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Bericht Zum Thema Jubiläum · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 337.05 der Pferdezeitung vom 11.09.05
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100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland  · Copyright wie angegeben
100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland 

    Ehrenrettung für Gustav Rau   
    Über üble Nachrede und fundamentale Verunsicherung   
von Copyright wie angegeben  Werner Popken

Teil 1:  100 Jahre FN
Teil 2:  Verbandsgründung, erste Erfolge
Teil 3:  Krieg und Nachkriegszeit
Teil 4:  Das Jahr 1924
Teil 5:  Kauft nur deutsche Pferde!
Teil 6:  Olympische Spiele Berlin 1936
Teil 7:  Auf in den Krieg!


Zum Thema Jubiläum


"100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland" heißt das Buch, das Susanne Hennig im Auftrag der FN geschrieben hat. 100 Jahre unserer Geschichte umfassen die beiden sogenannten Weltkriege. Den zweiten haben wir in der letzten Ausgabe behandelt ( Auf in den Krieg!).

Nun stehen 60 Jahre Friedenszeit vor uns, die gewürdigt werden wollen. Die ersten 40 Jahre, von 1905 bis 1945, waren weitgehend von Gustav Rau beeinflußt worden.

Gustav Rau hatte den Krieg überlebt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ulan, im zweiten brachte er die polnische Pferdezucht auf Vordermann:

Gustav Rau wird unmittelbar nach Kriegsbeginn vom Oberkommando des Heeres aufgefordert, die stark geschädigte polnische Pferdezucht wieder aufzubauen. Als "Beauftragter für Pferdezucht und Gestütswesen im besetzten Polen" reist er im Oktober 1939 nach Lodz. Vor Kriegsausbruch verfügte die polnische Gestütsverwaltung über 1.100 Hengste. Bei Raus Dienstantritt hatte sich der Bestand auf 291 Hengste in den Gestüten reduziert. Den Großteil hatten die kriegerische Auseinandersetzungen über das Land verteilt, einige Hundert waren der sowjetischen Armee in die Hände gefallen und wohl ebenso viele unrechtmäßigen neuen "Besitzern". Gustav Rau ist in seinem Element. Akribisch, mit dem ihm eigenen Fleiß und Engagement macht er sich an die Arbeit, reist quer durch Polen und besucht alle Gestüt und eine Vielzahl von privaten Zuchtstätten. Binnen kurzer Zeit gelingt es ihm, in Suchaktionen die Mehrzahl der vermeintlich verlorenen Hengste aufzuspüren und in die Landgestüte zurückzuführen. Durch Ankäufe unter anderem in Frankreich, Überweisungen der Preußischen Gestütsverwaltung sowie durch gezielte Junghengstselektion aus großen polnischen Gestüten erhöht er den Bestand in der Decksaison 1941 auf rund 1.400 Beschäler. Bis zur Decksaison 1944 sind über 1.950 Hengste im Zuchteinsatz. Gustav Rau schafft es in nicht einmal fünf Jahren, die am Boden liegende polnische Pferdezucht mit ihren 14 Landgestüten zu neuer Blüte zu führen.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 122

Toller Kerl, das! So zieht sich das durch sein ganzes Leben, sofern es mit den Pferden zu tun hat. Rau packt die Dinge an, Rau spricht aus, was ihm notwendig dünkt, Rau kämpft und setzt durch. Rau ist ein Macher, aber er ist auch ein Visionär. Die FN hat die These vertreten, daß Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland deshalb so erfolgreich sind, weil Zucht und Sport seit 100 Jahren durch denselben Verband vertreten werden. Mag sein, aber vielleicht liegt es auch nur an Gustav Rau.

Natürlich gab es auch eine ganze Reihe von anderen wichtigen Persönlichkeiten. Selbstverständlich konnte Gustav Rau nicht zaubern und den ganzen Laden alleine schmeißen. Aber trotzdem kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, als wäre die Geschichte ganz anders verlaufen, hätte es Gustav Rau nicht gegeben. Oder anders gesagt: Wäre Gustav Rau Engländer, Franzose oder Italiener gewesen, hätte er dort die Impulse gesetzt, die Sport und Zucht in Deutschland beflügelt haben.

Seine besondere Fähigkeit, Begeisterung und Einsatzbereitschaft zu fördern, konnte sich erst nach Kriegsende wieder frei entfalten. Denn im Dritten Reich erfuhr seine Karriere einen merkwürdigen Knick.




Rau und die Nazis


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Rau entbietet den Hitlergruß · Copyright wie angegeben
Rau entbietet den Hitlergruß
Gustav Rau hatte die Gründung der ländlichen Reitervereine angeregt und vorangetrieben. "Der deutsche Bauer auf selbstgezüchtetem Pferd muß der Sinn unseres Turniersports sein." (siehe  Stockholm) Die Nazis haben die Reitervereine ziemlich schnell vereinnahmt und in die Reiter-SA überführt. Die Organisationsstrukturen wurde zerschlagen und durch eigene ersetzt. Die mächtigen Funktionäre wurden entmachtet und durch eigene Leute ersetzt. Das ist nicht verwunderlich, sondern konsequent.

Was bedeutete das für Rau? Ein mächtiger Mann wie Gustav Rau mußte den Nazis ein Dorn im Auge sein.

Rau war ein Mann der Vorkriegszeit, nämlich der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Er wurde zum Beispiel im Januar 1913 vom Kronprinzen Wilhelm als Generalsekretär des "Komitees für die Kämpfe zu Pferde bei den Olympischen Spielen zu Berlin 1916" bestellt. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nahm er die Arbeit dort wieder auf, wo er sie vorher aufgeben mußte.

Kurz nach der » Machtergreifung der Nazis im März 1933 starb der preußischen Oberlandstallmeister. Hermann Göring als Ministerpräsident Preußens ernannte Gustav Rau zum Nachfolger. Dieser legte daraufhin die Geschäftsführung des Reichsverbands für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts und die Chefredaktion des St. Georg nieder.

Sein Programm war keineswegs neu:

"Die Gestütsverwaltung wird nicht nur, wie das früher ihre alleinige Aufgabe war, für die Produktion des Pferdes sorgen, sondern für die beste Verwendung des Pferdes werben. Die Propaganda für den Absatz nach dem Inlande wie dem Auslande von allen Arten deutscher Pferde ist ihr ebenso wichtig wie die Förderung der Zucht. Sie sieht in der Teilnahme deutscher Pferde einer internationalen Turniere den mächtigsten Anreiz auf das Ausland, deutsche Pferde zu erwerben, und wird daher für Mittel und Wege sorgen, die repräsentative Entsendung deutscher Reiterabordnung nach dem Auslande viel zahlreicher zu machen als bisher."
a. a. O., Seite 85

Dann griff er zu einem interessanten Trick, der das Wasser der Nazis auf seine Mühlen lenkte:

Propaganda, wie sie der Chef-Propagandist des NS-Regimes, Joseph Goebbels, praktiziert, nimmt in Raus Ausführungen einen hohen Stellenwert ein. Er wünscht sich "etwas von dem Goebbel'schen Genie für jeden Landstallmeister, der nicht nur Verwalter seines Landgestüts und Berater seiner Züchter, sondern auch der Träger und Verkünder der Ideen über Pferdezucht und Pferdehaltung sein soll."
a. a. O., Seite 86

Ein paar Wochen nach seinem Amtsantritt hält Rau einen Vortrag auf der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde in Weimar:

"Der Staat von heute wird durch den gesunden Menschenverstand regiert. So muß es auch in der Pferdezucht werden. Mit allen großen Erwartungen muß die deutsche Pferdezucht das erstandene Dritte Reich, das Reich der Autorität, des Führertuns, der Ordnung und der Gefolgschaft begrüßen. Jetzt ist die große Stunde für die deutsche Pferdezucht gekommen. (...) Der Nationalsozialismus konnte im ganzen Volke seine Wurzeln so schnell und tief schlagen, weil er jedem leistungsfähigen Tüchtigen die Möglichkeit zum Aufstiege gibt. Er wirkt deshalb schon durch sich selbst anfeuernd auf jeden Pferdezüchter. (...) Das Führerprinzip muß das erste Prinzip für jede Landestierzucht sein."
a. a. O., Seite 86

Als Illustration wird hier ein Foto beigegeben, das eine Menschenmenge mit erhobenem rechten Arm zeigt, dem Hitlergruß, wobei der Mann in der Mitte des Vordergrunds Gustav Rau sein soll. Schon allein diese Geste zeigt, wie wenig wir uns in die damalige Zeit hineinversetzen können. Was würden Sie sagen, wenn Angela Merkel nach ihrem (möglichen) Wahlsieg verlangen würde, den Gruß "Guten Tag!" durch "Heil Merkel!" zu ersetzen? Kann man sich vorstellen, daß unser Volk dem Folge leisten würde? Aber genau das ist damals geschehen. Das war keine Ausnahme, sondern die Regel.

Wenn man bedenkt, daß zum Beispiel bereits im Juni 1932 91 Professoren eine Erklärung mit der Forderung abgegeben haben, Hitler zum Reichskanzler zu erklären (» Machtergreifung), die Sympathie für die Nationalsozialisten also selbst die Universitäten bereits durchsetzte, als von einem totalitären Druck noch keine Rede sein konnte, müssen die Äußerungen Raus als äußerst zahm gelten, nämlich als der Versuch eines unpolitischen Menschen in exponierter Position, angesichts massiven Loyalitätsdrucks nicht anzuecken.



Moderne Hetze


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Wenn nun die Tageszeitung » junge welt in einem Beitrag vom 30.8.2005 unter Bezugnahme auf das Buch Hennigs die obigen Zitate gegen Gustav Rau und die FN in hetzerischer Absicht verwendet, muß man auf die Mündigkeit des Lesers vertrauen. Der demagogische Artikel schiebt noch ein weiteres Zitat aus der angeführten Rede hinterher:

"Ein Querschießen einzelner Personen aus Züchterkreisen, die weder den Geist des Dritten Reiches noch die Notwendigkeiten der Pferdezucht begriffen haben, gegen die Pläne des Preußischen Innenministeriums wird die gebotene Abwehr zur Folge haben."
» junge welt vom 30.08.2005 - Ein Jubiläumsbeitrag

Der neunmalkluge Kommentator wertet dieser Äußerung wie folgt: "Was ja wohl in jener Zeit schlimmste Verfolgungen hieß!" Anscheinend will er damit unterstellen, daß Gustav Rau in der Lage gewesen sei, Verfolgungsmaßnahmen anzuordnen, und nicht habe zögern wollen, die Machtmittel der Nazis für seine Zwecke, nämlich die Förderung der Pferdezucht und des Pferdesports, einzusetzen. Dafür gibt es, soweit ich sehen kann, keinerlei Anhaltspunkt. Im Gegenteil: Gustav Rau wurde ziemlich schnell von den Nazis kaltgestellt. Eine Anbiederung an den Nazis kann ich darin auch nicht erkennen.

In infamer Weise werden Belege des Buches zu einer Anklage montiert:

Hemmungslos glaubt Hennig sich des Reinwaschungsversuches von Josef Pulte, eines Wegbegleiters Raus in faschistischer Zeit, bedienen zu können. Sie läßt Pulte wie folgt zu Wort kommen: "Es wird oft vom ›Diktator‹ Rau gesprochen. Hier müssen wir antworten: Selbstverständlich war Rau ein Diktator, jedoch ein Diktator der Arbeit, der alle anderen durch Anspannung und Unermüdlichkeit in die Arbeit zwang." Hennig immerhin an anderer Stelle: "Unbestreitbar sieht er sich selbst stets als den großen Führer des Pferdesports und der Pferdezucht. Von daher kommt der Führerstaat Hitlers wie auch die faschistische Diktatur Italiens unter Mussolini der Persönlichkeitsstruktur und dem Denken Raus entgegen (...) Sein Handeln lediglich auf ein gewisses Mitläufertum zu reduzieren, wäre allerdings (...) nicht angemessen."

Und jetzt, liebe Leser, festhalten! Trotz dieses Engagements für den Faschismus, wofür noch weit mehr Beweise vorgelegt werden können, ist Gustav Rau der Namenspatron für zwei der höchsten Auszeichnungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung: der Gustav-Rau-Plakette und der Gustav-Rau-Medaille. Das muß ein Ende haben! Schluß mit dem Kult um Gustav Rau!
a. a. O., Helmut Lenz in der Abteilung Sport

Von einem Engagement für den Faschismus kann ja nun gar keine Rede sein. Die angeblichen Beweise hätten genau hier vorgelegt werden müssen. Schon der erste Satz ist eine Unverschämtheit sondergleichen. Hier wird nämlich nicht nur Gustav Rau diffamiert, sondern Susanne Hennig und Josef Pulte gleichermaßen. Gönnerhaft billigt der Ankläger Lenz durch sein "immerhin" die Einschätzung Hennigs. Diese belastet Gustav Rau allerdings implizit als Täter, denn wenn die Bezeichnung "Mitläufertum" nicht angemessen wäre, müßte man ihm Schuld anlasten. Nur: Schuld woran und wofür? Das bleibt auch bei Hennig offen.

Ich würde im Gegenteil die Äußerung Hennigs als ebenfalls unangemessen zurückweisen. Mit diesen Worten wird das Andenken eines verdienten Mannes unnötig und unbegründet beschmutzt - es sei denn, sie verfüge über Informationen, die diese Einschätzung rechtfertigen. Wenn dem so sein sollte, wäre aber rätselhaft, warum einerseits diese Informationen nicht preisgegeben, andererseits aber Andeutungen gemacht werden. Die einzige belegte Äußerung, die ein Stirnrunzeln rechtfertigen würde, ist die Ankündigung der "gebotenen Abwehr" für diejenigen, die "querschießen" - die eben nicht von Hennig angeboten wird (die ihrerseits keinerlei Quellenangaben mitliefert, außer für Fotografien, genauso wenig wie die "junge welt"). Was mit dieser Äußerung gemeint und wie diese zu verstehen ist, bleibt vollkommen offen.



Offener Brief


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Diese widerliche, plumpe, anbiedernde Hetztirade wird nun noch durch einen offenen Brief an die FN überboten. In der » fs lesen wir:

Forderung an FN: "Schluss mit dem Kult um Gustav Rau"

"Wir lehnen entschieden den FN-Kult um Dr. Gustav Rau ab, der 1933 die faschistische Gleichschaltung des deutschen Pferdesports organisierte, was unter anderem die große Mehrheit der Reitervereine in die SA- und SS-Reiterstürme zwang", schreibt der Berliner Journalist Helmut Lenz gemeinsam mit acht weiteren Unterzeichnern in einem offenen Brief an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN). "Es ist eine Schande, dass höchste Auszeichnungen der FN als Medaille und Plakette den Namen Gustav Rau tragen. Wir erwarten von der FN, dass sie diese Auszeichnungen nicht mehr verleiht."

Während der Hitler-Diktatur hatte der 1995 verstorbene Hippologe Gustav Rau wichtige Funktionen inne. So organisierte er 1936 die Olympischen Reiterspiele in Berlin, von 1939 bis 1945 war er Beauftragter für Pferdezucht und Gestütswesen im von der Wehrmacht besetzten Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er unter anderem das hessische Landgestüt und siedelte das Deutsche Olympia-Komitee für Reiterei in Warendorf an.

"Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind wir uns der Problematik bewusst, zum Beispiel setzt sich die kürzlich erschienene FN-Chronik durchaus kritisch mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 auseinander", sagt FN-Pressesprecher Thomas Hartwig. "Sie enthält Zitate von Gustav Rau, aus denen sich jeder Leser selbst ein Bild von seiner Einstellung machen kann."

Helmut Lenz' Forderung, die Gustav-Rau-Medaille und -Plakette abzuschaffen oder umzubenennen, gehe aber zu weit, so Hartwig - "nicht zuletzt, weil Gustav Rau nach Kriegsende nie von den Siegermächten angeklagt wurde und somit letztlich als apolitischer Mensch gelten kann."
» freizeit im sattel : Juni 2005 - fs aktuell - Forderung an FN: "Schluss mit dem Kult um Gustav Rau"

Die FN hätte diese unverschämte Forderung und ungeheuerliche Unterstellung mit aller Schärfe zurückweisen müssen. Statt dessen werden zu seiner Würdigung einzelne Daten aufgezählt, die seiner Bedeutung in keiner Weise gerecht werden. Was soll das schon heißen: "... siedelte das Deutsche Olympia-Komitee für Reiterei in Warendorf an"? Da muß sich der wichtigste Mann in den 100 Jahren FN doch im Grabe umdrehen!

Die Äußerung Hartwigs klingt im Gegenteil wie eine uneingestandene Zustimmung, so als würde jeder, der das Buch sorgfältig lesen würde, schon von alleine dahinter kommen, wie schuldig Rau in diesem Sinne war. Diese Schuld vorausgesetzt, versteckt sich die FN laut Hartwig nun hinter den Siegermächten und verwandelt die Tatsache, daß Rau nicht angeklagt wurde, in einen Persilschein. Unglaublich! Mehr hat die FN bzw. deren Pressesprecher dazu nicht zu sagen! Von höchster Stelle hätte man hier reagieren müssen!

Aber gehen wir der Sache doch mal nach! In meiner Beurteilung gehe ich davon aus, daß die Recherchen Susanne Hennigs zuverlässig sind - sowohl die FN als auch der Berliner Journalist bezweifeln das nicht. Auf Seite 86/87 beschreibt sie die Überführung der Reitervereine in die SA-Reiterstürme. Gustav Rau kommt darin nicht vor.

Reichsverband - loyales Bekenntnis zum Nationalsozialismus

Wie alle Sportverbände steht auch der Reichsverband für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts loyal zu den neuen nationalsozialistischen Machthabern. In der ersten Mitgliederversammlung des Jahres 1933, acht Wochen nach der Machtübernahme Hitlers, votieren die Anwesenden für drei Grußtelegramme ein Reichskanzler Hitler, Reichspräsident v. Hindenburg und Landwirtschaftsminister Dr.Hugenberg. An Hitler ergeht folgender Text: " Die im Reichsverband Warmblut vereinigten 250.000 Reiter, Fahrer und Züchter von Warmblutpferden stehen mit ihren Herzen und Pferden hinter Ihnen und erbieten Ihnen aus der heutigen Mitgliederversammlung Dank und Gruß." Den soeben dem Präsidium des Reichsverbands beigetretenen Landwirtschaftsminister Hugenberg bittet die Versammlung telegraphisch um "Hilfe im kampfesfrohen Ringen um die Weltgeltung des deutschen Warmblutpferdes, einem der wertvollsten Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft".
a. a. O., Seite 87

Eben. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen, nicht um die Politik, schon gar nicht um Verbrechen. Von der SA ist keine Rede. Ob Rau hier noch mitgewirkt oder sich schon in seine neue Aufgabe als Oberlandstallmeister eingearbeitet hat, ist unklar. Auf jeden Fall ist die ganze Angelegenheit so unpolitisch wie nur möglich. Bringen die Ankläger da vielleicht etwas durcheinander?

Rau hat die Bewegung der ländlichen  Reit- und Fahrvereine initiiert. Das war allerdings zehn Jahre vorher. Zu dieser Zeit genoß Hitler gerade Festungshaft. Die Entmachtung der Reitervereine und die Überführung in die SA wird am 11. Dezember 1934 beschlossen (a.aO. Seite 91). Da war Gustav Rau schon lange nicht mehr Mitglied irgend eines Verbandes.

Ein dicker Klops am Rande, bei dem unklar ist, wer dafür verantwortlich zeichnet, die FN, die fs oder die Protestler: Rau starb natürlich nicht 1995 - dann wäre er nämlich 115 Jahre alt geworden.



Führungspersönlichkeit


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Soweit erkennbar, hat Rau sich ausschließlich für Pferde interessiert, für Pferdezucht und Pferdesport. Dafür hat er gelebt, gearbeitet, gestritten, geschrieben, gezittert und gejubelt. Die Aufgabe als Oberlandstallmeister muß ihn interessiert haben. Die Aufbruchstimmung hat ihn verständlicherweise begeistert. Das Versprechen, als einfacher Volksgenosse durch eigene Kraft aufsteigen zu können, motivierte schon die Franzosen unter Napoleon zu Heldentaten. Was ist daran Böses?

Daß der Nationalsozialismus schnell und tief Wurzeln schlagen konnte, ist Tatsache. Wer angesichts der historischen Fakten Verständnislosigkeit zeigt, sollte sich meiner Ansicht nach mit den Quellen beschäftigen und nicht aus der sicheren Distanz überheblich über Zeiten urteilen, die er nicht versteht.

Susanne Hennig widerspricht sich im übrigen selbst, wenn sie schreibt:

Warum sich Oberlandstallmeister Rau in seinem Vortrag nicht ausschließlich auf Sachthemen der Pferdezucht konzentriert und statt dessen ein politisches Bekenntnis abgibt, ist heute schwer nachvollziehbar. Unstrittig sieht er sich selbst stets als den großen Führer des Pferdesportes und der Pferdezucht. Von daher kommt der Führerstaat Hitlers wie auch die faschistische Diktatur Italiens unter Mussolini der Persönlichkeitsstruktur und dem Denken Raus entgegen. Dennoch täte man ihm unrecht, ihn als überzeugt Nationalsozialisten zu bezeichnen, denn wirkliches politisches Interesse und Engagement läßt er niemals erkennen. Sein Handeln lediglich auf ein gewisses Mitläufertum zu reduzieren, wäre allerdings auch nicht angemessen.
a. a. O., Seite 86

Hier haben wir nämlich das vollständige Zitat: Der Nachsatz, auf den sich Lenz bezieht und mit dem er seine gewagten Thesen stützt, ist aus dem Zusammenhang gerissen und durch nichts zu rechtfertigen. Den offensichtlichen und bedauerlichen Mißgriff der Autorin und auch die peinliche Reaktion des Pressesprechers der FN schreibe ich der allgemeinen Verunsicherung zu, die sechzig Jahre nach Kriegsende immer noch unser Denken und Schreiben belastet. Wenn jeder, der Führungsqualitäten hat und diese Führungsqualität auch umsetzt, gleich als Sympathisant und aktiver Unterstützter der Nazis diffamiert werden dürfte, hätten wir keine Führer mehr.

Freilich sagen wir heute nicht mehr Führer, weil das Wort diskreditiert ist, allenfalls Wirtschaftsführer oder Führungspersönlichkeit. Ganz zweifellos brauchen wir Führungspersönlichkeiten und verlangen von diesen auch, daß sie führen und ihre Visionen durchsetzen. Nichts anderes hat Rau getan, nichts anderes wird ihm nachgesagt. Eine Führungspersönlichkeit, die versagt, wird zu Recht für dieses Versagen zur Rechenschaft gezogen. Jürgen Schrempp ist eines der letzten Beispiele charismatischer Führungspersönlichkeiten, die nicht halten konnten, was sie versprochen haben. Gustav Rau starb als geehrter Mann, weil er seine Visionen stets durchsetzen konnte und sich nur von den Zeitumständen hat bremsen lassen. Wie in der Zeit von 1936 bis 1939.

Rau, FEI-Präsident Max Freiherr v. Holtzing-Berstett, Reichssportführer Hans v. Tschammer und Osten, Olympischen Spiele 1936 (v. li.) · Copyright wie angegeben
Rau, FEI-Präsident Max Freiherr v. Holtzing-Berstett, Reichssportführer Hans v. Tschammer und Osten, Olympischen Spiele 1936 (v. li.)
Vermutlich haben die Nazis ziemlich schnell mitbekommen, welche Rolle und Bedeutung Rau auf seinem Gebiet zukamen. Jedenfalls haben sie ihn bald wieder aus der Stellung als preußischen Oberlandstallmeister entlassen. Die Hintergründe sind bis heute anscheinend ungeklärt.

Wie fühlt sich so jemand wie Rau, wenn er kaltgestellt wird? Wenn er sieht, wie sein Lebenswerk in die Hände von Parteibonzen gerät? Wenn ihm die Hände gebunden sind und er jahrelang nichts tun kann? Ein solcher Mann ist ja nicht dumm. Der sieht doch, daß die ganzen Erfolge, die mühsam über Jahrzehnte aufgebaut wurden, durch Inkompetenz schnell ruiniert werden können.

Aber zunächst brauchten die Nazis den Fachmann noch. Gustav Rau hatte sich mit den Olympischen Spielen 1916 beschäftigt, dann dafür Sorge getragen, daß die ersten Olympischen Spiele, an denen die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg wieder teilnehmen durften, 1928 in Amsterdam, zu einem Triumph wurden ( Amsterdam). Nun standen die Olympischen Spiele 1936 in Berlin vor der Tür, und die Nazis waren selbstverständlich fest entschlossen, dieses Ereignis nach Kräften für ihre Zwecke zu nutzen.

Das ging nicht ohne Fachleute. Das IOC ließ nicht mit sich spaßen und drohte mehrfach, die Olympischen Spiele in Berlin abzusagen (a. a. O., Seite 94, 95). Die Nazis fanden Gustav Rau nützlich. Deshalb hatte er zunächst noch ein Betätigungsfeld. Und dann schoben sie ihn nach Polen ab, weil sie Pferde brauchten für den Krieg, und Rau war der Fachmann, der diese Aufgabe erledigen konnte. Wichtige Funktionen waren das nicht. Aber er war der willfährige Idiot, den sie für ihre Zwecke einsetzen konnten.

Zum Ende des Krieges mußte er natürlich, genauso wie die anderen, überstürzt fliehen. Aber wie er diese Flucht inszenierte, ist wieder beeindruckend.

Um die Pferde 1944 vor der vorrückenden sowjetischen Armee zu retten, veranlaßt Rau die Evakuierung sämtlicher Staatsgestüte. Erneut besticht er mit ungeheurem Organisationstalent. In geordneten Gruppen marschieren Pferde und Gestütsmitarbeiter gen Westen. Die Pferde aus zehn Gestüten erreichen das Gebiet der heutigen Bundesrepublik, die Bestände der übrigen vier kommen nur bis in die bald nach dem Krieg geschaffene sowjetischen Besatzungszone. Raus Rettungsaktion bringt ihm in Polen viel Sympathie ein. Als die Pferde, die unter anderem in den holsteinischen Gestüten Grabau und Schönböken eine vorläufige Heimat gefunden hatten, an Polen zurückgegeben werden müssen, schenkt der polnische Kommandant v. Baranowski Gustav Rau zum Dank die berühmte Stute und Olympiasiegerin Tora, die in Schönböken ihr Gnadenbrot erhält.
a. a. O., Seite 123

Man vergleiche diese Leistung mit dem Chaos der Flucht der Trakehner, die am Ende des letzten Artikels beschrieben wurde. Gustav Rau rettete sich selbst ebenfalls in den Westen und bekam damit eine Chance, sein Lebenswerk noch einmal zu fördern und damit die deutsche Pferdezucht und den deutschen Pferdesport. Wieder stellt sich die Frage, wie die Dinge sich entwickelt hätten, wäre es Gustav Rau nicht vergönnt gewesen, auf seine Weise zu wirken.



Quellen / Verweise


  1.  Auf in den Krieg!, Wo blieben die Reiter und Züchter?  Ausgabe  336
  2. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005
  3.  Stockholm,  Ausgabe  316
  4. » Machtergreifung
  5. » junge welt
  6. » junge welt vom 30.08.2005 - Ein Jubiläumsbeitrag
  7. » fs
  8. » freizeit im sattel : Juni 2005 - fs aktuell - Forderung an FN: "Schluss mit dem Kult um Gustav Rau"
  9.  Reit- und Fahrvereine,  Ausgabe  332
  10.  Amsterdam,  Ausgabe  334
  11.  100 Jahre FN, Jubiläum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
      Ausgabe 315 · Teil 1
  12.  Verbandsgründung, erste Erfolge, Männer der ersten Stunde legen den Grundstein für die Gegenwart
      Ausgabe 316 · Teil 2
  13.  Krieg und Nachkriegszeit, Gewaltige Veränderungen in jeder Hinsicht
      Ausgabe 317 · Teil 3
  14.  Das Jahr 1924, Auferstanden aus der Asche
      Ausgabe 332 · Teil 4
  15.  Kauft nur deutsche Pferde!, Pferdezucht und Pferdesport - die Erfolgskombination
      Ausgabe 334 · Teil 5
  16.  Olympische Spiele Berlin 1936, Gleichschaltung von Sport und Zucht im Dritten Reich
      Ausgabe 335 · Teil 6
  17.  Auf in den Krieg!, Wo blieben die Reiter und Züchter?
      Ausgabe 336 · Teil 7



Fotos

© Copyright wie angegeben  Quelle: FN, Privatarchiv H. Munzendorf, Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005



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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
11.09.2005

Oben sein

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß immer mehr Pferde angeboten werden? Absolut und relativ - absolut heißt, daß der Gesamtbestand der angebotenen Pferde langsam wächst. Relativ heißt, daß pro Tag immer mehr Pferde angeboten werden. Seit längerer Zeit so um die 200 "seit gestern", also um die 100 am Tag.

Da wir eine Laufzeit von sechs Wochen = 42 Tagen haben, müßten wir über 4200 Pferde im Bestand haben, wenn keines verkauft würde. Da im Monat etwa ein Zehntel dieser Zahl gelöscht wird, können wir höchstens von einem Umsatz in dieser Größenordnung ausgehen - höchstens, denn manch ein Pferd wird nicht verkauft und trotzdem aus der Datenbank genommen, da der Anbieter es sich anders überlegt hat.

Rein rechnerisch stimmt hier also etwas nicht. Wie kommen die hohen täglichen "Neuzugänge" zustande? Man hält es nicht für möglich, aber seit geraumer Zeit hat sich ein neuer Sport etabliert. Und der heißt: Wie bringe ich mein Pferd nach vorne? Ganz einfach: Indem ich mein Angebot täglich erneuere. Das kostet zwar ein bißchen Mühe, aber damit reibe ich mein Angebot denen unter die Augen, die täglich in die Liste der Neuzugänge schauen.

Früher habe ich nur zehn der letzten "Zugänge" angezeigt. Irgendwann kamen Proteste, daß ein Angebot zu schnell aus dieser Liste herausrutsche - das war der Beweis, daß die Listenposition manipuliert wurde. Brav habe ich die Liste auf die letzten 50 Angebote erweitert. Das kostete einiges an Performance, aber das habe ich inzwischen ganz gut im Griff. Die angezeigte Liste muß nur dann neu erzeugt werden, wenn sich der Bestand geändert hat. Selbst mit den vielen Bildchen erscheinen die Daten ziemlich schnell auf dem Monitor.

Aber ist dieses Vorgehen vernünftig? Natürlich nicht. Wer die Liste verfolgt, wird immer wieder dieselben Pferde sehen, nämlich diejenigen, deren Eigentümer diesen Sport besonders intensiv betreiben. Letzten Endes kann man, muß man sogar diese Manipulation als eine besondere Art von Spam betrachten. Jemand täuscht etwas vor, was nicht der Realität entspricht, um jemand anderen zu etwas zu zwingen, in diesem Falle: das Angebot zur Kenntnis zu nehmen.

In dieser Woche hat mich jemand um Hilfe gebeten: Die drei Pferdeangebote sollten nach vorne gebracht werden. Da habe ich mir den Sachverhalt mal genauer angeschaut. Es mangelte in keinem Fall an Aufmerksamkeit über die Liste der letzten Angebote, die ja auf extrem kompakte Weise eine Übersicht mit einem Minibild gibt. Die Pferde waren darüber schon Tausende von Malen angezeigt worden.

Sie waren auch schon Tausendemal als Suchergebnis angezeigt worden, also zum Beispiel über die Suche nach Rasse oder Alter oder Preis, wobei jedes Pferd einzeln in einer großen Tabelle mit einem Kleinbild vorgestellt wird. Aber nur ein paar Dutzend Leute fanden das Angebot so interessant, daß sie aus den Listendarstellungen heraus dieses Angebot gesondert aufgerufen hatten. Nur in dieser Einzeldarstellung werden die vorhandenen Bilder in Großansicht gezeigt.

Mit anderen Worten: Das Angebot war in den Übersichten nicht auf großes Interesse gestoßen. Wenn man sich nun angestrengt, das Angebot in der Übersicht Liste nach vorne zu bringen, wird sich daran vermutlich gar nichts ändern. Man vergeudet einfach nur Energie. Das kann man natürlich beliebig lange machen, es stört auch niemanden, bisher jedenfalls nicht, aber mir scheint, es bringt auch überhaupt nichts.

Bekanntlich bekommt man nach jeder Aktion eine E-Mail, und seit einigen Wochen gehe ich indirekt auf dieses Verhalten ein. Wenn jemand seine Kleinanzeige oder sein Pferdeangebot erneuert hat, spreche ich ihn per E-Mail und auf dem Monitor direkt auf diese Absicht an und mache darauf aufmerksam, daß es andere Methoden gibt, die Aufmerksamkeit auf das eigene Angebot zu lenken:  Textwerbung. Bislang ohne erkennbaren Erfolg. Merkwürdig.

Alle diese Leute wollen ihre Pferde verkaufen. Sie geben sich Mühe, die potentiellen Käufer auf Ihr Angebot aufmerksam zu machen. Wenn das nun nicht gut genug funktioniert, und die Erfolgsquote von etwa 25% spricht ja dafür, daß etwa 75% der Angebote sich nicht innerhalb von sechs Wochen realisieren lassen, dann muß man sich etwas einfallen lassen. "Wer nicht wirbt, der stirbt" ist ein Spruch, der bei Google über 10.000 Fundstellen bringt. Natürlich ist er blöd, aber der Sinn ist klar. Wenn die Leute nicht wahrnehmen, daß ich das Richtige für sie habe, muß ich mich nicht wundern, daß sie nicht kaufen.

Deshalb setze ich Werbung ein, denn ich kann damit die Aufmerksamkeit eher einfangen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn mit zunehmender Werbeflut muß sich jeder gegen diese schützen, damit er überhaupt noch funktionieren kann. Dadurch hat es Werbung immer schwerer - jedenfalls irrelevante Werbung, Werbung die mich überhaupt nicht interessiert. Wenn ich ein Kaltblut kaufen möchte, werde ich jegliche Werbung für Araber als Störung empfinden müssen. Suche ich aber nach einem Araber, dann wird mich Araber-Werbung wahrscheinlich erreichen, denn ich habe ein Problem und die Werbung könnte die Lösung bedeuten: Nämlich in der Fülle der Araberangebote das richtige Pferd zu finden.

Zugegeben: Textwerbung kostet etwas. Ein Klick kostet fünf Cent. Für 5 Euro bekommt man also 100 Klicks. 100 Klicks bedeuten, daß 100 Leute sich bewußt dafür entschieden haben, sich anzuschauen, was sich hinter dieser Werbung verbirgt. Da ein Pferd normalerweise Tausende kostet, dürften 5 Euro nicht das wirkliche Problem sein. Es ist vielmehr das Bewußtsein, was das Denken behindert. Das Internet darf nichts kosten, und das um jeden Preis!

Nicht jeder denkt so. Wer die Textwerbung verfolgt, hat sicher schon längst festgestellt, daß manche Werbung monatelang läuft. Die Kunden sind offenbar zufrieden und verlängern immer wieder. Normalerweise nutzen diese Kunden auch nicht den günstigen Tarif von 5 Cent pro Klick für Kleinanzeigen und Pferdeangebote. Sie wollen lieber, daß die Kunden direkt auf ihre Homepage verwiesen werden. Das lassen sie sich 20 Cent pro Klick kosten. Interessant. Natürlich sind das Geschäftsleute, die genau wissen, was sie tun. Sie wollen und sie müssen Umsatz machen. Und deshalb nutzen sie gern Textwerbung.

 
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Rezension: Cascaya mein Traumpferd


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Heinrich, Erik

Cascaya mein Traumpferd


192 Seiten, 24 Zeichnungen, gebunden
Cham, 2005 · Müller Rüschlikon
ISBN 9783275015375


14,90 EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Dieses Buch bietet nicht nur Reitern ein herrlich ironisches, zum Teil auch besinnliches Lesevergnügen – angereichert mit Illustrationen einer sehr bekannten Comic-Zeichnerin. Der Autor berichtet darin über den Weg vom ersten Pferdekuss bis zum eigenen Pferd auf dem eigenen Hof. Er erzählt in lebhafter Sprache über leidvolle, nützliche und vor allem auch komische Erfahrungen, die ihn nach Polen, Tunesien und Ungarn und schließlich in die Mark Brandenburg führen. Skurrile Mitmenschen, ein unverbesserlicher Hund und natürlich zahlreiche Pferde säumen seinen Weg. Treffender und amüsanter ist der Weg zum Traumpferd noch nicht beschrieben worden.



Rückentext

Cascaya


Lang ist der Weg vom ersten "Pferdekuß" bis zum Traumpferd, von der ersten Reitstunde bis zum Leben auf dem Land und auf dem eigenen Hof. Erik Heinrich erzählt schwungvoll und mit einer ordentlichen Portion Selbstironie von seinen Erlebnissen, von nützlichen ebenso wie von leidvollen Erfahrungen.

Der Weg führt ihn nach Polen, Tunesien, Ungarn, in viele Ecken von Deutschland und schließlich in die Mark Brandenburg. Er trifft auf skurrile Mitmenschen und Mitreiter, eine unverbesserlicher Hund und natürlich zahlreiche Pferdepersönlichkeiten.

Sie werden dieses Buch im Galopp lesen, gelegentlich wiehern vor Lachen, vielleicht auch mal traurig schnauben - aber langweilen werden Sie sich nicht!



Informationen zu Erik Heinrich:
Dr. Erik Heinrich hat Geschichte und Publizistik studiert. Er ist Hörfunkjournalist für SFB, ORB, WDR u. a. und lebt mit Frau, Kindern und Pferden auf dem eigenen Hof in Brandenburg.



Zu diesem Buch

Auf einem sehr frühen (glücklicherweise verschollenen) Foto ist der Autor im Cowboykostüm zu sehen; er hat die Schultüte wie ein Steckenpferd zwischen die Beine geklemmt - erste Symptome einer Krankheit, von der ihn weder "Fury-Verbot" daheim noch diverse Stürze vom Pferd oder ein bornierter Reitlehrer kurieren können. Nach einer längeren Pause schlägt das Virus im Erwachsenenalter erneut zu, der Autor beginnt wieder mit dem Reiten. Die schonungslosen Bekenntnisse eines unheilbaren Equidomanen (= Pferdebesessenen) in 23 Episoden.

Wenn ihm seine Arbeit, die Familie, die kleine feine Pferdepension (» www.der-schoene-Pferdehof.de), die Heuernte und der etwas betagte Trecker die Zeit dazu lassen, reitet Erik Heinrich mit seiner Stute (die auch im wirklichen Leben tatsächlich Cascaya heißt) auf dem Dressur- und Springplatz, noch lieber aber durch das herrliche Havelland.



» Müller Rüschlikon



 
W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Eigentlich wollte ich dieses Buch gar nicht besprechen. Der Rückentext schien mir eigentümlich blaß. Also probierte ich die Einleitung. Wie fängt dieser Autor den Leser? Wie stellt er es an, daß der Leser weiterlesen möchte, daß er Feuer fängt?

Der Ton war betont salopp gewählt und sollte witzig sein. Konnte ich gar nicht finden. Ich ließ es mich nicht verdrießen und las die erste Seite komplett, aber da war mein Urteil eigentlich schon gefestigt. Nichts für mich.

Ich probierte es noch einmal in der Mitte und landete beim Kapitel über den Urlaub in Tunesien. Erstaunt und erfreut nahm ich zur Kenntnis, daß der Autor mit wenigen Worten Charaktere umreißen kann und durchaus kein Blatt vor den Mund nimmt. Immerhin beschrieb er Persönlichkeiten, die in der Szene bekanntgewesen sein mußten. Diese Leute und viele andere, die sie kannten, würden das Buch vielleicht lesen und Anstoß nehmen. Das ist immer das Problem, wenn man eine Biographie schreibt. Man will die Wahrheit sagen, oder das, was man für die Wahrheit hält, oder besser: seine eigenen Eindrücke wiedergeben, aber man möchte niemanden verletzen und niemandem zu nahe treten. Außerdem möchte man sich nicht auf Kosten anderer profilieren.

Dieses Dilemma fand ich hier gut und taktvoll gelöst. Aber das richtige Lesevergnügen wollte sich trotzdem nicht einstellen. Da ich äußerst ungern einen Verriß schreibe, schon gar nicht, wenn ich das schon vorher weiß, war die Sache für mich klar. Dieses Buch würde ich nicht weiter anschauen. Ich fragte mich, wieso ein so bekannter Verlag dieses Buch veröffentlichen konnte. Sollte es sich gut verkaufen lassen? Konnte ich mir nicht vorstellen.

Ein paar Tage später rief mich der Autor an, um mir sein Buch vorzustellen und eine Rezension anzuregen. So etwas war mir noch nicht vorgekommen. Jetzt war ich in einer gewissen Verlegenheit und teilte ihm mit, daß ich bereits im Besitz des Buches sei. Glücklicherweise verkniff sich der Autor die Frage, ob ich bereits zu einem Urteil gelangt war.

Nun fühlte ich mich verpflichtet und warf einen zweiten Blick in das Buch. Ich las die Einleitung, das erste Kapitel, zu Ende und auch das nächste. Und langsam fing ich Feuer. Von da an habe ich das ganze Buch durchgelesen, auch das Kapitel über Tunesien zum zweiten Mal, und es ging mir tatsächlich wie auf dem Rückentext in roter Schrift beschrieben. Schien mir die Einleitung gewollt komisch, so mußte ich immer wieder, ziemlich häufig sogar, schmunzeln und lachen. Ich konnte das Buch nicht wieder aus der Hand legen und wollte wissen, wie es endet.

Welche Überraschung! Lassen Sie sich also nicht gleich ins Bockshorn jagen! Das Buch ist lesenswert. Der Autor hat eine ausgesprochene Begabung, Menschen und Tiere zu charakterisieren, sich selbst eingeschlossen. Aus wohlverstandenem Schutzbedürfnis bleiben zwar seine persönlichen Verhältnisse recht schemenhaft, aber die Menschen, denen er in Pferdesachen begegnet, werden prägnant deutlich und lebendig. Seine Schilderungen der Länder und Landschaften gerieten dagegen für meinen Geschmack eher schwach. Die passenden Bilder wollten sich bei mir nicht so recht einstellen. Sein Blick gilt eben den Pferden.

Vor ein paar Tagen habe ich die Lektüre abgeschlossen, aber die Hauptpersonen des Buches sind mir immer noch gegenwärtig. Manche spielen eine negative Rolle, negativ in Bezug auf die Pferde, um die es ja geht. Am besten zitiere ich ein paar Passagen, die gleichzeitig den kritischen Blick und die Portraitkunst des Autors belegen können:

Schon bald drängte es mich nach höheren Weihen und ich meldete mich in einem namhaften Reitbetrieb zum Abzeichenkurs für das "Große Bronzene" an, heute heißt es schlicht DRA III. Auch dort wartete ein robuster und kantiger Wallach auf mich, der zwar fürchterlich auf der Hand lag und mich vor allem lehrte, daß Reiten unerwarteterweise den Bizeps und die Schultermuskulatur fordert, aber das paßte eigentlich gut zu der Philosophie des Hauses, die trefflich in den Sinnspruch manifestiert war: "Drum merke dir auf allen Wegen: Reiten lernst du nur durch Fegen!" [...]

Der Chef der Schule, in Pferdekreisen hoch angesehen, dem unter anderem Championatspferde zur Ausbildung und Vorbereitung anvertraut wurden, der in der finanzstarken Spielklasse des deutschen Pferdekarussells zu Hause war, ließ sich persönlich nur selten herab, die Abzeichen-Gruppe zu unterrichten. Vielmehr hatte er genug zu tun mit Handel und Verhandlungen rund um die edelste Rosse. In der Stallgasse wurde gerade ein schicker Wallach aufpoliert, als ich nichtsahnend vorbeilatsche und sofort vom Chef himself abgeschickt wurde: "Los, holen Sie rasch Huffett und Pinsel aus der Sattelkammer und streichen Sie dem die Hufe ein, dalli!" Mit glänzenden Fingernägeln schwebte das Pferd kurz darauf in die Halle, wo immerhin kein geringerer als Dr. Reiner Klimke, die nationale Dressurlegende, wartete und sich in den Sattel zog. Genau wie hochkarätige Pferde, wenn sie dösend im Stall stehen, gar keinen edlen Eindruck machen, gab Klimke, der ja auch schon ein Senior war, bei seinen Proberunden ein müdes Bild auf dem allerdings äußerst bewegungsstarken Pferd ab. Für mich war es tröstlich zu sehen, daß selbst Reitgötter einen schlechten Tag haben können. Tage von der Sorte hatten mein braver Wallach und ich öfter (und der hatte nicht halb so einen Trab).

Auch den Boß selbst erlebte ich im Sattel. Er hatte eine dreijährige Stute in Beritt, die bald beim Deutschen Stutenchampionat vorgestellt werden sollte. Er war mit dem Pferd allein in der Halle und fast ohne Zeugen. Er triezte das Tier derart grob und unfein, gab der Stute so die Sporen, daß sie vor Verzweiflung an den Banden hochging. Ich konnte keinerlei Widersetzlichkeit bei dem Pferd feststellen, die vielleicht eine handfeste Auseinandersetzung begründet hätte, ich sah nur Angst und Verunsicherung. Mir drängte sich das Gefühl auf, hier will einer mal dem Pferd so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Mir ging auf, was es mit dem englischen Ausdruck "breaking the horse", das Pferd "brechen", auf sich hat. Aber das ist ein Sprachrudiment aus vergangenen Tagen, das heute nur noch vom gestrigen Cowboys praktiziert wird, dachte ich. Falsch gedacht. Der reitende Rüpel genießt auch heute noch große Hochachtung in Pferdekreisen und ich fürchte fast, der Mann ist nicht mal ein Einzelfall.
a. a. O., Seite 63, 64

Michau hatte es noch ärger getroffen als seine Mutter. Er war ungefähr auf dem intellektuellen Stand eines Dreijährigen [...] Wie ausgewechselt, auch an seinen schlimmen Tagen, war Michau aber, wenn er mit Pferden zusammen war. Es war wie ein Zauber, wie er und die Pferde sich verstanden, wie sich die Tiere ihm regelrecht zuwendeten und ihm nahe sein wollten und wie er selber ruhig und leicht wurde wie ein Pferdeflüsterer. Natürlich konnte Michau nicht reiten, so wie wir "normalen Reiter" reiten verstehen. Aber so ein Bild von Harmonie, ein total glückliches Kind auf einem völlig gelassenen und zufriedenen Pferd, wie er auf einer sonst etwas schwierigen und unruhigen Stute saß - das habe ich bei routinierten Reitern und ihren Pferden nicht alle Tage gesehen.
a. a. O., Seite 79

Solche Schilderungen stimmen natürlich traurig, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Das Buch soll doch zum Lachen anregen! Also brauche ich jetzt ein paar Zitate, die die Fähigkeit des Autors, die Lachmuskeln des Lesers zu reizen, illustrieren:

Beeindruckend finde ich die Vielseitigkeit der Hafis. Beide sind prima Geländepferde, sie können ganz nett springen, Nase sogar wie ein Flummiball. Niko hat einen schönen, gleichmäßigen und runden Galopp, so daß er auch als Longierpferd und für die ersten Stunden von Anfängern brav seinen Wallach stand. Am liebsten wäre ich noch mit den beiden in den Wald zum Holzrücken gegangen, denn da sind sie mit Sicherheit ganz in ihrem Element, aber dazu fehlte mir Zeit und Muße. Trotz alledem muß ich sagen, ganz leicht zu nehmen waren die Jungs nicht. Wie alle in Ostdeutschland gezogenen Hafis sind sie mit Arabern veredelt und im Typ sehr schick und sportlich. Wenn sich dann bei ihnen das Temperament der Wüstensprinter mit der Sturheit der Bergziegen vereinte, was manchmal der Fall war, dann bekam man mit ihnen wirklich was zu tun und konnte seine Durchsetzungsfähigkeit erproben. Ich finde es zwar nicht ganz gerecht, daß manche Pferdeleute gerne von Hafis als "Die gelbe Gefahr" sprechen, aber leichter im Umgang als normale Warmblüter sind sie auf alle Fälle nicht. Und so stelle ich gerne die Behauptung auf, frei nach Frank Sinatras