
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 3 Von › Heidi Keppel
Vorige Woche habe ich schon angesprochen, worauf man als Hobbyzüchter bei der Hengstwahl achten sollte, doch nun stellt sich die Frage, wo man denn nun ein Exemplar, das diesen Anforderungen entspricht, findet und was alles bedacht werden sollte, damit die Bedeckung dann auch tatsächlich erfolgreich über die Bühne gehen kann.
Wenn man als Freizeitreiter seine Stute - von der ja oftmals nicht einmal die Rasse, geschweige denn die genaue Abstammung bekannt ist - decken lassen möchte, steht man meist vor dem Problem, erst einmal einen passenden Hengst ausfindig zu machen, denn selbst wenn man tatsächlich die hohen Deckgebühren in Kauf nehmen würde, so sind zumindest die Besitzer von Spitzenhengsten selten bereit, Stuten unbekannter oder unbedeutender Abstammung den kostbaren Samen ihrer edlen Tiere zukommen zu lassen, da ein daraus entstehendes möglicherweise nicht dem Zuchtziel entsprechendes Fohlen den guten Ruf des Hengstes schmälern könnte.
Bleibt also dem Stutenbesitzer mit Zuchtambitionen nur die Möglichkeit, sich bei anderen Hobbyzüchtern umzusehen, ob diese vielleicht einen passenden Hengst anzubieten hätten, oder den näheren Umkreis nach einem Reithengst abzusuchen, der vielleicht für eine solche einmalige Bedeckung in Frage käme. Beide Alternativen gehören aber wohlüberlegt, da sie sowohl ihre Vor-, als auch ihre Nachteile haben.
Einen passenden Reithengst zu finden und dessen Besitzer dann auch noch dazu zu überreden, diesen für den Deckakt zur Verfügung zu stellen, ist eine äußerst schwierige und selten von Erfolg gekrönte Angelegenheit, da es dabei auch wirklich viele Punkte zu bedenken gilt. Vor allem der Hengstbesitzer geht dabei ein mehrfaches Risiko ein. Zum Einen ist es nämlich eine unbestrittene Tatsache, dass ein Hengst - und war er auch bislang das reinste Engelchen im Umgang und beim Reiten - nach einem geglückten Deckvorgang verstärktes Interesse am anderen Geschlecht zeigen und in Folge oftmals auch widersetzliches Verhalten an den Tag legen wird, wenn ihm dieser ersehnte Kontakt vom Besitzer bzw. Reiter dann nicht mehr gestattet wird.
Zum Anderen besteht natürlich auch ein gewisses Verletzungs- und Infektionsrisiko für den Hengst, wobei bei jungfräulichen Stuten die Ansteckungsgefahr relativ gering ist, aber dafür Verletzungen durch angstvolles Ausschlagen schon durchaus mal vorkommen können. Ist der Hengst flink und geschickt, so werden ihn die Hufe der Stute zwar meist auf der muskelbepackten und relativ unempfindlichen Vorderbrust treffen, doch bisweilen kann es schon auch zu gefährlicheren Verletzungen im Kopf- oder Beinbereich kommen. Dies kann natürlich sowohl bei der natürlichen Bedeckung auf der Weide bzw. Koppel, als auch beim sog. Sprung aus der Hand passieren, wobei dabei natürlich auch noch die Verletzungsgefahr für den Hengsthalter hinzukommt.
Gänzlich vermeiden kann man dies - rein technisch betrachtet - eigentlich nur durch das fachgerechte und in den meisten Zuchtbetrieben deshalb routinemäßig praktizierte Fesseln der Stute, doch gerade dann, wenn zwei jungfräuliche Tiere aufeinandertreffen, kann damit der Deckakt zu einer sehr langwierigen Angelegenheit werden, weil dem Hengst dadurch der natürliche Anreiz fehlt und er - so unglaublich es für manche auch klingen mag - oftmals nicht recht weiß, was er zu tun hat. Außerdem ist bei dieser Art der Bedeckung wiederum für die Stute eine erhöhte Verletzungsgefahr gegeben, doch darüber werde ich im nächsten Tipp noch ausführlicher sprechen.
Wurde die Stute früher schon mal gedeckt, dann ist das Verletzungsrisiko für den Hengst meist eher gering, wenn man den wirklich geeigneten Deckzeitpunkt abwartet, doch dafür besteht vermehrte Ansteckungsgefahr für den Hengst, wenn nicht zuvor ein Tierarzt genaue Untersuchungen und gegebenenfalls auch Behandlungen bei der Stute durchgeführt hat. Ist man diesbezüglich nachlässig und leichtsinnig, so kann sich der Hengst beim Deckakt durchaus mit Keimen anstecken, die bei der Stute keine nennenswerten Krankheitssymptome hervorgerufen haben, bei ihm aber möglicherweise hartnäckige und schmerzhafte Entzündungen des Urogenitalapparates bewirken können.
Alles in allem gesehen ist es also durchaus verständlich, wenn private Hengsthalter solche Liebesdienste meist dankend ablehnen, sodass damit dem verzweifelten Stutenbesitzer nur die Suche nach einem geeigneten Hobbyzüchter bleibt. Hierbei ist allerdings höchste Vorsicht geboten, damit in diesem Fall nicht die Stute die Leidtragende ist und sich womöglich beim Hengst eine Infektion holt, die nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern unter Umständen auch die des ungeborenen Fohlens gefährden kann. In ganz schlimmen Fällen ist auch ein Abortus möglich.
Hengste, die auch für Stuten freigegeben werden, welche keine negative Tupferprobe vorweisen können, sollten aus diesem Grund tunlichst vermieden werden, denn sie sind sehr oft mit verschiedensten Keimen belastet, welche sich ebenfalls nicht in einer sichtbaren Erkrankung äußern müssen. Ein gesund aussehender Hengst muss also keineswegs automatisch frei von Krankheitserregern sein, sondern kann diese sehr wohl - genau wie die Stuten - still in sich tragen. Bei solchen unkontrollierten Bedeckungen ist also immer Vorsicht geboten!
Damit hätten wir besprochen, worauf beim Deckakt zu achten ist, damit Stute und Hengst möglichst keinen körperlichen Schaden erleiden, nächste Woche möchte ich mich dann etwas mehr mit dem seelischen Bereich beschäftigen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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