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Die 8jährige Pia Kutsch gewann das Mini Ridden Championship in Waregem/BEL · © 2008  
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Dukes Hill Prince Harry, Internationale, Waregem · © 2008  
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Rhystyd Dazzler auf der Royal Welsh · © 2008  
Rhystyd Dazzler auf der Royal Welsh
Züchten und "Showen"
Zwei Seiten einer Medaille

Zuchtschauen

Diskussion von   Eberhard Holin

Die Säulen der deutschen Pferde- und Pony-Zucht sind die bei der FN organisierten Zuchtverbände. Daneben haben sich zahlreiche Züchter und Freunde spezieller Pferde- und Pony-Rassen in Interessengemeinschaften zusammengefunden, um über die Belange ihrer speziellen Zucht sowohl nach Innen als auch nach Außen eine Gesprächsplattform zu schaffen und einen Informationsaustausch zu gewährleisten, gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln und neue Adressaten zu gewinnen.

Ein ideales Mittel, um die Züchter immer wieder für die Belange der eigenen Rasse und Zucht zu sensibilisieren und um neue Enthusiasten für ihre Zuchtprodukte zu gewinnen, sind die im jährlichen Rhythmus von den Zuchtverbänden regelmäßig durchgeführten Zuchtschauen, wie z.B. Fohlenchampionate und Elitestutenschauen auf Verbands- bzw. Landesebene.

So hatte die FN im Rahmen des Bundes-Pferdefestivals zu ihrer prestigeträchtigen Bundesstutenschau für Sportponys aus allen deutschen Zuchtgebieten Deutsche Reitponys, New Forest- und Welsh-Ponys aller Sektionen nach Warendorf eingeladen, um "die Kleinen nicht nur unter züchterischem Blickwinkel" sondern auch als vielseitig einsetzbare Sportkameraden dem Publikum, potenziellen Kunden und Käufern zu präsentieren.

Aber nicht nur die FN und die großen Zuchtverbände, sondern auch die meisten Interessengemeinschaften veranstalten in den Sommermonaten regionale Zuchtveranstaltungen und in der Regel auch Bundesschauen, um ihre eigene Mitgliedschaft zu mobilisieren und die Öffentlichkeit über ihre Zuchtprodukte zu informieren.

Warum Zuchtschauen?
Kein Zuchtfortschritt ohne Zuchtschauen


Mit der Durchführung von Zuchtschauen verfolgen die Interessengemeinschaften u.a. folgende Ziele:

  • Präsentation ihrer Zucht in der Öffentlichkeit
  • Gewinnung neuer Interessenten und Ausweitung ihrer Kundschaft
  • Sensibilisierung der Züchter für die allgemeinen und speziellen Belange ihrer Zucht
    (Informationsbörse für alle züchterischen Anliegen)
  • Schaffung von Vergleichsmöglichkeiten mit den Produkten der Konkurrenz
    (Hilfe zur eigenen Standortbestimmung)
  • Demonstration des gewünschten Rassestandards
  • Solidarisierung und Stärkung des Binnenklimas innerhalb ihrer Zucht-Organisation

Nicht wenige sprechen auch davon, dass Zuchtschauen "unerlässliche Orientierungshilfen für die jeweilige Zuchtleitung" sind, um sich über den Stand der Gesamtzucht in ihrem Verantwortungsbereich in Kenntnis zu setzen. Das gilt natürlich in gleicher Weise für den Vorstand einer Interessengemeinschaft, der möglicherweise hier Anlässe und Ideen für eine Revision seiner Verbandspolitik findet.

Schaumüdigkeit?

In den letzten Jahren wird von den Veranstaltern von Zuchtschauen für Pferde und von Pony-Zucht-Schauen über eine grassierende "Schaumüdigkeit" geklagt. Zurückgehende Ausstellerzahlen, reduziertes Engagement der Züchter, sinkende Bedeckungszahlen, schwächer werdendes Interesse des Publikums an Zuchtveranstaltungen (oft sind die Züchter und Aussteller unter sich) etc., sind Schlagworte, die immer wieder genannt werden, und das alles vor dem Hintergrund weiter schwindender finanzieller Ressourcen und immer schwieriger werdender beruflicher- und persönlicher Lebensumstände.

Im aktuellen Connemara-Magazin finden sich z.B. folgende Festellungen:

Zur Native Pony Show in Schönbach
  • "Fazit: Eine wieder einmal sehr gut organisierte Schau bei bestem Wetter. Ich frage mich nur, warum immer weniger Ponybesitzer den Weg nach Schönbach finden? Es waren gerade einmal 122 Ponys genannt, früher traf man hier 400 und mehr."


Zur Bundesstutenschau für Sportponys in Warendorf 2005
  • "Es setzte sich die allgemeine Tendenz fort, dass die Züchter (und Zuschauer) immer weniger Interesse an den Zuchtschauen haben. Ist doch die Teilnahme dort nicht zuletzt mit großem finanziellem und Zeitaufwand verbunden. Übrigens schöpfte keine Rassegruppe ihr Kontingent voll aus. Bei den Reitponys wurden 82% der Startplätze genutzt, bei den Welsh waren es 87%. Die Connemaras nannten zu 64% und bei den New Forests waren es nur 54%. "

Quelle: Connemarapony Magazin, Hrsg. Connemarapony Vereinigung, e.V., Jüchen, Ausg.3-2005, S.28 und S.31.

Alarmglocken läuten

Auf der Bundesschau der IG Welsh 2005 starteten in den Zuchtklassen lediglich

6 A-Hengste 5 B-Hengste 1 C-Hengst 2 D-Hengste 1 Pb-Hengst

obwohl bei den deutschen Zuchtverbänden Ende Dezember 2004

122 A-Hengste 161 B-Hengste 26 C-Hengste 98 D-Hengste

registriert waren.

Es sei auch daran erinnert, dass in Sachsen in 2005, 2004 und 2003 keine Welsh- Regionalschauen stattgefunden haben, ebenso in Schleswig-Holstein 2004 und 2005. Insider prophezeihen, dass sich dieser negative Trend in beiden Zuchtgebieten leider auch in 2006 fortsetzen wird. 1996 hatten auf der Regionalschau Sachsen in den Zuchtklassen noch 67 und in den Zuchtklassen der Schau in Schleswig-Holstein 116 Welsh-Ponys und -Cobs(!) teilgenommen.

Zu wenig Professionalität

Ein wirksames Mittel gegen negative Trends sind "Revitalisierungskampagnen", und die setzen Bestands- und Marktanalysen und klare Zieldefinitionen voraus:

  • Wo liegen die Stärken und Schwächen der Zuchtgemeinschaft?
  • Mit welchen besonderen Maßnahmen können in überschaubaren Zeiträumen Mitglieder wieder aktiviert und neue Interessenten für die Rasse und das Vereinsleben gewonnen werden?
  • Welche Faktoren belasten das Binnen-Klima der Zuchtgemeinschaft? Agieren in einer Regionalgruppe "Seilschaften" gegeneinander, leiden darunter immer die Nennungszahlen der jeweiligen Regionalschau.
  • Vertritt das Management die Interessen möglichst vieler Mitglieder oder geht es mehr um die Durchsetzung der Interessen Einzelner?
  • Es ist dringend erforderlich auch im Konflikt-Management Prioritäten zu setzen, Randprobleme erledigen sich oft allein. Die strategische Aufstellung der IG muss dringend offen und freimütig thematisiert werden.

Die strategische Aufstellung einer Interessengemeinschaft stabilisiert nach innen und außen. Der Kontakt zur Society und zum "Genpool" des Ursprungslandes ist besonders wichtig. Alle Nachzuchten laufen Gefahr, etwa ab der dritten Generation wegen der unterschiedlichen Haltungs-, Fütterungs- und anderen klimatischen Bedingungen ihren Phänotyp zu verändern.

Auch der starke Einsatz der Nachzuchten im Freizeit- und herkömmlichen Turniersport führt auf Dauer zu Veränderungen von Ex- und Interieur-Eigenschaften. Die ursprünglichen rassetypischen Merkmale beginnen diskret zu verschwinden. Auch aus diesen Gründen kommt es häufig zu erheblichen Verstimmungen und Dissonanzen auf Zuchtschauen, wenn Richter aus dem Mutterland und Verbandsrichter in ihren Urteilen offensichtlich auseinander liegen. Eine Interessengemeinschaft, die ohne eigene Positionen in diesem widersprüchlichen Kräftefeld nicht zukunftsorientiert leichtfertig und unglücklich agiert, wird auf Dauer ihre "innere Balance" und damit ihre Daseinsberechtigung verlieren. Die Mitglieder wandern ab und wenden sich immer stärker den FN-Zuchtverbänden zu. Wo bleibt das Eigen-Profil der IG?

Deutlich sichtbares Verbandsprofil

Gerade die kleineren Interessengemeinschaften mit schwächeren Pony-Populationen kommen ohne ein deutlich sichtbares und unverwechselbares Verbandsprofil nicht aus. Die Reduzie rung einer Rasse nahezu ausschließlich auf ihre Verwendung im Freizeitbereich ist langfristig mit Bestands- und Qualitätsabnahme verbunden. Der Einsatz der englischen Pony-Rassen im herkömmlichen Turniersport ist der eigentliche Hebel um alte Märkte zu halten und neue zu erschließen. Der Katalog von zu optimierenden Maßnahmen reicht von einem stärker an den Bedürfnissen der Mitglieder orientierten Führungsverhalten des Managements bis hin zu einer qualifizierten und permanent agierenden Öffentlichkeitsarbeit usw...

Die Zuchtgemeinschaft muss mit ihrer Rasse kontinuierlich am "öffentlichen Markt" präsent sein. Ein jährlicher Schaubericht (oft mit nur einem kläglichen Foto) in der überregionalen Presse und eine spärlich besuchte jährliche Mitgliederversammlung reichen nicht aus, um eine Interessengemeinschaft nach außen und innen auf Dauer erfolgreich zu positionieren. In der öffentlichen Darstellung muss der Facettenreichtum der "besonderen Rasse" und im Umgang die Akzeptanz eines jeden Mitglieds durch die Zuchtgemeinschaft deutlich spürbar sein.

Die Zuchtgemeinschaften sollten sich auf ihre Kernfelder konzentrieren:
  • Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die ihren Namen verdient
  • Harmonisierung des Binnenklimas
    (Ausgrenzungsstrategien helfen nicht weiter)
  • Entscheidungsprozesse von unten nach oben kommunizieren,
  • rückhaltlos informieren und Mitglieder nicht mit vollendeten Tatsachen konfrontieren
  • Kritik als Bereicherung akzeptieren und auf Fragen Antworten geben
  • Verantwortung delegieren
  • Satzung überarbeiten etc

Was ist außerdem zu tun?

Eine Zuchtschau sollte sowohl vor als auch nach der Schau nicht nur in der örtlichen Presse mit entsprechenden Fotos thematisiert werden (echte Hingucker!). Dazu kommen nach Möglichkeit das ansprechende Ambiente eines bekannten Ausstellungsortes, wie zum Beispiel im Rheinland das Gelände des Schlosses Wickrath, oder das weitläufige Reiterwaldstadion des Pferdezentrums Vechta, und eine perfekte Organisation. Auf den Schauen werden zumindest die Siegertiere mit Schärpen und Pokalen, und die übrigen mit Plaketten, den entsprechenden farbigen Schleifen usw. dekoriert. Billigware ist hier fehl am Platz, denn besonders Neumitglieder stehen diesem schmückenden Beiwerk meistens sehr aufgeschlossen gegenüber.

Einige Pony-Interessengemeinschaften, wie z.B. die IG Welsh, bieten auf ihren Zuchtschauen neben den verschiedenen Zuchtklassen auch gerittene und gefahrene Prüfungen an. Die Interessenten sollen die Tiere nicht nur an der Hand als Zuchtprodukte, sondern auch unter dem Sattel und vor der Kutsche erleben. In den letzten Jahren wird für den züchterischen Nachwuchs auch immer häufiger das sogenannte Juniorhandling angeboten. Nach Altersgruppen geordnet, führen die Kinder im Viereck ihre Ponys an der Hand und präsentieren sie nach Anweisung den Richtern im Schritt, im Trab und im Stand.




© Text und Fotos von   Eberhard Holin
Ursprünglich erschienen auf » www.welsh-pony.de




Siehe auch  Vorgestellt: Schleppjagd  Reise: Nebo  Vorgestellt: Tetworth  Turnier: Rolinck-Cup  Vorgestellt: Arvalon  Turnier: Reitturnier  Diskussion: IG Welsh, Offener Brief  Vorgestellt: Karl-Heinz Wiemer  Bericht: Freifrau von Redwitz  Bericht: Tizian  Bericht: Dortmund 2007  Bericht: Wettringen




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©1999-2006 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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