In den letzten drei Wochen haben wir uns mit einer anscheinend unabwendbaren Entwicklung auf dem Gebiet der Reproduktionstechnik beschäftigt. Künstliche Besamung ist alltägliche Praxis, vor allem im Bereich der hochpreisigen Sportpferde, wo im Regelfall etwas anderes gar nicht mehr angeboten wird. Diese ist unter Züchtern und Hengsthaltern anscheinend widerspruchslos akzeptiert; Embryotransfer ist medizinisch gesehen Routine, aber noch nicht ganz so verbreitet - das wird sich vermutlich bald ändern. Die Sachzwänge sind einfach nicht von der Hand zu weisen. Es gibt keine Alternative. Die derzeitige Entwicklung ist die logische Folge der gesamten züchterischen Aktivität. Man mußte den Eindruck gewinnen, daß der sogenannte Natursprung (= Natursprung an der Hand) nur noch von Amateuren im unteren Marktsegment praktiziert wird und bald der Vergangenheit angehört. Aber schon der Natursprung hat trotz seines Namens eigentlich nichts Natürliches mehr an sich. Man kann mit gutem Recht von systematischer Verkuppelung und Vergewaltigung sprechen, und zwar bei beiden Geschlechtern (siehe dazu auch Leserbrief 1643, Leserbrief 1645). Warum ist mir bei dieser gesamten Diskussion unbehaglich? Wenn man die allseits bekannten und nirgendwo in Frage gestellten Verhältnisse unter Pferden auf den Menschen überträgt, wird die Situation erst richtig begreiflich. Lassen Sie uns also dieses Modell als Utopie durchspielen. [...]
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