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Heidi Keppel
 
 
Tipps für entspanntes Reiten IV
Von   Heidi Keppel

Letzte Woche haben wir uns mit der positiven geistigen Grundeinstellung von Reiter und Pferd als einer wichtigen Grundvoraussetzung für entspanntes Reiten beschäftigt; diese Woche möchte ich diesen Punkt mit ein paar Überlegungen zum Thema Geländereiten vervollständigen.

Da das Geländereiten in den meisten Fällen sowieso der Entspannung dienen sollte, erscheint es eigentlich ziemlich überflüssig, hier noch spezielle Tipps für entspannte Ausritte geben zu wollen, doch leider sehen dies viele Pferde und mäßig fortgeschrittene Reiter nicht unbedingt so.

Ich habe jedenfalls als Reitlehrerin die Erfahrung gemacht, dass ein bevorstehender Ausritt die Gemüter immer mehr in Wallung brachte als das Erlernen neuer und schwieriger Reitlektionen.

Wenn sich Angst, Aufregung und Abenteuerlust miteinander vermischen, ergibt dies einen hochexplosiven Cocktail, der nicht einmal einen Gedanken an Entspannung aufkommen lässt.

Für Neulinge auf dem Gebiet des Geländereitens (egal ob Mensch oder Pferd) ist dies durchaus ein Normalzustand, doch wenn auch nach dem zehnten Ausritt in vertrauter Umgebung noch kein Gefühl innerer Ruhe und Gelassenheit eintritt und die Gedanken stets nur um mögliche Gefahren kreisen, sollte man versuchen, diesen Umstand näher zu analysieren. Dies gilt übrigens auch für das Pferd.

Hat es irgendeinen Unfall, einen Sturz oder auch nur eine besonders brenzlige Situation gegeben, wodurch diese negativen Gedanken ausgelöst wurden, oder sind Sie einfach nur ein grundsätzlich negativ denkender bzw. ängstlicher Mensch, der sich nur schwer ein undramatisches, beglückendes Erlebnis vorstellen kann?

Was auch immer der Auslöser ist, als Reiter sollten Sie schleunigst alles versuchen, um Ihre negativen Gedanken gegen eine positive geistige Grundeinstellung auszutauschen, denn unbegründete und übertriebene Ängste sowie negative Erwartungen können letztendlich tatsächlich gefährlich werden, da sie sich einerseits auf das Pferd übertragen und sich andererseits auf unheimliche Weise zu so genannten selbsterfüllenden Prophezeiungen entwickeln können.

Ich könnte einige kuriose Geschichten von Reitschülern erzählen, deren negative Vorstellungen sich schließlich tatsächlich ereigneten, auch wenn sie im Vorhinein völlig absurd erschienen. Leider sind viele solcher Menschen unbelehrbar und sehen unangenehme oder schlimme Ereignisse nur als Bestätigung ihrer Erwartungen, anstatt diese Erfahrungen als Anlass für ein generelles Umdenken zu sehen.

Doch nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Pferden gibt es Exemplare, die hinter jedem Busch oder Stein schreckliche Gefahren erwarten, die bei jeder Straßenüberquerung ein fürchterliches Theater aufführen und bei jeder Begegnung mit anderen Lebewesen oder Maschinen zum gefährlichen Durchgehen neigen, wobei es selbstverständlich viele individuell unterschiedliche Ängste geben kann.

So hatte ich z.B. einen Hengst, der bei ratternden Motoren nicht einmal mit der Wimper zuckte, wohingegen das Zwitschern eines kleinen Vogels ihn fast in Ohnmacht fallen ließ.

Ist diese übertriebene Angst nicht auf ein traumatisches Erlebnis zurückzuführen, sollte man als Reiter nicht nur versuchen, der Ursache auf den Grund zu gehen, sondern außerdem verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation zu setzen.

Regelmäßige lange, aber ruhige Geländeritte, bei denen sich das Pferd davon überzeugen kann, dass die vermeintlichen Gefahren gar nicht so schlimm sind, stellen meist die beste Therapie dar. Man sollte auf solchen Ritten auch nicht jeder kleineren oder größeren Schwierigkeit aus dem Wege gehen, sondern eher versuchen, solche Situationen bestmöglich und ‚tapfer' zu meistern, denn nur so kann das Pferd (und auch sein Reiter) an Selbstvertrauen gewinnen.

Von der Methode, das nervöse Pferd durch langes Galoppieren müde machen zu wollen, würde ich hingegen dringend abraten, denn diese Vorgehensweise eignet sich bestenfalls für extrem unausgelastete Warmblüter, wobei auch hier eine übertriebene Belastung der Sehnen und Gelenke und die damit verbundene Verletzungsgefahr nicht unterschätzt werden sollte.

Voll- und Halbblüter aber, die durch zu wenig allgemeine Bewegung oder Überfütterung etwas verrückt zu sein scheinen, werden durch zu forciertes Reiten erst richtig heiß und schließlich unkontrollierbar. Für sie eignen sich lange Schrittritte mit ruhigen, stets kontrolliert gerittenen Trabreprisen sehr viel besser. Regelmäßige, aber nicht zu hohe Anforderungen machen auch aus solchen Pulverfässern ausgeglichene und zuverlässige Reitpartner.

Unterstützend zu dieser Reittherapie gibt es allerdings auch einige homöopathische Arzneimittel und Bachblüten, die den geistigen Zustand von ängstlichen und hysterischen Pferden sehr positiv beeinflussen können, sodass die Arbeit mit solchen Tieren ganz enorm erleichtert wird.

Bei den homöopathischen Heilmitteln dient vor allem Ambra D4 (2-3mal täglich 10-15 Tropfen) ganz allgemein zur Nervenstärkung, und Avena sativa D4 bei derselben Dosierung zur Beruhigung.

Bei Tieren, die zu unruhigem Herumlaufen im Stall oder auf der Koppel und zum Weben neigen, ist Zincum metallicum D8 oder auch Zincum valerianicum D6 (2mal täglich 10-15 Tropfen) das Mittel der Wahl.

Zur Beruhigung von übersensiblen, nervösen Vollblütern eignet sich vor allem Phosphorus D30 (1-2mal wöchentlich 10-15 Tropfen).

Argentum nitricum D30 hingegen wirkt besonders gut bei Pferden, die schon vor Turnieren oder Ausritten zu sehr nervösem Verhalten mit begleitenden Durchfällen neigen. Man verabreicht es 1-2mal wöchentlich (jeweils 10-15 Tropfen) bzw. kurz vor einer solchen Stresssituation.

Pferden, die bei Aufregung extrem beschleunigten Herzschlag zeigen, kann mit Coffea D4 oder D6 (10-15 Tropfen im Bedarfsfall) meist rasch geholfen werden.

Hyoscyamus D30 und Stramonium D30, zwei sehr starke Mittel, sind nur bei extrem hysterischen Tieren angebracht, die zu richtigem Tobsuchtsverhalten und auch Aggressionen neigen. Für Hyoscyamus spricht, wenn das betreffende Pferd gleichzeitig große Angst vor Wasser hat. Beide Mittel werden nur im Bedarfsfall (1mal 10-15 Tropfen) verabreicht oder kommen als kurze Kur mit einer wöchentlichen Gabe zur Anwendung. Sobald sich die Symptome deutlich gebessert haben, sollten die Mittel unverzüglich wieder abgesetzt werden.

Bei den Bachblüten stehen ebenfalls einige Mittel zur Wahl.

Aspen verwendet man am besten dann, wenn das nervöse Tier scheinbar unerklärliche Ängste hat, wenn es sozusagen ‚Gespenster' sieht.

Mimulus hingegen eignet sich für allgemein überängstliche ‚Mimosen', die bei jedem lauten Geräusch zusammenzucken und auch alltägliche Dinge furchteinflößend finden, also ein allgemein sehr empfindsames Wesen besitzen.

Impatiens gibt extrem lebhaften und ungeduldigen Tieren, die ständig in Bewegung sein müssen und leicht gereizt werden, wieder mehr Gelassenheit.

White chestnut hilft Pferden, die ein Tickverhalten an den Tag legen, also z.B. ohne besonderen Grund immer an derselben Stelle erschrecken, indem es die offensichtlich ständig wiederkehrenden negativen Gedanken beseitigt.

Larch stärkt das Selbstvertrauen bei unsicheren Tieren, und Chestnut bud unterstützt jeglichen Lernprozess.

Star of Bethlehem wirkt als so genannter Seelentröster, indem es negative Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten hilft und den Geist für eine neue Denkweise öffnet.

Rock rose sollte man Pferden geben, die zu panikartigem Verhalten neigen, und Cherry plum beruhigt Pferde, die zu völligem Durchdrehen neigen. Diese Mittel sind auch in den so genannten Notfalltropfen enthalten, die ebenfalls im Bedarfsfall aber auch regelmäßig verabreicht werden können, wenn Pferde oft nervös und hysterisch reagieren.

Alle diese Bachblüten werden im Notfall bzw. kurmäßig für ein paar Wochen 3mal täglich verabreicht. Verwendet man ein Einzelmittel genügen 10-15 Tropfen, hat man sich eine Mischung zusammengestellt, benötigt man ca. 30 Tropfen für eine Gabe.

Sie können sich die Bachblüten in der Apotheke fertig herstellen lassen, oder dies selbst tun, indem Sie die Urtinktur mit 2/3 Wasser und 1/3 Alkohol versetzen, wobei auf 10ml dieser Mischung jeweils 1 Tropfen der gewünschten Bachblüte (von den Notfalltropfen benötigen Sie 2 Tropfen) gegeben wird. Dann das Ganze gut schütteln und die nötige Tropfenanzahl auf einem Stück harten Brot verabreichen!

Bei manchen Bachblüten (vor allem bei den Notfalltropfen) können Sie mit einer sehr raschen Wirkung rechnen, andere brauchen eine gewisse Zeit, um den Geist des Pferdes auf die neue Denkweise einzustimmen.

In jedem Fall können Sie aber bei der Verwendung des richtigen Mittels mit einem baldigen Erfolg rechnen, sofern wirklich ein seelisch-geistiges Problem vorliegt, und das angespannte, ängstlich-nervöse Verhalten nicht mit einem körperlichen Leiden zusammenhängt.

Damit wären wir bei meiner dritten Grundvoraussetzung, nämlich der grundsätzlichen körperlichen Fähigkeit zu entspanntem Reiten, angelangt, welche wir uns dann nächste Woche genauer ansehen werden.




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