Susanne Hennig wertet die Olympischen Wettbewerbe in Moskau eindeutig ab:
| In manchen Sportarten ist der Olympiasieg nicht viel wert, da die Besten ihrer Disziplin fehlen. Dies gilt insbesondere für die Reiterspiele. Die Sportler der Sowjetunion gewinnen alle Mannschafts-Goldmedaillen, in der Einzelwertung siegen der Pole Jan Kowalczyk (Springen), die Österreicherin Elisabeth ("Sissi") Max-Theurer (Dressur) und der Italiener Euro Federico Roman (Vielseitigkeit).
Die wahren Größen des Pferdesportes treffen sich auf Alternativmeisterschaften, als sogenannte Festivals bezeichnet. Im August 1980 ermitteln die Springreiter ihren "Ersatz-Olympiasieger" (Hugo Simon) in Rotterdam. Das deutsche Team plaziert sich an vierter Stelle, den vierten Platz in der Einzelwertung erzielt Paul Schockemöhle mit Deister.
Die Dressurreiter starten im britischen Goodwood. Das deutsche Team kann zwar seine Erfolgsserie mit dem Gewinn der Mannschaftsmedaille fortsetzen, muß aber erneut der Schweizerin Christine Stückelberger und Granat den Vortritt bei der Vergabe der Einzel-Goldmedaille lassen. Silber und Bronze erzielen Dr. Uwe Schulten-Baumer jun. mit Slibovitz und Reiner Klimke mit Ahlerich.
Die Militaryreiter Otto Ammermann, Harry Klugmann, Rüdiger Schwarz und Karl Schultz reiten in Fontainebleau zu Mannschafts-Silber. Daß diese Veranstaltung den Vielseitigkeitssport in Verruf bringt und Tierschützer empört, liegt nicht am Schwierigkeitsgrad der Geländeprüfung. Der Kurs fordert zwar überlegtes Reiten, ist aber durchaus championatswürdig und von guten Reitern zu bewältigen. In Fontainebleau zeigt sich einmal mehr, welche verheerende Auswirkung mangelnde Erfahrung von Reitern und Pferden in anspruchsvollen Querfeldeinstrecke hat: Zahlreiche schwere Stürze, viele verletzte Pferde und sechs Reiter im Krankenhaus sind eine Bilanz, die sich der Sport nicht leisten kann. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 213/214 | | |
|  | | Los Angeles 1984, Dietmar Hogreve |  |  |  |
| |  | | Querfeldeinstrecke, Geisterstadt |  |  |  |
| Das Fernbleiben der Ostblockstaaten bei den Olympischen Spielen in Los Angeles wird von Hennig gar nicht erst erwähnt. Der Ostblock spielt für sie keine Rolle.
Dabei erreichten die Rumänen, die als einzige aus dem Ostblock teilnahmen, in der Nationenwertung vor der Bundesrepublik Deutschland den zweiten Platz. Vier Jahre zuvor, in Moskau, waren sie abgeschlagen auf Platz sieben gelandet, immerhin noch knapp vor Frankreich.
Aber in unserem Zusammenhang interessieren nicht die Nationen, nicht die Hunderte von Wettbewerben, sondern nur die Reiterei. Und da sah es für die deutschen Reiter nicht besonders gut aus, außer bei der Dressur, wo sie wieder überlegen zweimal Gold einheimsen konnten:
| Jahr | Wettbewerb | Ort | Disziplin | Rang Mannschaft | Rang Einzel | 1984 | Olympische Spiele | Los Angeles | Dressur | Gold | Gold | | Springen | Bronze | | | Vielseitigkeit | Bronze | | | » Olympische Sommerspiele 1984/Reiten | Im Springen dominierten die Amerikaner:
| Der US-Amerikaner Joe Fargis und die 17-jährige Vollblutstute Touch of class, die weit mehr als nur einen Hauch von Klasse offenbart, dominieren alle Prüfungen in überragender Manier. Nur ein Paar kann ihnen das Wasser reichen: Landsmann Konrad Homfeld und der 14-jährige Trakehner Schimmelhengst Abdullah, der in Deutschland gezeugt wurde und in den USA zur Welt kam. Homfeld und Abdullah unterliegen Fargis und Touch of class im Stechen um Gold in der Einzelwertung. Die Medaillen bleiben gewissermaßen in der Familie. Die beiden Reiter leben und arbeiten zusammen, reiten gemeinsam ihre Pferde und unterstützen sich gegenseitig im Wettbewerb. Beeindruckend ist vor allem ihr Springstil: Feinfühlig, elegant und geschmeidig steuern sie die stets zufrieden wirkenden Pferde durch die Parcours - springsportliche Lehrstunden für den Rest der Welt. a.a.O., Seite 219/220 | | |
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