
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | 11.09.2005
Oben sein
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß immer mehr Pferde angeboten werden? Absolut und relativ - absolut heißt, daß der Gesamtbestand der angebotenen Pferde langsam wächst. Relativ heißt, daß pro Tag immer mehr Pferde angeboten werden. Seit längerer Zeit so um die 200 "seit gestern", also um die 100 am Tag.
Da wir eine Laufzeit von sechs Wochen = 42 Tagen haben, müßten wir über 4200 Pferde im Bestand haben, wenn keines verkauft würde. Da im Monat etwa ein Zehntel dieser Zahl gelöscht wird, können wir höchstens von einem Umsatz in dieser Größenordnung ausgehen - höchstens, denn manch ein Pferd wird nicht verkauft und trotzdem aus der Datenbank genommen, da der Anbieter es sich anders überlegt hat.
Rein rechnerisch stimmt hier also etwas nicht. Wie kommen die hohen täglichen "Neuzugänge" zustande? Man hält es nicht für möglich, aber seit geraumer Zeit hat sich ein neuer Sport etabliert. Und der heißt: Wie bringe ich mein Pferd nach vorne? Ganz einfach: Indem ich mein Angebot täglich erneuere. Das kostet zwar ein bißchen Mühe, aber damit reibe ich mein Angebot denen unter die Augen, die täglich in die Liste der Neuzugänge schauen.
Früher habe ich nur zehn der letzten "Zugänge" angezeigt. Irgendwann kamen Proteste, daß ein Angebot zu schnell aus dieser Liste herausrutsche - das war der Beweis, daß die Listenposition manipuliert wurde. Brav habe ich die Liste auf die letzten 50 Angebote erweitert. Das kostete einiges an Performance, aber das habe ich inzwischen ganz gut im Griff. Die angezeigte Liste muß nur dann neu erzeugt werden, wenn sich der Bestand geändert hat. Selbst mit den vielen Bildchen erscheinen die Daten ziemlich schnell auf dem Monitor.
Aber ist dieses Vorgehen vernünftig? Natürlich nicht. Wer die Liste verfolgt, wird immer wieder dieselben Pferde sehen, nämlich diejenigen, deren Eigentümer diesen Sport besonders intensiv betreiben. Letzten Endes kann man, muß man sogar diese Manipulation als eine besondere Art von Spam betrachten. Jemand täuscht etwas vor, was nicht der Realität entspricht, um jemand anderen zu etwas zu zwingen, in diesem Falle: das Angebot zur Kenntnis zu nehmen.
In dieser Woche hat mich jemand um Hilfe gebeten: Die drei Pferdeangebote sollten nach vorne gebracht werden. Da habe ich mir den Sachverhalt mal genauer angeschaut. Es mangelte in keinem Fall an Aufmerksamkeit über die Liste der letzten Angebote, die ja auf extrem kompakte Weise eine Übersicht mit einem Minibild gibt. Die Pferde waren darüber schon Tausende von Malen angezeigt worden.
Sie waren auch schon Tausendemal als Suchergebnis angezeigt worden, also zum Beispiel über die Suche nach Rasse oder Alter oder Preis, wobei jedes Pferd einzeln in einer großen Tabelle mit einem Kleinbild vorgestellt wird. Aber nur ein paar Dutzend Leute fanden das Angebot so interessant, daß sie aus den Listendarstellungen heraus dieses Angebot gesondert aufgerufen hatten. Nur in dieser Einzeldarstellung werden die vorhandenen Bilder in Großansicht gezeigt.
Mit anderen Worten: Das Angebot war in den Übersichten nicht auf großes Interesse gestoßen. Wenn man sich nun angestrengt, das Angebot in der Übersicht Liste nach vorne zu bringen, wird sich daran vermutlich gar nichts ändern. Man vergeudet einfach nur Energie. Das kann man natürlich beliebig lange machen, es stört auch niemanden, bisher jedenfalls nicht, aber mir scheint, es bringt auch überhaupt nichts.
Bekanntlich bekommt man nach jeder Aktion eine E-Mail, und seit einigen Wochen gehe ich indirekt auf dieses Verhalten ein. Wenn jemand seine Kleinanzeige oder sein Pferdeangebot erneuert hat, spreche ich ihn per E-Mail und auf dem Monitor direkt auf diese Absicht an und mache darauf aufmerksam, daß es andere Methoden gibt, die Aufmerksamkeit auf das eigene Angebot zu lenken: › Textwerbung. Bislang ohne erkennbaren Erfolg. Merkwürdig.
Alle diese Leute wollen ihre Pferde verkaufen. Sie geben sich Mühe, die potentiellen Käufer auf Ihr Angebot aufmerksam zu machen. Wenn das nun nicht gut genug funktioniert, und die Erfolgsquote von etwa 25% spricht ja dafür, daß etwa 75% der Angebote sich nicht innerhalb von sechs Wochen realisieren lassen, dann muß man sich etwas einfallen lassen. "Wer nicht wirbt, der stirbt" ist ein Spruch, der bei Google über 10.000 Fundstellen bringt. Natürlich ist er blöd, aber der Sinn ist klar. Wenn die Leute nicht wahrnehmen, daß ich das Richtige für sie habe, muß ich mich nicht wundern, daß sie nicht kaufen.
Deshalb setze ich Werbung ein, denn ich kann damit die Aufmerksamkeit eher einfangen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn mit zunehmender Werbeflut muß sich jeder gegen diese schützen, damit er überhaupt noch funktionieren kann. Dadurch hat es Werbung immer schwerer - jedenfalls irrelevante Werbung, Werbung die mich überhaupt nicht interessiert. Wenn ich ein Kaltblut kaufen möchte, werde ich jegliche Werbung für Araber als Störung empfinden müssen. Suche ich aber nach einem Araber, dann wird mich Araber-Werbung wahrscheinlich erreichen, denn ich habe ein Problem und die Werbung könnte die Lösung bedeuten: Nämlich in der Fülle der Araberangebote das richtige Pferd zu finden.
Zugegeben: Textwerbung kostet etwas. Ein Klick kostet fünf Cent. Für 5 Euro bekommt man also 100 Klicks. 100 Klicks bedeuten, daß 100 Leute sich bewußt dafür entschieden haben, sich anzuschauen, was sich hinter dieser Werbung verbirgt. Da ein Pferd normalerweise Tausende kostet, dürften 5 Euro nicht das wirkliche Problem sein. Es ist vielmehr das Bewußtsein, was das Denken behindert. Das Internet darf nichts kosten, und das um jeden Preis!
Nicht jeder denkt so. Wer die Textwerbung verfolgt, hat sicher schon längst festgestellt, daß manche Werbung monatelang läuft. Die Kunden sind offenbar zufrieden und verlängern immer wieder. Normalerweise nutzen diese Kunden auch nicht den günstigen Tarif von 5 Cent pro Klick für Kleinanzeigen und Pferdeangebote. Sie wollen lieber, daß die Kunden direkt auf ihre Homepage verwiesen werden. Das lassen sie sich 20 Cent pro Klick kosten. Interessant. Natürlich sind das Geschäftsleute, die genau wissen, was sie tun. Sie wollen und sie müssen Umsatz machen. Und deshalb nutzen sie gern Textwerbung.

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