
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Dieses Buch ist für Kaltblutpferdefreunde unwiderstehlich. Für heutige Verhältnisse erstaunlich umfangreich, gebunden, um auch bei häufiger Benutzung lange zu halten, mit vielen sinnvollen Informationen. Wer sich für Kaltblüter nicht sonderlich interessiert, kann für dieses Buch bestimmt nicht begeistert werden. Wer aber in seiner Vorliebe für Pferde noch nicht so ganz festgelegt ist, kann in diesem Buch finden, was in allen anderen Büchern über Pferde notgedrungen fehlt.
Zum Beispiel allein eine sorgfältige Diskussion einer ganzen Reihe von Kaltblutrassen:
- Altmärkisches Kaltblut
- Ardenner Kaltblut
- Nord-Ardenner Kaltblut
- Belgisches Kaltblut
- Bretone
- Clydesdale
- Comtois
- Finnpferd
- Freiberger
- Mecklenburger Kaltblut
- Noriker
- Percheron
- Pfalz-Ardenner Kaltblut
- Rheinisch-Deutsches Kaltblut
- Rheinisch-Westfälisches Kaltblut
- Sächsisch-Thüringisches Kaltblut
- Schleswiger Kaltblut
- Schwarzwälder Kaltblut
- Shire Horse
- Süddeutsches Kaltblut
- Flämig-Ardenner Gruppe
- Norische Gruppe
- Britische Gruppe
- Nordische Gruppe
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Ungewöhnlich ist die Vorstellung verschiedener Menschen mit ihren Kaltblütern; auf Seite 13 z. B. Katja Eckert, die als Schülerin des Reitinstitut von Egon von Neindorff mit ihren beiden Comtois-Hengsten klassische Dressur reitet und durch Zufall zu Kaltblütern gekommen ist, da ihr Mann zwei davon zum Reiten und Holzrücken besaß.
Kaltblüter sind natürlich in erster Linie Pferde und haben als solche dieselben Bedürfnisse und Eigenschaften wie andere Pferde auch. Aber sie unterscheiden sich auch von Ponies und Warmblütern:
| Nebenbei bemerkt
Ihnen wird bei den Rasseporträts sicher gleich noch auffallen, daß bezüglich des Bewegungsablaufes eigentlich immer nur die Rede von Schritt und Trab ist. Ja, können den Kaltblüter nicht galoppieren? Klar können sie, aber die Rassenbeschreibung beschränkt sich aus gutem Grund auf nur zwei der drei Grundgangarten.
Aufgabe des Kaltblutes war insbesondere der Transport schwerer Lasten, und das geht nun einmal nur im Schritt. Ob und wie die schweren Jungs galoppieren konnten, interessierte deshalb früher niemanden besonders. Der Schritt ist daher die wichtigste Gangart der Kaltblüter - die aus diesem Grund auch als Schrittpferde bezeichnet werden -, bei den Leicht gewichten unter den Dicken spielte allerdings auch der Trab immer schon eine große Rolle. Sie wurden, vergleichbar mit dem Schweren Warmblütern, auch früher schon zum Fahren und Reiten genutzt. Heute, wo mehr und mehr Kaltblüter auch im Freizeitbereich eingesetzt werden, stehen Schritt und Trab oft gleichberechtigt nebeneinander. Natürlich dürfen Sie Ihren Dicken auch mal ordentlich im Galopp ausgreifen lassen, aber vergessen Sie dabei nicht, daß diese Gangart mit großer Wahrscheinlichkeit seine Schwachstelle ist. Ausdauerleistungen in hoher Geschwindigkeit, insbesondere bei schwülwarmem Wetter, dürfen Sie deshalb nicht erwarten! a.a.O., Seite 41 | | |
Wohl wahr! Das sollte man berücksichtigen, wenn man die Kaltblüter heute wieder nach vorn bringen möchte. Bei der diesjährigen Veranstaltung "Titanen der Rennbahn" waren die Galopprennen, wie auch bei anderen Kaltblüterveranstaltungen, die Sensation. Leider wurde das Spektakel durch den Tod eines Pferdes beeinträchtigt. Natürlich beeilte sich der Sprecher zu versichern, daß sämtliche Pferde vor dem sportlichen Einsatz seitens der Tierärzte gründlich geprüft würden. Trotzdem beschlich mich die Befürchtung, daß man hier die Pferde zu etwas drängt, was ihnen nicht gemäß ist.
Das Problem ist, daß man Pferde nicht einfach so halten kann. Dazu ist die Haltung zu aufwendig. Man muß etwas mit ihnen tun, man muß etwas von ihnen haben, und entweder man nutzt sie für das, wozu sie geeignet sind, oder man will etwas von ihnen, was sie nicht so gut können, und dann wird man sie auf die Dauer dahingehend verändern. Möglicherweise bleibt dann von der Rasse nicht mehr viel übrig.
Mit den Haflingern ist das bereits passiert. Nicht ohne Grund fehlen sie in der obigen Liste. Die Haflingern waren einmal Kaltblüter und sind es nicht mehr. Sie müssen heute als Reitponies gelten, schick und temperamentvoll. Was aus schweren Kaltblütern wird, wenn man Reitpferde aus ihnen macht, können wir uns noch nicht so recht vorstellen, aber vielleicht wird es so in Richtung Friese gehen. Einige Züchtungen in dieser Richtung werden auf Kaltblutschauen gezeigt.
Ob sich genügend Menschen für die Feld- und Waldarbeit begeistern lassen, wage ich zu bezweifeln, aber ich lasse mich gerne überraschen. Vor 20 Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, daß es Wettbewerbe im Pflügen geben wird, doch inzwischen habe ich schon reichlich Beispiele gesehen und fotografiert. Fahrwettbewerbe ließen sich auch in den ersten beiden Gangarten definieren, oder die Hindernisse könnten so angeordnet werden, daß Galoppstrecken entweder nicht möglich oder sehr kurz sind - mit anderen Worten: Ich bin sicher, daß man sportliche Wettbewerbe auch so formulieren kann, daß sie den Pferden angemessen sind.
Die Bestände wachsen jedenfalls und dieses Buches ist ein weiteres Indiz dafür, daß es mit den Kaltblütern aufwärtsgeht. Es wird zweifellos auch dafür sorgen, daß die Gruppe der Kaltblutfreunde wächst, und das mag dann weitere Bücher nach sich ziehen. Zwar gibt es immer noch einige Rassen, die sehr stark gefährdet sind, andere sind aber inzwischen sogar in Mode gekommen, etwa die Tinker, die im Buch überhaupt nicht erwähnt sind. Wie es mit den Kaltblütern weitergehen wird, ist natürlich schwer zu sagen, aber mit ziemlicher Sicherheit wird es weiter aufwärtsgehen. Dazu trägt natürlich die außerordentliche Liebenswürdigkeit dieser Tiere bei, die unter anderem durch die vielen vorzüglichen Fotos ausgezeichnet dokumentiert ist. Wer weiß, vielleicht begeistert sich sogar der eine oder andere Pferdefreund für Kaltblüter, der das im Moment für ganz undenkbar halten würde. Dieses Buch könnte dazu beitragen, etwa indem es die Begeisterung zunächst bei einem Freund entflammt und von da aus weiterwirkt.
erschienen 02.10.05
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