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Heidi Keppel
 
 
Zucht mit Freizeitpferden
Teil 4
Von   Heidi Keppel

Letzte Woche haben wir uns vorrangig damit beschäftigt, wie man einen passenden Hengst für seine Stute findet, wie das Decken üblicherweise gehandhabt wird und welche Gefahren dabei für den Hengst bestehen können. Diese Woche wollen wir vor allem die Auswirkungen der verschiedenen Deckpraktiken auf die Stute näher betrachten, und zwar sowohl vom körperlichen als auch vom seelischen Bereich aus, da besonders Letzterer in den diesbezüglichen Überlegungen oft vernachlässigt wird.

Außer der künstlichen Besamung - die aber bei Freizeitpferden aufgrund des hohen Aufwandes eher seltener praktiziert wird - gibt es den Natursprung, bei dem sich Stute und Hengst innerhalb einer Herde oder auch nur als Paar auf einer Koppel frei bewegen und den Zeitpunkt des Deckaktes selbst bestimmen können, und den sog. Sprung aus der Hand, wo der Deckhengst am Führzügel an die Stute herangeführt wird und der Deckakt ohne jegliches natürliches Werberitual innerhalb weniger Augenblicke erfolgt. Die Stute wird dabei entweder auch einfach nur am Kopf festgehalten oder befindet sich in einem sog. Zwangsstand bzw. wird mit einer speziellen Hinterhandfesselung versehen, damit sie den unvermutet auf sie aufspringenden Hengst nicht abwehren und treten kann.

Während der Hengst so vor einer Verletzung durch die Stute geschützt ist, kann umgekehrt keine Rede davon sein, die Stute ist vielmehr dem Gebaren des Hengstes vollkommen ausgeliefert und kann so - je nach Temperament des Hengstes - sowohl Biss- als auch Scheidenverletzungen davontragen, dies vor allem auch dann, wenn Hengste bei dieser auch für sie nicht wirklich befriedigenden Deckpraxis mit der Alter immer aggressiver werden.

Eine weitere Gefahr besteht auch darin, dass sich die Stute selbst Verletzungen zufügt, wenn sie gegen die Fesselung oder den Zwangsstand ankämpft. Ich war selbst schon einmal Zeuge, als eine panische Vollblutstute bei so einer Aktion die stabilen Holzplanken des Zwangsstandes einfach durchgetreten und sich dabei die Beugesehnen der Hinterhand stark verletzt hat. Eine andere mir bekannte Stute hat sich wiederum beim Kampf gegen die Fesseln einen Lendenwirbel so stark verschoben, dass sie danach wochenlang nicht mehr reitbar war. Auch wenn Fachleute oft betonen, dass es sich dabei um sichere Methoden handelt, sollte man sich diese Gefahren doch vor Augen führen.

Außer diesen körperlichen Verletzungsmöglichkeiten sollte man außerdem die Auswirkungen auf die Psyche der Stute bedenken, bevor man sich für eine solche Form der Bedeckung entscheidet. Sehr viele Stuten tragen nämlich von diesen ‚Vergewaltigungen' mehr oder weniger starke Traumen davon, die mit erhöhter Schreckhaftigkeit, Nervosität und/oder Angst vor anderen Pferden einhergehen. Dass sich dies in weiterer Folge auch negativ auf das ungeborene Leben auswirkt, wollen leider nur sehr wenige Menschen wahrhaben, aber es kommt sicher nicht von ungefähr, dass gerade solcherart traumatisierte Stuten meist überängstliche Fohlen zur Welt bringen.

Empfehlenswert sind solche gewaltsamen Deckmethoden jedenfalls nicht und sollten vor allem sehr sensiblen Stuten keinesfalls zugemutet werden. Allenfalls sehr ruhige Tiere, die auch ohne menschliches Zutun sofort bereitwillig stehen bleiben, wenn sich ihnen ein Hengst nähert, leiden unter dieser Behandlung nicht besonders, doch gerade bei ihnen sind diese Vorsichtsmaßnahmen wiederum völlig unnötig.

Allgemein sollte man also dem Natursprung den Vorzug geben, da er nicht nur das Natürlichste und Angenehmste für die Pferde ist, sondern außerdem durch die das Hormonsystem anregende Bewegung eine bessere und schnellere Befruchtung bewirkt, womit ein Nachdecken meist nicht mehr erforderlich ist. Körperliches und seelisches Wohlbefinden von Stute und Hengst werden dabei gefördert und dies hat natürlich auch einen positiven Einfluss auf den Nachwuchs.

Einzige Einschränkung von dieser Regel sind Erstlingsstuten, die über ein sehr dominantes Verhalten verfügen, denn sie entziehen sich bisweilen auch über viele Tage hinweg geschickt dem Deckakt. Ist jedoch ein gutes Vertrauensverhältnis zum Besitzer vorhanden, so genügt oft ein einfaches Festhalten am Kopf, um sie doch zum Stillhalten zu bringen. Haben sie dann erst einmal begriffen, dass ihnen eigentlich nichts Schlimmes passiert, geht der nächste Deckakt auch ohne Hilfe problemlos über die Bühne.

Zeigen sich Stuten jedoch extrem ungebärdig und abwehrend, dann ist anzunehmen, dass sie unter einem hormonellen Problem oder irgendwelchen Erkrankungen des Geschlechtsapparates - meist handelt es sich um Zysten an den Eierstöcken - leiden. Solche Tiere gehören zuerst ausreichend therapiert und dann stellt in fast allen Fällen auch der Deckakt keine besondere Schwierigkeit mehr dar.

Wie es nach erfolgreicher Befruchtung im Idealfall weitergehen sollte und welche Anforderungen eine trächtige Stute an Haltung und Fütterung stellt, schauen wir uns dann nächste Woche genauer an.




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