| | |  | | Erklärung der untergeschobenen Trachten |  |  |  |
| Wir hatten am 1. Tag die wesentlichen Zusammenhänge rund um den Pferdehuf kennengelernt: Angefangen von den Verhältnissen im gesunden (physiologischen) Zustand ging es zu Darstellungen in Lehrbüchern und dann im Zusammenhang mit Wirkungen von Beschlag und den Vorgängen nach Abnahme der Eisen zur Pathologie, also Deformationen, Verknöcherungen, Sehnenschäden, Abszessen und weiteren Symptomen bei kranken Pferdebeinen. Am harmlosesten wirkten dabei noch die Zusammenhänge zwischen Stellungsfehlern und Gliedmaßenführung. Einige Bilder von deformierten und schwer kranken Pferdebeinen waren drastisch, genauso wie erschreckende Sumpfblüten aus Industrie, Handwerk und Gewerbe, die dem Ahnungslosen die Korrektur dieser Fehler versprechen. Soviel vorab: Wer hier gut aufpaßt, hat nach diesem Praxistag einigen Tierärzten was voraus. Jedenfalls nach der Aussage von Chris, nach der Tierärzte in ihrem Studium an einer Sektion von Pferdebeinen nicht zwingend teilnehmen müssen. Die bekamen wir nämlich, mit normal und mit steil gestelltem Huf. Zur Einführung in diesen Tag gibt´s im Seminarraum eine kleine Werkzeugkunde. Es ist nicht viel, was der Mensch zur Barhufpflege braucht, aber es sollte gute Qualität sein. Mit den Hufmessern aus dem Billig-Pferdeversand wird man nicht glücklich, genauso wenig mit deren Raspeln. Aber die besten Hufmessern helfen nicht weiter, wenn sie stumpf sind. Zum Schärfen gibt es mehrere Möglichkeiten, jeder Hufheilpraktiker hat da sein System. Wer wollte, konnte die Grundausstattung zu einem günstigen Preis kaufen: Je ein Hufmesser, rechts und links, eine Raspel und - ganz wichtig - Handschuhe sind die Grundausstattung für den hobbymäßigen Gebrauch. Die Raspel entfällt vielleicht, wenn jemand "seinen" HHP gut kennt. Der Verschleiß ist im Profi-Einsatz hoch, und man kann manchmal eine noch recht brauchbare Raspel ergattern, die für Gelegenheitskorrekturen leicht langt. Die Wissenschaft des Schärfens muß auch nicht jeder zwingend erlernen. Wer nett fragt, dem wird manchmal auch von seinem HHP geschliffen... Gut, wir waren soweit gerüstet und jetzt ging es in den Hof, wo frische Pferdebeine schon warteten. Wir wußten ja, daß wir an toten Hufen üben durften, aber wenn man den Haufen Beine vor sich sah, die tags davor noch an Pferden dran waren, wurde es der Mehrzahl wirklich anders zumute. Jeder durfte sich ein Bein zum späteren Bearbeiten aussuchen und mit Folie ab dem Fesselgelenk aufwärts blutdicht einwickeln. Eines mit intakter Sehne reservierten sich Udo und Chris für ihre Lehrvorführungen. Keiner wußte, warum bei den meisten Pferdebeinen die Beugesehnen durchgeschnitten waren. Zwischendrin gab´s nochmal Entspannung im Seminarraum, weil die am Vortag versprochenen gebißlosen Zaumzeuge da waren und wir das Werkzeug und das Heunetz kaufen konnten. Aber dann ging es zu Sache. Chris schnappte sich sein Pferdebein und erklärte uns damit die Funktion der Straßer-Schablone, die bei der Bestimmung der richtigen Winkel am Huf hilft.
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