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Heidi Keppel
 
 
Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Verdauungsstörungen VIII
Von   Heidi Keppel

In den letzten Wochen habe ich nun schon fast alle möglichen Verdauungsstörungen des Pferdes und auch diverse homöopathische Arzneien, die sich für deren Behandlung eignen, näher besprochen, nun bleibt mir im Magen-Darm-Bereich nur noch ein Krankheitsbild übrig, die Obstipation, also die Darmverstopfung.

Bemerkt und ernst genommen wird eine solche Verstopfung meist erst dann, wenn sich zusätzlich Koliksymptome oder gar ein teilweiser bzw. völliger Darmverschluss einstellen. Leichte Fälle werden hingegen oft übersehen bzw. als normal eingestuft, solange das Pferd sonst keine Krankheitssymptome zeigt. Nur die wenigsten Menschen wissen, dass Pferdeäpfel eher weich und locker sein und beim Aufprall auf den Boden ein wenig zerfallen sollten.

Kleine, sehr feste, mitunter stark eingetrocknete Kotballen - meist auch in Verbindung mit mehr oder weniger starken Blähungen - zeigen bereits Verdauungsstörungen an, die an fehlerhafter bzw. einseitiger Fütterung (z.B. zuviel Stroh), zuwenig Wasseraufnahme oder auch an Darmträgheit liegen können. In manchen Fällen sind auch Darmhindernisse, wie z.B. alte Narben von Kolikoperationen, oder eine generelle Darmenge die Ursache für eine akute oder chronische Darmverstopfung.

Hier ist unter Umständen eine regelmäßige Beifütterung von Leinsamen ratsam, um den Kot gleitfähiger und damit leichter passierbar zu machen. Auch feuchte Kleie wirkt verdauungsfördernd, trockene Kleie allerdings verstopfend - also Vorsicht! Die Anwendung von Glaubersalz und anderen darmanregenden Mitteln ist dagegen bei anatomischen Problemen nicht empfehlenswert, da es dadurch eher zu Krämpfen anstatt zu einer Erleichterung kommen kann.

Manche homöopathischen Arzneien hingegen können auch in solchen Fällen eine sehr gute Wirkung zeigen und unter Umständen neben der Behebung der Verstopfung auch eine Heilung der ursächlichen Störungen bewirken. Natürlich sollte eine solche Behandlung aber möglichst immer mit einer genauen Untersuchung durch einen erfahrenen Pferdetierarzt und der Beratung einer homöopathisch geschulten Fachkraft einhergehen.

Eines der wichtigsten Homöopathika ist auch bei dieser Art von Verdauungsstörungen Nux vomica D6, da es generell eine regulierende Wirkung auf den gesamten Verdauungsapparat besitzt. Kleine, dunkle, sehr harte Kotballen, eine stark gespannte Bauchdecke mit Anhäufung großer Gasmengen und vor allem schmerzhafte Verspannungen der Rückenmuskulatur sind Symptome, die für die Anwendung dieses Mittels sprechen. Meist kann man schon nach einer einzigen Gabe eine deutliche Besserung bemerken, da es im Normalfall sehr schnell zu einem Blähungs- und Kotabgang kommt. Trotzdem ist fast immer zumindest eine mehrtägige Behandlung (2-3mal täglich 10-15 Tropfen) anzuraten, um den Darm richtig zu sanieren.

Eine Kombination mit Carbo vegetabilis D6 ist auch hier wiederum empfehlenswert, vor allem dann, wenn der Kot mit Schleim überzogen oder durchsetzt ist und extrem starke, übel riechende Blähungen vorhanden sind bzw. wenn zusätzlich auch noch eine Kreislaufschwäche mit Wasseransammlung in den Beinen und laute Darmgeräusche zu bemerken sind. Leichte Bewegung an der frischen Luft ist für solche Pferde ganz besonders wichtig, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und den Blähungsabgang zu fördern.

Carbo vegetabilis eignet sich übrigens auch sehr gut, um eine verzögerte Darmpechausscheidung beim Fohlen in Gang zu setzen. Dabei genügen etwa 7-10 Tropfen und maximal 2-3 Gaben im Abstand von jeweils 1 Stunde, ansonsten wird auch dieses Mittel am besten in derselben Dosierung wie Nux vomica angewandt.

Bei oftmaligem erfolglosem Kotdrang und ebenfalls kleinen schleimüberzogenen Kotballen kann aber auch Plumbum aceticum D6 das Mittel der Wahl sein, nämlich dann, wenn begleitend zur akuten Darmverstopfung keine Blähungen zu bemerken sind und der Bauch eher aufgezogen ist. Für dieses Mittel spricht auch, wenn sich das Pferd nicht bewegen will und sich beim Führen benommen zeigt und oft stolpert. Meist sind damit auch Ischiasbeschwerden oder ein starker Muskelkater vergesellschaftet. Wärme, Ruhe und ein festes Reiben des Bauches können hier Erleichterung bringen. Mehrere halbstündliche Gaben (wieder jeweils 10-15 Tropfen) sollten den akuten Notfall beheben, möglicherweise ist aber auch hier eine mehrtägige Nachbehandlung in derselben Weise wie bei den zuvor genannten Arzneien erforderlich.

Bei sehr hartnäckigen, chronischen Verstopfungen mit fehlender Darmperistaltik, vor allem bei älteren, mageren Pferden, hat sich Alumina D6 bewährt. Meist sind dabei auch trockene, schuppige Haut an Mähne, Schweif und Kruppe und trockene Schleimhäute, sowie ein entzündeter After zu bemerken. Eine 2-3malige Einnahme täglich von jeweils 10-15 Tropfen ist auch dabei meist über einen längeren Zeitraum nötig.

Im Gegensatz dazu ist die Verabreichung von Graphites D6 besonders bei fetten, gefräßigen und faulen Tieren angesagt, wobei aber auch hier eine starke Ekzemneigung besteht und der After entzündete, tiefe Einrisse zeigt. Reichliche, übel riechende Blähungen, ein aufgetriebener Bauch und morgens angelaufene Beine runden das Gesamtbild ab, welches nach Graphites verlangt, wobei Stuten vor allem während der Rosse eine deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes aufweisen. Die Dosierung erfolgt genau wie bei Alumina.

Wenn Verstopfung während der Rossezeit mit hysterischem, nymphomanischem Verhalten einhergeht, dann hilft am besten Platinum D12 (1-2mal täglich 10-15 Tropfen) oder auch Platinum D30 (1mal täglich 10 Tropfen), wobei hier die Einnahme am besten auf die Rossetage beschränkt wird.

Das letzte Mittel, das ich heute hier besprechen möchte, ist vor allem in ganz aussichtslosen Fällen angezeigt, wenn die Darmperistaltik völlig zum Stillstand gekommen ist oder ein sich nicht lösen wollender Krampf bzw. eine Anschoppung besteht. Insbesondere bei Entstehen dieses Krankheitsbildes aufgrund einer starken Aufregung des Pferdes kommt hier Opium D30 3-4mal im halbstündlichen Abstand (jeweils 10 Tropfen) zum Einsatz. Hauptsymptom ist dabei vor allem eine Apathie, die aber bei Einwirkung äußerer Einflüsse (Licht, Geräusch, Berührung und Zwangsmaßnahmen) rasch in ein extrem schreckhaftes Verhalten verwandelt werden kann.

Zusätzlich zu diesen Arzneien, die hauptsächlich ganz spezifisch bei Darmverstopfung verwendet werden, haben sich auch einige typische Lebermittel zur Behandlung dieser Verdauungsstörung bewährt, da sie auf den Leberstoffwechsel und damit auch auf die Enzymbildung anregend und auch allgemein entgiftend wirken. Diese Homöopathika werde ich Ihnen dann nächste Woche zusammen mit anderen Arzneien für die Leber vorstellen.




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