborenes Fohlen aber auch nicht gerade mit Bakterien und Pilzen regelrecht bombardiert werden, weshalb eine gewisse Hygiene schon angebracht ist. Tägliches gründliches Ausmisten sollte eine Selbstverständlichkeit sein, sog. Matratzeneinstreu, bei der der Mist nur oberflächlich entfernt und nasse Stellen mit frischem Stroh bedeckt werden, ist gänzlich abzulehnen.

Auch wenn diese Art der Einstreu ebenfalls dick und weich gepolstert ist, ist sie doch für Mutterstuten und ihre Fohlen vollkommen ungeeignet, denn erstens atmet dabei das liegende Fohlen unter anderem Unmengen an schädlichen Ammoniakdämpfen ein und zweitens kann es schon bei der Geburt zu einem völligen Chaos kommen, wenn die Stute bei Beginn der Wehen ähnlich wie bei einer Kolik im Stall zu scharren beginnt. Dabei wird die Einstreu nicht nur rasch unansehnlich und matschig, es werden auch zahlreiche Bakterien und Pilze aufgewühlt und können so sehr leicht zu einer Erkrankung des neugeborenen Fohlens, aber auch der Stute führen.

Vor allem Gebärmutter und Euter sind ja zu diesem Zeitpunkt besonders empfindlich und können sich während der Geburt beim liegenden Pferd leicht infizieren. Auch wenn man annehmen könnte, dass durch den Abgang der Nachgeburt eine generelle Reinigung der Gebärmutter stattfindet, ist die Schleimhaut andererseits gerade in dieser Phase besonders anfällig für eine frische Keimbesiedelung, weshalb hier kein unnötiges Risiko eingegangen werden sollte.

Was nun die Körperpflege der hochträchtigen Stute anbelangt, so sollte man als echter Pferdefreund da nun etwas toleranter werden und auch auf individuelle Eigenheiten und Vorlieben etwas mehr Rücksicht nehmen. Vor allem ein kräftiges Putzen im Bauchbereich sollte tunlichst unterlassen werden, insbesondere dann, wenn die Stute deutliche Unmuts- bzw. Abwehrreaktionen erkennen lässt. Bei sehr empfindlichen Tieren kann dadurch nämlich sogar eine vorzeitige Wehentätigkeit ausgelöst werden.

Dasselbe gilt für länger dauernde Hufpflegemaßnahmen, weshalb auch die letzte Hufkorrektur spätestens 4 Wochen vor dem zu erwartenden Geburtstermin stattfinden sollte, um eine Überanstrengung der Stute zu vermeiden. Spätestens dann müssen auch die Eisen entfernt werden, denn sonst steigt die Verletzungsgefahr für das Fohlen enorm. Auch wenn Mutterstuten sehr darauf bedacht sind, nicht auf ihr Fohlen zu treten, so kann dies unter Umständen - vor allem bei noch etwas ungeschickten erstgebärenden Stuten - aber schon mal passieren, was allerdings bei unbeschlagenen Hufen und dicker Einstreu nur selten schlimme Folgen nachsichzieht.

Nun noch ein paar Worte zum Euter der hochträchtigen Stute. Dieses sollte natürlich ebenfalls von Zeit zu Zeit gereinigt und vor allem von Schlammspritzern und schmierigen Hautabsonderungen befreit werden. Keinesfalls darf aber der natürliche Verschluss der Milchgänge an der Spitze der Zitzen, der in den letzten Tagen vor der Geburt in Form von Harztropfen besonders deutlich sichtbar wird, entfernt werden, weil so zum Einen vermehrt Keime ins Euter eindringen können und zum Anderen möglicherweise auch der Milchfluss frühzeitig angeregt wird. Aus diesem Grund ist auch eine zu häufige und zu intensive Pflege mit gleichzeitiger Massage des Euters unbedingt zu vermeiden.

Worauf noch geachtet werden sollte, um die Lebensbedingungen der hochträchtigen Stute optimal zu gestalten, erfahren Sie dann nächste Woche von mir.




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