
| | | Heidi Keppel | | | | | Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Verdauungsstörungen IV Von › Heidi Keppel
Vorige Woche haben wir verschiedene Fütterungsprobleme und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit des Magens näher beleuchtet und dabei auch festgestellt, dass Magenerkrankungen letztendlich einen ganz bedeutenden negativen Einfluss auf das generelle Wohlbefinden und Leistungsvermögen des Pferdes haben. Doch auch der umgekehrte Fall ist nicht selten, denn genau wie bei uns Menschen schlägt sich auch bei vielen Pferden besonders starker bzw. häufiger Stress aufgrund schlechter Haltungsbedingungen oder extremer Leistungsanforderungen schnell auf den Magen.
Eine Gastritis, also eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung, unter der so manches Pferd mehr oder weniger offensichtlich leidet, kann im Rahmen von Infektionskrankheiten - auch als Folge einer Verabreichung von magenunverträglichen Medikamenten - entstehen, ist aber meist ernährungs- und/oder stressbedingt. Wobei Stress ein sehr relativer Begriff ist, denn was das eine Tier bereits schrecklich aufregt und seelisch überfordert, wird vielleicht von einem Anderen mit völlig gelassenem Gleichmut gesehen. Dies trifft auf alltägliche Ereignisse, wie etwa Training oder Ausritte, genauso zu wie auf außergewöhnliche Vorkommnisse, zu denen man z.B. einen Turnierbesuch rechnen kann.
Bemerken wird man vor allem eine chronische Gastritis meist nur, wenn man sich intensiv um das betreffende Pferd kümmert und es auch nach dem Reiten sowie während der Fütterung aufmerksam beobachtet. Frisst es allgemein langsam und eher lustlos, obwohl es eigentlich schon Hunger haben müsste, und legt es immer wieder Fresspausen ein, in denen es bisweilen gähnt, flehmt oder sich mit der Zunge ständig über die Lippen bzw. über Holz- und Metallteile des Stalles leckt, sollte man durchaus an ein Magenproblem denken.
In akuten Fällen wird es mitunter zu leichten oder mittelgradigen Koliken kommen, meist ist aber zumindest die Futteraufnahme stark eingeschränkt oder sie wird ganz verweigert. Auch wenn beim oder nach dem Reiten immer wieder ein ähnliches Verhalten (Gähnen, Flehmen, Lecken) gezeigt wird, sollte man dies als Warnsignal sehen. Möglicherweise ist die körperliche Auswirkung ja noch nicht vorhanden, aber es ist ein Zeichen dafür, dass das Pferd die Leistungsanforderungen nur schwer ‚verdauen' kann.
Dazu gleich auch noch ein paar Worte zu der Anschauung vieler Pferdetrainer, dass Pferde nur dann effektiv denken bzw. das Gelernte optimal verarbeiten und im Gehirn speichern, wenn sie während der Arbeit intensiv kauen und lecken. Ich bin der Meinung, dass diese Behauptung - wenn überhaupt - nur teilweise stimmt und dass gerade in diesem Bereich das Pferdeverhalten reichlich fehlinterpretiert wird.
Auch ich habe schon einige Pferde ausgebildet und korrigiert, dabei aber nur in den seltensten Fällen dieses Phänomen des Leckens und Kauens beobachten können. Kluge Tiere, die sämtliche Lektionen in kürzester Zeit verstanden haben, haben es eigentlich nie gezeigt, vereinzelt war es nur bei solchen Pferden zu sehen, die aufgrund geringerer Intelligenz mehr oder weniger große Lernprobleme hatten, wobei auch stressbedingte Nervosität und Anspannung zu bemerken waren.
Meiner Meinung nach leiden diese Tiere je nach Typ einfach nur - genau wie wir Menschen - unter unangenehmer Mundtrockenheit oder vermehrtem Speichelfluss, also stressbedingten Symptomen, welche die Pferde zu deutlichem Lecken und Kauen anregen. Dass dabei auch ein gewisser Denk- und Lernprozess beteiligt ist, steht außer Frage, doch ist dies nicht der ursächliche Grund für das Verhalten.
Doch nun zurück zu unserem eigentlichen Thema - den Magenerkrankungen. Die Hauptsymptome einer Gastritis habe ich Ihnen genannt - wobei bei einer länger andauernden chronischen Gastritis natürlich auch Abmagerung und/oder Blähbauch, sowie andere Verdauungsstörungen dazukommen können - doch sollten Sie als Pferdebesitzer selbstverständlich immer den Rat eines Experten hinzuziehen, wenn Sie meinen, Ihr Pferd könnte ein Magenproblem haben, besonders da dieses auch durch eine Infektion mit Viren, Bakterien oder Parasiten bedingt sein kann und dann unbedingt von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker behandelt werden sollte.
Natürlich gilt dies auch für den Fall, dass Sie den Verdacht einer Magenüberfüllung haben, denn hier hilft oftmals nur die rasche fachkundige instrumentelle Entleerung und Spülung des Magens, da es sonst unter Umständen zu einer Magenzerreißung kommen kann. Vor allem Koliksymptome mit anschließender plötzlicher Teilnahmslosigkeit sollten als möglicher Hinweis darauf sehr ernst genommen werden.
Als Sofortmaßnahme bei sämtlichen akuten Magenproblemen - einschließlich Magenüberfüllung - sollte Nux vomica D6 (10-15 Tropfen in viertel- bis halbstündlichen Intervallen) verabreicht werden. Dieses homöopathische Hauptmittel für sämtliche Magenbeschwerden sollte deshalb möglichst in jeder Stallapotheke vorrätig sein. Meist kann man bereits nach 3-5maliger Einnahme eine deutliche Verbesserung der Symptome bemerken, danach sollte diese Arznei 2-3mal täglich bis zur völligen Ausheilung gegeben werden, wobei diese Dosierung auch bei einer chronischen Gastritis angebracht ist.
Ein anderes wichtiges Magen-Darm-Mittel ist Carbo vegetabilis D6, welches in derselben Dosierung wie Nux vomica und auch mit diesem gemeinsam angewandt werden kann. Es eignet sich vor allem zur Therapie von Blähungen und Durchfall. Blähungen in Kombination mit Verstopfung verlangen hingegen eine Behandlung mit Lycopodium D6 in ebensolcher Dosierung. Überwiegen jedoch eher die kolikartigen Symptome mit krampfartigen Schmerzen, ist Colocynthis D6 das Mittel der Wahl, welches in gleicher Weise verabreicht werden sollte, wobei es allerdings - anders als die zuvor genannten Arzneien - eher nur für den akuten Fall und nicht unbedingt für eine Dauertherapie geeignet ist - außer es besteht zusätzlich ein chronisches ischiasartiges Hüftleiden.
Ist eine Gastritis allerdings rein stressbedingt und zeigt sich zusätzlich bei Belastung eine Übererregung mit Durchfall, dann kann vor allem Argentum nitricum helfen. Als D6 kann man dieses Homöopathikum genau wie die anderen Mittel verwenden, doch meist ist eine konstitutionelle Therapie mit einer Hochpotenz zielführender. Am besten verabreicht man zuerst 4 Tage lang täglich 1mal und danach wöchentlich 1mal Argentum nitricum D30, bis die körperlichen Krankheitssymptome beseitigt sind und auch die Psyche des betreffenden Pferdes stabilisiert ist. Da aber natürlich - je nach Typ des Pferdes - auch noch andere Konstitutionsmittel für die Behandlung eines psychisch bedingten Magenleidens in Frage kommen, sollte auch dafür grundsätzlich ein Tierheilpraktiker oder homöopathieerfahrener Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Eine letzte wichtige Arznei, die bevorzugt bei akuten Vergiftungen oder Infektionen zum Einsatz kommt, ist schließlich Arsenicum album D6 (bzw. D12). Als Hauptsymptom zeigt sich hier vor allem Durchfall mit großer Schwäche des betroffenen Tieres. Meist genügt eine 3-5malige Gabe von 10-15 Tropfen im Abstand von jeweils 20-30 Minuten, damit eine deutliche Besserung eintritt, zur sanierenden Nachbehandlung eignen sich dann Nux vomica und Carbo vegetabilis.
Damit hätten wir die Besprechung der Magenerkrankungen einschließlich ihrer homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten abgeschlossen, nächste Woche wenden wir uns dann dem Darmtrakt zu.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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